Erkenntnis 308
Drei Selbstständige, und bei allen arbeitet die KI im eigenen Papierkram
In einer Woche schreibt ein Berater eine KI-Strategie für einen Großkunden. Eine Trainerin lässt sich im selben Zeitraum ein Förderformular ausfüllen.

„Ich gehe auf die Internetseite, hole mir Claude dazu und sage füll die Scheiße aus.“ So beschreibt eine Trainerin, was sie wirklich mit dem Modell macht. Es geht um ein Förderformular, das sie hasst.
In derselben Woche sitzt ein Berater aus dem Gesundheitssektor vor einer anderen Frage: Darf er Kundendaten überhaupt in ein Modell geben? „Weil das die Datenschutzerklärung tatsächlich nicht hergibt.“ Und eine dritte Teilnehmerin fragt bei einem Handwerksverband nach, wie weit die dort mit KI sind. Die Antwort: E-Mail, Präsentation, das war's.
Drei Menschen, die sich nicht kennen, landen an derselben Stelle. Der messbare Nutzen sitzt in der eigenen Verwaltung. Anträge, Mails, Folien. Sobald Kundendaten dazukommen, bremst die Datenschutzerklärung des Kunden. Oder der Kunde selbst ist noch nicht so weit.
Ich habe mir das mitgeschrieben, weil es schlecht zu dem passt, was wir verkaufen:
Im Angebot steht die Strategie. Im Alltag läuft das Formular.
Vor ein paar Wochen stand hier, dass ein Kunde jemanden sucht, der eine Stufe weiter steht als er selbst. Den zweiten Teil habe ich damals übersehen. Diese eine Stufe liegt bei den meisten im eigenen Papierkram. Im bezahlten Projekt liegt sie selten.
Das ist unbequem, auch für mich. Wir reden über agentische Systeme, also KI, die eine Aufgabe in mehreren Schritten selbst abarbeitet. Wir schreiben KI-Strategien für Großkunden. Die eine Stelle, an der das Werkzeug seit Monaten verlässlich liefert, taucht in keinem unserer Angebote auf. Sie kommt uns zu klein vor.
Sie ist das Gegenteil von klein. Sie ist der Beleg, den du tatsächlich vorzeigen kannst.
Der eine Einsatz, der verlässlich funktioniert, steht auf keiner Rechnung.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Beim Kunden bremst die Datenschutzerklärung, lange bevor die Technik an eine Grenze stößt
Ein Handwerksverband nutzt KI für E-Mails und Präsentationen, weiter reicht es dort nicht
Keiner der drei hat diesen täglichen Einsatz je in ein Angebot geschrieben
Was das für dich heißt
Zähl in der nächsten Woche mit, wo dir das Modell tatsächlich Arbeit abgenommen hat. Stammen drei von vier Einträgen aus deinem eigenen Papierkram, hast du dein ehrlichstes Verkaufsargument gefunden. Erzähl genau diesen Fall im nächsten Kundengespräch.
Die Frage an dich
Welchen KI-Einsatz, der bei dir täglich läuft, hast du deinem Kunden noch nie gezeigt, weil er dir zu banal vorkommt?
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