Erkenntnis 301
Vierzig Seiten erschlagen den Workshop
Ein Kunde beendete seinen Workshop nach der Hälfte. Vier Teilnehmer waren online, der Auftraggeber arbeitete nebenbei an etwas anderem.

Ein Kunde erzählte mir von seinem Workshop am Vortag. Vier Teilnehmer auf Kundenseite, alle online zugeschaltet. Auf dem Tisch lagen eine Einkaufsrichtlinie über vierzig Seiten in Word und eine Präsentation dazu. Der Auftraggeber arbeitete nebenbei an etwas anderem, einer schaltete die Kamera an und gleich wieder aus.
Nach der Hälfte hat er abgebrochen. Er stellte Dokument und Folien sofort zur Verfügung, setzte das Feedbackgespräch zwei Wochen später an und beendete den Termin früher. Der Kunde war dankbar. Ihm selbst hat es keinen Spaß gemacht.
Es war keine Arbeitsstimmung, sagte er. Das kam mir bekannt vor.
„Wir haben durch die KI so viel Kontext und Content erstellen lassen, der durch den Einzelnen nicht mehr verdaubar war. Darüber dürfen wir noch mal nachdenken.“
In KW 36 stand hier unter »Der Wow-Effekt lähmt den Entscheider«, dass ein Kunde vier Wochen braucht, bis er auf ein fertiges Konzept überhaupt antwortet. Damals habe ich die Menge beschuldigt. Der Engpass sitzt im Begreifen. Diese Arbeit macht ein Mensch, oder sie passiert nicht.
Auf Knopfdruck liegen vierzig fertige Seiten da. Ein Absatz, der vorher nicht durch meinen Kopf gegangen ist, hält im Kundengespräch der ersten Rückfrage nicht stand.
Die vierzig Seiten waren fachlich sauber. Was fehlte, war der Moment, in dem einer im Raum sie zu seinen macht.
KI kann das alles ausspucken, aber es ist halt dann nicht unseres.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Vierzig Seiten Richtlinie, vier Teilnehmer online, nach der Hälfte war Schluss
Beim Termin davor vor Ort schien der schwierige Teilnehmer gewonnen, online fing es wieder an
Das Begreifen bleibt beim Menschen im Raum, kein Modell nimmt es ihm ab
Was das für dich heißt
Zähl beim nächsten Termin, wie viele Seiten du vorlegst. Streich jede Seite, die du nur mit dem Dokument in der Hand erklären könntest. Was übrig bleibt, trägt die Stunde. Den Rest schickst du vorher und gibst eine Woche Zeit zum Lesen.
Die Frage an dich
Welchen Teil deines letzten KI-Ergebnisses könntest du einem Kunden frei erklären, ohne ins Dokument zu sehen?
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