Erkenntnis 299
Allein im Wald bleibt die Idee dünn
Ich wollte im 146. KI-Café zeigen, dass mein Prozess banal ist, und stolperte beim Aufschreiben über die zwanzig Minuten Fragen davor.

Im 146. KI-Café führe ich vor, wie aus dem Anwendungsfall eines Teilnehmers über Nacht eine fertige Lösung wird. Klaus hat seinen Fall über unser Online-Formular eingereicht. Das System hat ihm dazu Fragen gestellt, danach habe ich mit ihm gesprochen. Dreißig Minuten, zwanzig davon nur Fragen von mir.
Mein Punkt war die Entzauberung. Wer das Handwerk einmal gelernt hat, für den ist dieser Prozess total banal. Ihr könnt das zu Hause machen, habe ich gesagt. Die wenigsten tun es halt.
Dann komme ich auf diese zwanzig Minuten. Fünf Minuten Begrüßung, fünf zum Abschied, dazwischen frage ich so lange nach, bis klar ist, was jemand wirklich vorhat. Während ich das auf die Folie schreibe, höre ich mich selbst einen Satz sagen, den ich so nicht geplant hatte.
„Jetzt wo ich es aufschreibe, wird mir auch klar, was ihr alleinstehend im Wald nicht ermöglichen könnt."
Im Sommer habe ich im selben Format gefragt, wer sich hier eigentlich rechtfertigt: das Modell oder der Mensch. Hier liegt die Antwort. Über Nacht liefert die Maschine genau so viel, wie das Gespräch davor hergegeben hat. Wer allein vor dem Chatfenster sitzt und tippt, bekommt dünne Ergebnisse. Die Maschine kann dafür am wenigsten.
Der Teil, den ich für banal hielt, ist der einzige, den du allein schwer nachbaust. Es muss kein Berater aus unserem Institut sein. Meine fünfunddreißig Jahre Beratung braucht es dafür auch nicht.
Es muss jemand sein, der zuhört, ohne zu bewerten.
Da braucht es einen Resonanzkörper, da braucht es einen Reflexionskörper.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Anwendungsfälle sammeln wir seit drei Jahren, so tief gefragt wird darin erst seit zwei Monaten
Von den dreißig Minuten gehen zehn für Begrüßung und Abschied weg, die übrigen zwanzig sind reine Fragen
Der Zuhörer darf aus dem eigenen Umfeld kommen, er muss nur zwanzig Minuten lang sein Urteil zurückhalten
Was das für dich heißt
Such dir für deinen nächsten Fall einen Menschen, der dir zwanzig Minuten lang Fragen stellt, bevor du die erste Zeile tippst. Deine Branche muss er nicht kennen. Er muss aushalten, dass er in diesen zwanzig Minuten noch gar nichts bewertet.
Die Frage an dich
Wer hat dir zuletzt zwanzig Minuten lang Fragen gestellt, ohne dir dabei eine einzige Lösung anzubieten?
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