Erkenntnis 300
Förderprogramme laufen aus, davon lebt das Abo
Ein Kunde bringt eine Anwendung mit, die rund 3.000 Förderprogramme kennt, und will sie verschenken. Ein täglicher Blick in die Listen macht aus der Demo einen Monatspreis.

Fünf Uhr nachmittags, ein Vorgespräch zu einem Workshop im Dezember. Werner bringt einen Fördernavigator mit. Die Anwendung kennt rund 3.000 Förderprogramme und sucht zu einer Firma das passende heraus. Ein PDF mit siebzig Seiten liegt als Testmaterial bereit.
Verkaufen wollte er die Sache nicht. Er fragte, was er jetzt noch beitragen könne, und dachte dann laut weiter. Ein Wächter, also ein kleines Programm, das jeden Tag die Förderlisten durchgeht. Es kennt die Firma des Kunden und schickt eine Nachricht, sobald ein passendes Programm auftaucht.
»Da machen wir ein Geschäftsmodell draus. Ich muss ja immer mich da wieder zurückhalten. Ich halte ja auch alle anderen zurück.«
Ich warne jede Woche jemanden davor, seine schnell gebaute Lösung verkaufen zu wollen. In einer früheren Ausgabe stand bei mir der Satz »Der erste Prototyp war gratis, die zwei Wochen danach auch«. So ein Ding bleibt eine Demo, und der Nachschlag ist schon eingebaut.
Hier nehme ich die Warnung zurück.
Ein Kriterium kommt dazu: Die Daten unter der Anwendung ändern sich, während der Kunde schläft. Förderprogramme laufen aus, neue werden aufgelegt. Wer einmal sucht, bekommt eine Antwort. Wer jeden Tag nachschaut und meldet, hat einen Grund, auch im nächsten Monat Geld zu nehmen.
Ein Prototyp wird zum Produkt, sobald sein Schweigen jemandem auffällt.
Zehn Sekunden später lagen die Preise auf dem Tisch. Werner rechnete laut: Wer 25 Prozent einer Investition gefördert bekommt, fragt bei zwanzig Euro im Monat nicht mehr nach dem Preis.
Aber in dem Fall würde ich sagen, weißt du, das ist ein Abo-Modell wert.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Für Firmen standen rund hundert Euro im Monat im Raum, für Selbstständige zwanzig
Gegenprobe: Bleiben die Daten unter einer Anwendung ein Jahr lang gleich, bleibt sie eine Demo
Der Wächter braucht keine neue Technik, nur einen täglichen Lauf durch die Listen und eine kurze Nachricht
Was das für dich heißt
Schreib neben deinen letzten Prototyp, was sich an seinen Daten in den nächsten zwölf Monaten von allein ändert. Steht dort nichts, verschenk ihn als Demo. Steht dort etwas Tägliches, bau den täglichen Blick ein und ruf einen Monatspreis auf.
Die Frage an dich
Was ändert sich an den Daten deiner Lösung über Nacht, ohne dass du etwas dafür tust?
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