Erkenntnis 264
Willst du Beratung oder willst du Bestätigung?
Im Masterclass-Call stand die Frage nach der Datenbank ganz vorn auf der Liste. Ein Teilnehmer erklärt, warum sie dort deine Antwort verdirbt.

In der Masterclass arbeite ich meine Liste an Rahmenbedingungen durch: welche Infrastruktur, welches Modell antwortet, welcher Datenschutz gilt. Ein Teilnehmer hat seit Minuten die Hand oben. Sein Mikro kommt erst beim zweiten Anlauf durch.
Dann sagt Steffen einen Satz, der meine erste Frage kassiert. KI sei darauf trainiert, beim Nutzer zu punkten, also zuzustimmen. Wer sie fragt, ob er Supabase braucht, eine Datenbank, die als Dienst im Netz läuft, bekommt ein freundliches Ja und eine Begründung gratis dazu. Die Maschine nimmt deine Vorgabe als gesetzt. Sie baut sie dir aus.
„Wenn du nicht weißt, was Postgres oder SQLite ist, dann erwähne das nicht." Beides sind Datenbanken. Die eine läuft auf einem Server, die andere als einzelne Datei auf deinem Rechner. Genau diesen Fehler hatte ich gemacht, mit meiner eigenen Fragenliste, in der die Infrastruktur ganz vorne stand.
Ich sage es im Call laut: „Das ist ein super Hinweis, den ich nicht erwähnt habe als eine Frage."
Seit dem 9. Februar läuft bei uns Supabase, für rund hundert Euro im Monat, festgeschrieben in den Architekturdokumenten. Im KI-Café, unserem offenen Format, gebe ich SQLite vor, lokal auf dem Rechner, damit auf der Bühne nichts ausfranst. Für mich sind beide Entscheidungen richtig. Nur habe ich daraus eine Eröffnungsfrage gemacht. Wer zuerst nach der Technik fragt, macht aus fremdem Halbwissen eine Festlegung, die danach im Architekturdokument steht.
Also nehme ich die Infrastrukturfrage von Platz eins und mache aus Steffens Hinweis eine Rahmenbedingung: Vermeidet Lösungsvorschläge. Skizziert den Anlass, den Anwendungsfall und das Ziel.
Die Technik kommt danach. Und zwar von der Seite, die sie kennt.
Idealerweise lösungsfrei, weil die KI heute den besseren Weg kennt.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Wer fünftausend transkribierte Videos durchsucht, braucht eine Vektordatenbank, also einen Speicher, der Texte nach Bedeutung findet. Bei fünfundzwanzig Einträgen in einer FAQ verschlechtert sie die Antworten.
Schreibt ein Kunde seinen eigenen gemieteten Server vor, dann gehört genau diese Vorgabe in die Anweisung an die KI.
Wer viele Projekte gleichzeitig fährt, einigt sich später auf zwei Standardwege und entscheidet nur noch die Ausnahmen.
Was das für dich heißt
Streich aus deiner nächsten Anweisung an die KI, dem Prompt, jedes Produktwort, das du einem Kollegen nicht erklären könntest. Schreib stattdessen hin, was passieren soll und woran du den Erfolg misst. Lass dir die Empfehlung samt Begründung geben und frag danach nach der Alternative.
Die Frage an dich
Welches Werkzeug steht in deinem letzten Prompt, ohne dass du sagen könntest, warum ausgerechnet dieses dort steht?
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