Erkenntnis 266
»Übrig bleibt die Frage: warum ausgerechnet du?«
Fünf Menschen liefern mit KI. Eine angehende Gründerin sagt laut, was die anderen denken: Dieses Können haben inzwischen alle.

Ein Berater, der seit Jahren Einkaufsabteilungen sortiert: „Das habe ich tatsächlich schon mal gemacht, damals noch mit einem Custom GPT, und bei Kunden auch schon gezeigt.“ Ein Custom GPT ist ein Chatbot, den man sich mit eigenen Anweisungen selbst einrichtet. Ein Reiseunternehmer, der gerade ins Plattformgeschäft wechselt: „Warum soll ich eigenen Code schreiben? Wozu? Das ist Zeitverschwendung.“ Ein Mentee: „Die Fingerfertigkeit mit KI, die ich gesammelt habe, das war schon richtig cool.“
Dazu ein Dozent mit 75 Jahren, der seine Kursunterlagen in Minuten fertig hat. Und eine angehende Gründerin, die ihr Angebot künftig an Teams verkaufen will. Fünf Gespräche, fünf Menschen, die heute in Stunden liefern, wofür es vor zwei Jahren Spezialisten brauchte. Etwas zu bauen kostet fast nichts mehr.
Und genau da wurde es still in meinem Kopf.
Das Handwerk sitzt bei allen fünf. Genau deshalb unterscheidet es keinen von ihnen.
Den ehrlichsten Satz der Woche sagt ausgerechnet die, die noch kein Produkt hat: „Aber ich bin ja nicht die Einzige, die das anbietet.“ Die vier anderen legen Ergebnisse vor. Sie legt die Frage auf den Tisch.
Ich habe Können lange als Beweis verkauft. Wer zeigen konnte, was das Werkzeug hergibt, hatte das Gespräch gewonnen. Heute ist das die Eintrittskarte, kein Argument. Der Reiseunternehmer baut seit neun Monaten an seiner Plattform, ohne eine Zeile Code selbst zu schreiben. Das beeindruckt niemanden, der sich dasselbe am Wochenende zusammensetzt.
Was bleibt, ist das Wissen über das eigene Fach. Der Berater weiß, an welcher Stelle im Einkauf das Geld verloren geht. Der Reiseunternehmer kennt seine Anbieter seit zwanzig Jahren. Diesen Teil liefert die KI nicht mit.
Übrig bleibt die Frage, die keiner von ihnen gelöst hat: warum ausgerechnet du?Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Fünf Gespräche in einer Woche drehten sich ums Können, keines um die Kundschaft
Ein Dozent mit 75 Jahren stellt seine Kursunterlagen in Minuten fertig
Der Reiseunternehmer baut seit neun Monaten an seiner Plattform, ohne eine Zeile Code selbst zu schreiben
Was das für dich heißt
Streich aus deiner Selbstbeschreibung jeden Satz, der von Werkzeugen handelt. Was danach stehen bleibt, ist dein Angebot. Bleibt zu wenig übrig, schreib auf, welches Problem deiner Branche du im Schlaf löst, und fang dort neu an.
Die Frage an dich
Wenn morgen fünf Wettbewerber dasselbe Werkzeug bedienen wie du, welchen Grund nennt dein Kunde dann für dich?
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