Erkenntnis 265
Eine zwei Jahre alte Anwendung liefert den Avatar
Am Institut laufen rund dreißig Anwendungen. Eine davon steuert auf der Bühne die Avatare der neuen Kursplattform.

Ich baue im KI-Café, unserem offenen Online-Format, zwei Dinge gleichzeitig. Die Übertragung läuft mit. Auf dem einen Rechner entsteht die Kursplattform, auf dem anderen der Kurs dazu. Eine Teilnehmerin sitzt mit auf der Bühne, ihr Anwendungsfall ist der Testfall. Die Uhr läuft, das Café dauert neunzig Minuten.
Die Plattform braucht Avatare, fertig berechnete Videos und den Wechsel vom großen Bild in die Nahaufnahme, in der nur der sprechende Kopf zu sehen ist. Das ist Wochenarbeit. In einer anderen Anwendung von uns läuft genau das seit zwei Jahren.
Also überlasse ich die Erklärung der alten Anwendung. Sie schreibt selbst auf, wie sie ihre Avatare steuert, in eine Markdown-Datei, also eine schlichte Textdatei mit ein paar Formatzeichen. Diese Datei bekommt die zweite KI als Bauplan.
„Wir reden ja immer gerne über ein sich selbst verstärkendes System.“
Am Institut betreiben wir rund dreißig Anwendungen. In jeder steckt ein technischer Durchstich, also eine Funktion, die einmal von vorn bis hinten durchläuft. Ein gelöster Durchstich ist Kapital, kein abgeschlossenes Ticket.
In der Ausgabe aus Kalenderwoche 37 habe ich unter „Sechs Monate bei ihnen, drei Prompts bei uns“ geschrieben, dass wir schneller sind. Warum, habe ich damals offengelassen. Ich hielt es für Fingerfertigkeit beim Prompten, also für Geschick beim Formulieren der Anweisungen an die KI.
Der Grund steckt in unseren eigenen Anwendungen. Eine Spezifikation beschreibt, was gebaut werden soll. Die beste Spezifikation für das nächste Projekt ist die eigene Anwendung, die schon läuft.
Das Video, das die Teilnehmerin zur Vorbereitung bekam, dauert eine Minute und zweiundvierzig Sekunden. Den Szenenwechsel darin habe ich nie programmiert. Die KI hat das Video vollständig allein gerechnet.
Dort, wo ich technische Durchstiche schon habe, kann ich diese herauslösen und in neue Projekte integrieren.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Rund dreißig Anwendungen laufen am Institut, jede mit mindestens einer Funktion, die ein neues Projekt sofort übernimmt
Der Avatar im Vorbereitungsvideo stammt aus einer zweieinhalb Jahre alten Anwendung und läuft bis heute
Wer Inhalt und Stimme getrennt speichert, tauscht den Avatar später mit einem Knopfdruck
Was das für dich heißt
Such dir aus deinem letzten Projekt die eine Funktion heraus, die sauber durchläuft. Lass die KI auf einer Seite beschreiben, wie sie gelöst ist. Leg diese Datei ins nächste Projekt, bevor dort die erste Zeile entsteht.
Die Frage an dich
Welche deiner gelösten Funktionen liegt als Beschreibung bereit? Und wann hast du zuletzt eine davon in ein neues Projekt gezogen?
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