Erkenntnis 201
»Tausende Euro dürft ihr rausknallen, solange das Ergebnis stimmt«
Ein Entwickler kauft auf eigene Faust Tokens nach und fragt erst danach nach der Obergrenze. Er bekommt drei Zwecke.

Gibt es eine harte Grenze? Die Frage kam kurz nach zwölf, mitten im internen Gruppencall.
Meetingraum, die wöchentliche Runde mit dem Team. Jeder sagt, was oben aufliegt. Philipp, der bei uns an den Frontends arbeitet, hängt seine Frage an ein Lob. Ich hatte gesagt: nutzt das neue Modell, solange wir Zugriff darauf haben. Er hat daraufhin mehrfach auf eigene Faust Tokens nachgekauft, also die Einheiten, in denen die Anbieter die Nutzung ihrer Modelle abrechnen.
„Aber ich will es einmal kurz ausgesprochen haben, weil wir da noch nie drüber gesprochen haben."
Er hat recht. Über das Geld hatten wir nie gesprochen, nur über die Ergebnisse.
Also habe ich es ausgesprochen. Ich genehmige Tokens für genau drei Zwecke: Fehler im eigenen Haus vermeiden, unsere Prozesse besser machen, das Erlebnis für Kunden bauen. Passt eine Ausgabe auf einen dieser drei Zwecke, ist die Sache entschieden.
Ein Beispiel. Der Podcast-Schnitt kostete eine Kollegin einen Arbeitstag pro Folge. Sie hörte sich durch die Calls und suchte die guten Stellen heraus. Das erledigt jetzt ein Modell, und dafür gebe ich jeden Betrag aus.
Der übliche Reflex bei KI-Kosten heißt Deckel. Zweihundert Euro im Monat, dann ist Schluss. So habe ich selbst gerechnet, als wäre Modellzeit ein Posten wie Büromaterial. Ein Deckel begrenzt allein die Summe. Teuer wird die Ausgabe, die hinterher zu keinem der drei Zwecke passt, und zwar auch dann, wenn sie zwölf Euro gekostet hat.
Deshalb schaue ich auf einer Rechnung zuerst auf den Zweck. Danach frage ich, ob wir vorher darüber gesprochen haben. Abgestimmt wird vorher. Dann darf die Summe groß sein.
Da könnt ihr tausende von Euro rausknallen, solange das Ergebnis stimmt.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Philipp kaufte Tokens nach und fragte erst danach nach der Obergrenze.
Tokens zahlen bei uns auf drei Zwecke ein: Fehler vermeiden, Prozesse verbessern, Kundenerlebnis bauen.
Wer den Zweck vorher nennt und ihn abstimmt, kommt ohne Obergrenze aus.
Was das für dich heißt
Nimm deine letzte KI-Rechnung und ordne sie einem von drei Zwecken zu: Fehler vermeiden, Prozess verbessern, Kundenerlebnis bauen. Findest du keinen davon, lass die Ausgabe. Und sag deinem Team vorher, welcher Zweck zählt.
Die Frage an dich
Welchem der drei Zwecke dient deine letzte KI-Rechnung, und wer in deinem Team kann diese Frage beantworten?
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