Erkenntnis 281
Erst im Gespräch läuft die Simulation
Eine Kundin will ihre Simulation als PDF verschicken. Ich rate ihr, das Ergebnis für das Erstgespräch aufzuheben und nur die Rechenweise herzugeben.

Kurz vor zwölf, Einzelcall. Eine Kundin teilt den Bildschirm. Sie zeigt, was sie aus einem Strategietag gebaut hat: die Engpässe ihres Kunden, sauber beschrieben. Daneben läuft eine Simulation, die durchspielt, was sich verschiebt, sobald an einer Stelle KI dazukommt.
Sie ist selbst beeindruckt. Die Simulation argumentiert tiefer, als sie erwartet hat. Dafür brauchte sie zehn bis fünfzehn Durchläufe, obwohl das Werkzeug vierzig zulässt. Ihre Frage danach klingt kleiner, als sie ist: Soll daraus ein PDF werden? Sollen die Leute mehr davon sehen, wie sich die Zahlen über die Runden bewegen?
Ich habe gefragt, woher Seed und Query kommen, also das Ausgangsdokument und die Frage, mit der die Simulation startet. Beides stammt aus einem Prompt, den sie längst gespeichert hat und auf Zuruf startet. Genau da gehört er hin: in ihren eigenen Support, der ihren Kunden beim Beschreiben seines Anwendungsfalls begleitet und danach den Nutzen rechnet.
Ihren Plan für das Erstgespräch beschreibt sie so: Sie zeigt ihrem Kunden live, was passiert, wenn er die Sache in seiner Organisation umsetzt.
Üblich ist das Gegenteil. Das beste Stück wandert nach vorn, als kostenloses PDF gegen eine E-Mail-Adresse. Eine Woche davor saß mir ein anderer Kunde gegenüber. Er hatte achtzehn Folien eines Anbieters vor sich und sagte: machen wir selber. So endet es, wenn du die Bauanleitung gleich mitlieferst.
Eine Simulation wirkt nur, während sie läuft. Ein Dokument reicht ihr Kunde weiter, und niemand spürt etwas davon. Die Rechnung mit seinen eigenen Zahlen sieht er nur, wenn er im Termin sitzt.
Das Ergebnis bleibt im Gespräch. Genau das macht das Gespräch nötig.
Aber das zeige ich ihm halt erst, wenn er ins Gespräch kommt.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Zehn bis fünfzehn Simulationsrunden reichen, vierzig braucht dafür niemand.
Die Auswertung nennt Nebenwirkungen und Bündnisse, an die vorher niemand gedacht hat.
Für Ausgangsdokument und Startfrage nutzt sie denselben Prompt, den sie längst gespeichert hat.
Was das für dich heißt
Streich aus deinem kostenlosen Material den Teil, der die Wirkung zeigt. Lass stehen, wie du rechnest. Das Ergebnis läuft erst, wenn dein Kunde dir gegenübersitzt, mit seinen Zahlen vor Augen. Dann hat der Termin einen Grund, den kein PDF ersetzt.
Die Frage an dich
Welchen Teil deines besten Materials gibst du heute heraus, obwohl er allein schon den Termin wert wäre?
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