Erkenntnis 277
»Früher zwei Wochen Arbeit«
Neunundzwanzig Videofolgen in einer Stunde, nebenbei ein Telefonat. Meine Aufwandsschätzung stammte noch aus der Zeit, als ein Team dafür zwei Wochen brauchte.

Das Gespräch läuft seit zwei Minuten, ich teile den Bildschirm. Im Kursbereich liegen neunundzwanzig Videofolgen zu meiner Buchserie, sauber sortiert. Eine Stunde vorher lag dort nichts.
Ausgelöst hat das eine Rückmeldung von Lesern: Die QR-Codes im Buch führen auf leere Seiten. Ich hatte diese Seiten schlicht vergessen. Beim Nachsehen fiel mir auf, dass die ganze Videoserie an der falschen Stelle lag.
Während ich mit einem Geschäftspartner telefonierte, habe ich genau eine Anweisung eingegeben: die Videos übernehmen, aufbauen wie die Serie davor. Es kamen drei Rückfragen, danach noch eine. Ein Video fehlte, ein Fehler steckte drin. Nach einer Stunde stand die komplette Serie, mit Texten und allem drum und dran.
Okay, das ist krass. Krass. Früher zwei Wochen Arbeit.
Früher hieß dieselbe Aufgabe: jemanden beauftragen, die Dateien umziehen lassen, Seiten neu anlegen. Eine Woche, eher zwei. Und die Qualität wäre trotzdem eine Herausforderung gewesen.
Das Werkzeug ist dabei der kleinere Teil. Wichtiger ist, dass meine eigene Aufwandsschätzung falsch geworden ist, ohne dass mir das jemand gesagt hat. Ich rechne im Kopf weiter mit den Personentagen von vorgestern.
Teuer wird das bei den Vorhaben, die ich gar nicht erst anfange, weil ich sie mit alten Zahlen bewerte. Die QR-Codes habe ich monatelang liegen lassen. Es war eine Anweisung und eine halbe Stunde.
Im Kopf rechne ich immer noch in Personentagen von vorgestern.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Neunundzwanzig Videofolgen in einer Stunde, parallel dazu ein Telefonat mit einem Geschäftspartner
Ein Video fehlte, ein Fehler blieb stehen; die Korrektur kostete Minuten
Ich habe kein Briefing geschrieben: vier Rückfragen ersetzten das komplette Auftragsdokument
Was das für dich heißt
Such dir das Vorhaben heraus, das du wegen des Aufwands seit Monaten schiebst. Schreib daneben, wann du diesen Aufwand zuletzt gemessen hast. Gib die Aufgabe heute einmal roh ein, stopp die Zeit und vergleiche.
Die Frage an dich
Welche Aufgabe schiebst du gerade, weil du ihren Aufwand mit Zahlen aus dem letzten Jahr rechnest?
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