Erkenntnis 292
„Wieso bin ich eigentlich in dieser Gedankenwelt unterwegs?“
Zehn Jahre gewachsene WordPress-Seite, zwei Jahre Migrationspläne, vier Anläufe mit demselben Plan. Dann fiel im Gespräch ein Satz, der alles kippte.

Im Workshop male ich unsere eigene Webseite ans Whiteboard. Unten ein Server bei einem kleinen Anbieter. Darüber WordPress, das Redaktionssystem, auf dem die Seite läuft. Dazu ein Theme für das Aussehen, ein Baukasten-Plugin für die Seitenaufteilung, eine Reihe weiterer Erweiterungen. Zehn Jahre gewachsen. Im selben Stapel hängt auch unsere Online-Akademie.
Seit zwei Jahren wollten wir umziehen. Gedacht haben wir jedes Mal dasselbe: neues Design, ein paar KI-Funktionen, irgendein Chatbot an der Seite. Die Seite war dabei grottenlangsam, aus Gründen, die keiner mehr auflösen konnte.
Und das Erste, das Zweite, das Dritte und das Vierte, was wir gedacht haben, war jedes Mal: wir setzen trotzdem wieder auf WordPress auf. Wer schon einmal versucht hat, eine WordPress-Seite mit KI zu ergänzen, kennt das Ergebnis. Die Plugins taten es schlicht nicht.
Dann sprach ich mit einem Spezialisten für Auffindbarkeit bei Google über die Neuentwicklung. Mitten im Gespräch kam die Frage: „Wieso bin ich eigentlich hier in dieser Gedankenwelt unterwegs?“
Das war der Moment, in dem bei mir das Licht anging.
KI-First habe ich selbst jahrelang gepredigt, so wie wir früher Mobile First gesagt haben. Zuerst an KI denken, dann an das Bestehende dranbauen. Was dabei entsteht, ist ein Geschwür am Prozess. Der Ablauf bleibt der alte. Der Mensch steuert weiter von Anfang bis Ende, die KI darf assistieren.
Vergangene Woche habe ich gefragt, warum ein bestimmtes Werkzeug überhaupt in deinem Prompt steht. Diese Frage geht jetzt eine Ebene tiefer, nämlich ins Fundament aus Server, System und Erweiterungen. Liegt KI nur obendrauf, bleibt jede Idee ein Prompt. Sitzt sie im Fundament, wird ein Projekt daraus.
Wir haben Bestehendes und legen da mehr oder weniger KI oben drüber.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Vier Anläufe zur Migration endeten jedes Mal wieder bei WordPress als Basis.
Im selben Technikstapel hängt die Online-Akademie und zieht bei jedem Umbau mit.
Im Chat nannten Teilnehmer Wix, Jimdo, Figma und Webflow: dieselbe alte Welt.
Was das für dich heißt
Zeichne dein Fundament auf ein Blatt: Server, System, Erweiterungen, Verträge, Akademie. Frag bei jeder Schicht, ob KI dort andocken kann. Lautet die Antwort nein, steht ein Umzug an statt eines weiteren Plugins.
Die Frage an dich
Welches System in deinem Haus verteidigst du seit Jahren, und an welcher Stelle darin könnte KI überhaupt andocken?
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