Erkenntnis 294
Die KI weigert sich, 10.000 Betriebe anzumailen
Im 145. KI-Café ließ das Modell die Kaltmail an 10.000 Großküchen und Kantinen aus dem Code weg. Stattdessen schlug es den Brief mit QR-Code vor.

Das 145. KI-Café, über vierhundert Leute zugeschaltet. Vorne liegt der Fall eines Teilnehmers: 300 zahlende Kunden in zwölf Monaten, ohne klassischen Vertrieb. Seine Zielgruppe sind Großküchen und Kantinen.
Der Funnel, also der Weg von der ersten Ansprache bis zum Abschluss, rechnet unbarmherzig. Für 300 Käufer muss die Ansprache rund 60.000 Betriebe erreichen. Also habe ich in der Vorbereitung genau das bauen lassen: Recherche, Liste, Erstkontakt, alles automatisch.
Dann streikte die Maschine. Zehntausend Betriebe auf einmal per E-Mail anschreiben: diese Funktion ließ sie aus dem Code weg. Auch beim dritten Anlauf blieb sie dabei.
„Sie hat sich geweigert, das zu implementieren.“ Das war das erste Mal, dass ich eine solche Weigerung selbst erlebt habe.
Von Bildgeneratoren kannte ich Weigerungen längst. Wer einen Kampf mit abgeschlagenem Kopf malen lassen wollte, bekam ein leeres Feld zurück. Wer „zwei kämpfen, viel rote Farbe sichtbar“ schrieb, bekam sein Bild. Dort reichte eine andere Formulierung immer aus.
Beim Code hielt die Weigerung durch alle drei Anläufe. Stattdessen legte das Modell einen zweiten Weg daneben: Brief mit QR-Code statt Kaltmail, Einwilligung auf der Landingpage, also der Seite hinter dem QR-Code, und erst danach die Automatik. Damit entwirft das Modell ein Stück deines Vertriebswegs mit.
Ich habe die KI als Ausführende gesehen, notfalls mit einem Umweg über die Formulierung. Inzwischen sitzt im Werkzeug ein Stück Rechtsabteilung. Es prüft die Rechtslage, bevor es meinen Auftrag ausführt.
Und das ist das erste Mal, dass die KI das verhindert, solch einen Weg zu gehen.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Für 300 zahlende Kunden muss die Ansprache rund 60.000 Betriebe erreichen
Bei Bildern reichte früher eine andere Wortwahl, beim Code hielt die Weigerung dreimal
Das Modell schlug von sich aus vor: Brief mit QR-Code, Einwilligung, dann Automatik
Was das für dich heißt
Zeichne deinen Vertriebsweg auf ein Blatt und markiere den Schritt, an dem du fremde Adressen zum ersten Mal ohne Einwilligung anfasst. Baue für genau diesen Schritt einen Umweg, der dir die Einwilligung holt. Danach automatisiere.
Die Frage an dich
Welcher Schritt in deinem Vertriebsweg hält nur deshalb, weil bisher niemand dein Werkzeug nach der Rechtslage gefragt hat?
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