Erkenntnis 286
Wer rechtfertigt sich jetzt: das Modell oder der Mensch?
Ein Teilnehmer des 144. KI-Cafés rechnet vor, wie ein Geschäftsmodell an einem Tag entsteht und am Abend Umsatz macht. Dann fragt er nach dem Preis einer menschlichen Arbeitsstunde.

Das 144. KI-Café läuft. Ich sitze auf einer Hotelterrasse auf Sardinien, dem einzigen Ort hier mit Internet und Kaffee. Herbstferien, Roadtrip mit meinem Sohn. Mein Bild friert zweimal ein, Katrin übernimmt in Berlin, im Chat grüßen sie aus Hamburg, Düsseldorf und vom Zürichsee.
Die erste halbe Stunde gehört der Empathie. Menschen mitnehmen, klein anfangen, erst ein Pilot, niemanden überfordern. Gute Sätze, alle wahr. Dann meldet sich ein Teilnehmer, der kalt gegenrechnet.
Er zeigt, wie an einem einzigen Tag ein ganzes Geschäftsmodell entsteht. Marketing, Vertrieb, die Lieferung der Leistung. Am Abend macht es Umsatz. Was ein Einzelner mit einem Modell an einem Tag schafft, wächst schneller, als die Preise für dieselbe Arbeit halten. Behutsames Mitnehmen ändert an diesem Tempo nichts. Dann stellt er seine Frage.
Ab welchem Punkt lohnt sich ein Mensch für diese Arbeit wirtschaftlich noch?
Die beruhigende Formel kenne ich auswendig. Ich habe sie oft genug selbst gesagt: KI ersetzt niemanden, sie unterstützt. Dahinter steckt eine Annahme. Die Maschine muss sich rechtfertigen.
Sobald Marketing, Vertrieb und Lieferung an einem Tag stehen, kehrt sich diese Frage um. Das Modell rechtfertigt sich nicht mehr. Rechtfertigen muss sich die Stunde, die ein Mensch dafür in Rechnung stellt.
Das ist unbequem. Es ist trotzdem die ehrlichere Frage.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ist der Mensch wirtschaftlich noch vertretbar? Das ist krass ❓Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Ein Teilnehmer baut an einem Tag Marketing, Vertrieb und Lieferung auf, am Abend macht das Geschäftsmodell Umsatz
Nach 144 Ausgaben KI-Café stellt zum ersten Mal jemand diese Frage so direkt
Empathie und erste Piloten bleiben richtig. Sie verschieben nur den Termin nicht, an dem der Markt über den Preis entscheidet.
Was das für dich heißt
Rechne eine deiner Leistungen durch: Was kostet deine Stunde, was kostet dieselbe Aufgabe mit einem Modell? Schreib beide Zahlen nebeneinander. Was danach übrig bleibt, ist der Teil, für den dich ein Kunde morgen noch bezahlt.
Die Frage an dich
Welche deiner Leistungen würdest du heute selbst noch einkaufen, wenn du den Preis deiner eigenen Stunde danebenlegst?
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