Erkenntnis 287
In welches Ökosystem baust du deine Arbeit?
Im KI-Café sagt ein Kollege vor über vierhundert Zuhörern, das Modell im Hintergrund sei fast egal. Stimmt. Und trotzdem bleibst du, wo deine Arbeit schon liegt.

Im KI-Café läuft das wöchentliche Update zu den Werkzeugen, mit denen wir täglich arbeiten, über vierhundert Menschen hören zu. Michael sortiert das Wettrennen der großen Sprachmodelle und sagt, welches Modell im Hintergrund arbeite, sei inzwischen fast egal. Ich melde mich dazwischen. Beim Zuhören merke ich, dass mich dieser Satz eher beunruhigt als beruhigt.
Austauschbar sind die Modelle wirklich. Trotzdem wechselt kaum jemand den Anbieter. Dich hält das Ökosystem, in dem deine Arbeit liegt: die Dateien, die Abläufe, die fertig eingerichteten Assistenten.
Wir haben damals auf die Custom GPTs gesetzt, die zuschneidbaren Assistenten von OpenAI, zum Leidwesen aller Datenschützer. Unsere Trainings liefen darüber, die Nachbereitung der Calls auch.
Heute sind diese Assistenten fast schon überholt. Eingeloggt haben sie uns trotzdem: Ein guter Teil unserer Arbeit liegt seitdem bei OpenAI.
Und während ich das in die Kamera sage, höre ich mich selbst. Alle unsere Entwicklungsprojekte liegen auf Claude Code, der Arbeitsumgebung von Anthropic. Auch dort gehen wir erstmal nicht weg.
Zweimal dieselbe Bindung. Die zweite gehe ich mit offenen Augen ein.
Die bequeme Frage ist die nach dem besten Modell, weil zwei Prompts sie beantworten. Die teure Frage lautet anders: Welchen Arbeitsschritt hängst du an eine Funktion, die ein Anbieter abschalten kann? Michael sagt dazu „Distribution schlägt Modell“, also: Wer die Nutzer erreicht, gewinnt. Ich nenne es die Rechnung, die erst kommt, wenn die Funktion verschwindet.
Durch die KI entwickeln wir Applikationen, die dann eine andere KI im Bauch haben.Torsten Koerting
Was sichtbar wurde
Auf Hugging Face, der Plattform für offene Modelle, liegen rund 6.000 davon, 86 Prozent kommen aus China
Ein Modell tauschst du in einer Woche, einen eingespielten Arbeitsablauf in Monaten
Auf seiner Entwicklerkonferenz stellte OpenAI das Ökosystem nach vorn, das Modell kam danach
Was das für dich heißt
Schreib die drei Abläufe auf, mit denen du Geld verdienst und die an einer fremden Funktion hängen. Daneben die Zahl der Tage, die du bräuchtest, wenn sie morgen abgeschaltet wird. Steht dort mehr als zehn Tage, baust du dir jetzt einen zweiten Weg, der ohne diesen Anbieter funktioniert.
Die Frage an dich
Welcher Teil deiner Arbeit, mit dem du Geld verdienst, hängt heute an einer Funktion, deren Abschaltung du erst aus einer Produktankündigung erfährst?
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