
Über Ultrasport, Durchhaltevermögen und ein wertvolles Leben - Im Gespräch mit Marcel Nickler
Diese Podcastreihe von insgesamt 15 Folgen umfasst die epischsten Interviews, welche ich zur Zeit der Umsetzungsgiganten geführt habe. Du bekommst spannende Einblicke in das Wirken von echten Koryphäen!
Marcel Nickler ist ein vielseitiger Mensch, mit vielen spannenden Facetten, einer großen Menge innere Ruhe und Empathie und Durchhaltevermögen. Als Extremläufer hat er, neben vielen anderen Läufen, den Sahara Marathon des Sables, einen Etappen-Ultramarathon, gemeistert.
Marcel hat mehrere nicht-geschäftsführende Verwaltungsratsmandate inne und ist Partner in der Management & Technologieberatung. Er befasst sich vornehmlich mit Themen zu Innovation und Digitale Transformation, insbesondere auch mit den diesbezüglichen umwälzenden Dimensionen und Elementen. Als strategischer Berater hat Marcel zahlreiche Projekte für multinationale Organisationen und Unternehmen, insbesondere im Finanzdienstleistungssektor, verantwortet und hat Erfahrungen aus einer Vielzahl von Beratungsprojekten bei führenden Versicherern in Europa und weltweit gesammelt. Marcel glaubt fest an die Kraft von Werten, die aus seiner Sicht das Verhalten von Menschen nachhaltig prägen.
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Das Transkript zum Nachlesen
Wenn du in der Lage bist, Erfolgswege, die andere zu ihren Zielen, zu ihren Gipfeln, die sie erfolgreich gestürmt haben, zu dekodieren, zu demaskieren und anzunehmen, dann bist du möglicherweise in der Lage, sie auf dich zu übertragen und zu reproduzieren. Und unter diesem Glaubenssatz, unter diesem Rahmen habe ich in den letzten Monaten viele, ich würde sagen epische Interviews geführt mit grandiosen Persönlichkeiten wie Jörg Wüst, Stacy Taniguchi, Martin Frey, Rainer Pitek, Karma Scherper und Hans Kammerlander und vielen mehr, die mir Einblicke gegeben haben, wie andere Menschen Erfolg möglich machen, wie sie Erfolgswege gehen, wie sie in der Lage sind, ihre ganz persönlichen Gipfel zu stürmen. Und das sind alles Menschen, die Abenteuerblut in sich tragen, die weg von der Norm gehen, die außergewöhnliche Wege gehen, die ihre Komfortzone verlassen. Und nicht nur Abenteurer, sondern auch Menschen wie Nico Gundlach, wie Ralf Schmitt, wie John Stepper, wie Manuel Sand, Yvonne Date, Stephan Hagen und andere, Michael Rossier, die in ihren Welten, ihres Businesses, ihrer Selbstständigkeit erfolgreich gewesen sind und immer noch erfolgreich sind, die habe ich nach ihren Erfolgswegen, nach ihren Erfolgsmustern, nach ihren Herangehensweisen, nach ihren intrinsischen Motivationen gefragt. Und daraus ist diese Reihe entstanden, der epischen Interviews. Denn es wäre schade, wenn Sie nur im Thorsten Körting Umsetzungsgiganten-Podcast ein Dasein fristen, sondern natürlich gehören Sie hier auch hinein in den erfolgreich-selbstständig-Podcast von Birgit und Thorsten Körting, von uns, den Körtings. Und damit du dich jetzt hier voll drauf einlassen kannst, viel Spaß mit diesen epischen Interviews der Thorsten und bis dann. Hallo und herzlich willkommen zu dieser neuen Folge des Umsetzungsgiganten-Podcasts und heute, ja ich darf fast sagen, mit einem Gleichgesinnten, nämlich jemandem, der das Trailrunnen und das Ausdauersportlaufgehen in sich trägt und jemand, auf den ich aufmerksam geworden bin, weil er ein ganz wunderbares und auch tiefgründiges Buch geschrieben hat mit dem Titel Running the Sahara. Und was hinter diesem Buch steht, ist das Erlebnis als auch die Vorbereitung auf einen der härtesten Selbstversorger-Ultraläufe dieser Welt und möglicherweise auch der bekannteste. Und die Rede ist vom Marathon des Sables, eine ja 240, 250 mal auch 260 Kilometer lange, ja durchquerung kann man fast schon sagen, der marokkanischen Wüste. Und diese Reise, die derjenige dort beschreibt, ist fast schon eine Reise zu sich selbst. Sieben Tage lang dauert dieser Ultralauf, sieben Tage schleppst du alles mit, was du brauchst. Du bist in Beduinenzelten untergebracht, aber alles andere darfst du mitbringen, außer natürlich das Wasser, was es in einer ganz rationierten Form zur Verfügung gestellt wird von den Organisationen. Circa 1000 Menschen nehmen an diesem Lauf teil, der streng reglementiert ist. Und überhaupt sich der marokkanischen Wüste und der Hitze bei Tag ungeschützt, als auch der Kälte bei Nacht geschützt durch einen Schlafsack auszusetzen, bedarf nicht nur Mut, sondern auch Wille, sich dieser Herausforderung zu stellen. Und dann bedarf es natürlich auch diverser anderer Muster, die es dir überhaupt ermöglichen, durch diese Vorbereitungsphase zu gehen, als auch dann diesen Lauf zu bestreiten. Und derjenige ist nicht nur Läufer, sondern er ist auch Partner einer der größten Beratungsunternehmen dieser Welt, ist in mehreren Aufsichtsräten vertreten und da fragt man sich schon, wie ist man in der Lage, dass neben dem Beruf ein Ausdauer aufgebaut wird und vieles andere mehr, was notwendig ist, um einen solchen Lauf, 250 Kilometer in der Wüste, mit allem dabei haben, was es braucht, um in Anführungszeichen zu überleben. Und auch da werden wir natürlich dahinter schauen. Was ist der Antrieb gewesen? Was waren die Wendepunkte im Leben, die überhaupt diese Läufer-Karriere neben dem Beruf ermöglicht hat? Was sind die Antriebe, die solch jemanden dazu treibt, wirklich zwischen 10, 15, teilweise 20 Stunden pro Woche Ausdauersport und Training zu betreiben, sodass man in der Lage ist, einen solchen Lauf unter diesen Rahmenbedingungen zu bestreiten. Wir schauen natürlich auch, was notwendig ist, um solch ein Projekt, um solch einen Erfolg, nämlich nach sieben Tagen die Ziellinie zu überqueren, was dafür notwendig ist, wie du durchdrücken darfst, wie du mit schlechten Momenten umgehst und wie er auch natürlich mit diesen Momenten umgegangen ist, was für ein Gen in ihm steckt, was dazu führt, immer wieder Neues in diesem Kontext auszuprobieren. Und da schauen wir jetzt rein. Ich freue mich riesig auf den heutigen Interviewgast, der noch ganz andere Läufe bestritten hat, auf die wir natürlich auch noch mal schauen werden. Also für all diejenigen, die wissen wollen, was es braucht, sowas zu tun und was die Erfolge an der Stelle gewesen sind, aber auch Misserfolge und durch was man da alles durchgehen darf und was wir daraus lernen können. Das wird er uns nun beschreiben und freut euch auf Marcel Nickler. Umsetzungsgegangen. Und in dieser Überholung habe ich neue Stärken gefunden. Und dann habe ich angefangen, das zu machen. Fähigkeit weitergeben zu dürfen. Aber es hat was mit geduldig sein zu tun. Also zu erfahren, was denn die jungen Menschen bewegt. Sie machen mich wirklich über diese Fragen nachdenken, das ist wunderbar. Marcel, wunderbar, dass du heute im Umsetzungsgiganten-Podcast dabei bist. Herzlich willkommen, Marcel Nickler. Vielen Dank, Torsten. Marcel, du bist mir aufgefallen vor einigen Wochen, fast schon Monaten, als dein Buch, was im Dezember 2019 publiziert wurde und wir werden gleich darauf eingehen, das Licht der Welt erblickt hat und diese Analogien mich total inspiriert haben. Und damit die Zuhörerinnen und Zuhörer so einen kurzen Eindruck kriegen, ich fange immer gern mit einer Frage an, stell dir vor, wir treffen uns in den Alpen auf einer Berghütte. Du bist vielleicht hochgerannt, wir sind hochgewandert oder ich bin hochgewandert und wir übernachten dort beide und sitzen uns zufällig abends am Tisch bei einem leckeren Abendessen und vielleicht noch einem Rotwein danach gegenüber. Irgendwann kommt die Frage, du Marcel, was machst du sonst so, außer auf Berghücken hochzulaufen oder hochzuwandern? Marcel, was wäre deine Antwort? Ja, ich würde mich als sehr vielseitige Person bezeichnen. Ich habe eine ganz tolle Familie mit zwei erwachsenen Töchtern, eine Frau, wir sind schon über 34 Jahre mittlerweile verheiratet, verbringe so viel Zeit wie möglich mit ihnen. Die Töchter, die wohnen nicht mehr zu Hause seit einigen Jahren und ich arbeite nach wie vor nicht mehr ganz so viel wie vor einigen Jahren noch, aber ich arbeite immer noch einen rechten Teil meiner Zeit jeden Tag, treibe viel Sport, habe diverse andere Leidenschaften, lese sehr gern sehr viel, im Schnitt zwei, drei Bücher pro Monat, habe sehr viel Freude an Jazzmusik. Ich habe auch so die Dinge, die halt das Leben lebenswert machen am Ende und ich freue mich eigentlich immer auf den nächsten Tag. Ich kann mich schwer erinnern an Tage, wo ich jetzt wirklich nicht mit einem guten Gefühl aufgestanden bin und mich nicht gefreut habe auf die Dinge, die dann passieren werden. Und ich glaube, das ist so auch die Empathie und auch die Leidenschaft und auch Ruhe, die du sicherlich an solch einem Abend auf einer Berghütte ausstrahlen würdest. Du bist Partner einer großen Beratungsorganisation, die weltweit tätig ist und gleichzeitig Ultraläufer. Und ich glaube, in dieses Paradox oder in diesen, ich will gar nicht sagen Gegensatz, aber in diese spannende Kombination würde ich gleich direkt mit dir mal einsteigen, Marcel. Du hast vor einigen Jahren eines der härtesten Mehrtages Selbstversorgungsultraläufe gefinisht, den Marathon des Sables und daraus ist ein Buch entstanden, auf das wir gleich noch eingehen werden. Aber für diejenigen, die solch ein Event oder auf Basis dieses kleinen Satzes, den ich eben sagte, das gar nicht zuordnen können, nimm uns mal mit. Was ist der Marathon des Sables und was macht ihn so spannend, herausfordernd und so besonders, Marcel? Also der Marathon des Sables ist der mehrere Etappenlauf in der marokkanischen Sahara. Das ist zum ersten Mal stattgefunden im Jahre 1986. Der wurde gegründet von einem Franzosen, Patrick Bauer. Der ist ein paar Jahre zuvor alleine völlig selbstversorgend. Da hat er wirklich alles dabei, inklusive Wasser, durch die Wüste gewandert und hat das so inspirierend, so toll gefunden, dass er gesagt hat, es kann ja nicht sein, dass ich der Einzige war, der das erleben durfte. Und so ist dieser Marathon des Sables entstanden, mit 23 Teilnehmern bei der Erstausführung und hat sich dann weiterentwickelt über all die Jahre. Mittlerweile über 30 Mal stattgefunden, immer rund um die 1.200 Teilnehmer pro Jahr. Der Mehretappenlauf findet in einem sehr gebirgigen Teil der Sahara statt. Trotzdem 70-75% auf Salz. Und du bist halt vom Moment, wo du in der Wüste ankommst, bis du rausgehst, bist du wirklich großmehrheitlich auf dich selbst angewiesen. Du hast alles mit dabei. Ich denke, das ist ein Großteil der Faszination. War auch ein Großteil der Sorge für mich, bevor ich gestartet bin. Du hast alle Kleider mit dabei, du hast alles zum Essen mit dabei. Das Einzige, was du bekommst, ist ein Zeltdach über dem Kopf in der Nacht. Und das Wasser. Und der Rest ist einfach dir überlassen. Das ist hochspannend, ist in der Vorbereitung, macht dich nicht sorgenfreier, sag ich jetzt mal. Aber ist am Ende so die... Ja, war für mich eine Reise zu mir selbst eigentlich. Ich habe auch mit vielen Teilnehmern gesprochen, die das auch schon gefinisht haben, das Teil. Und die bestätigen eigentlich auch alle diese Reduktion auf das absolute Minimum in einer zum Teil sehr, sehr grenzwertigen Umgebung von der Temperatur her, vom Klima her, verbunden mit einem sportlichen... Mit einer sportlichen Herausforderung. Ich denke, das macht es am Ende raus. Dass es in der Wüste ist, macht es natürlich umso schöner, weil es ist unglaublich. Die Wüste strahlt so eine Ruhe aus, das merkt man, wenn man dort ist. Man ist bei sich, oder? Die ersten zwei Tage ging das ganze Leben nochmal an mir vorbei. Du kommst einfach raus in dem Zustand nach diesen acht Tagen insgesamt in der Wüste. Ich habe mich ein bisschen als veränderter Mensch gefühlt, wirklich im positiven Sinne rundum. Ich habe sehr viel mitgenommen. Ja, und auf den Prozess gehen wir gleich nochmal ein. Nur nochmal für alle hier kurz zusammengefasst. Über 250 Kilometer, ich glaube 270, 280 sind es. Ja, 250, knapp sind es immer. Plus, Minus. Aber das weiß man erst, wenn man ankommt. Weil sich jedes Jahr, glaube ich, auch die Strecke verändert. Es ist nicht immer die gleiche Strecke, sondern verändert sich jedes Jahr. Du kriegst ein Dach über dem Kopf, so ein Beduinenzelt, liegst du mit acht Leuten drin, nachts bläst da der Wind durch oder tagsüber. Wüste, 30 Grad, 35 Grad, tagsüber wahrscheinlich die gefühlte Temperatur deutlich mehr. Nachts wahrscheinlich bis ran an die Null, beziehungsweise kurz drüber, also richtig kalt. Und du darfst alles dabei haben. Also von deinem Schlafsack über einen Esbittkocher oder Gaskocher, je nachdem, was der eine oder andere sich dazu wählt. Das gesamte Essen nimmst du mit für die sieben Tage. Du hast deine ganzen Klamotten dabei und damit wahrscheinlich ein Pack, so zwischen sechs und die schwersten, so 15 Kilo inklusive. Ja, es ist reglementiert. Es gibt eine Bandbreite, Minimum 6,5 Kilo bis Maximum 15 Kilo. Und normalerweise bist du eher schwer unterwegs, wenn du ein erstmaliger Teilnehmer bist. Ich habe mich wirklich sehr viel darum gekümmert. Ich war mit 7,3 Kilogramm insgesamt sicher. An der unteren Grenze für einen erstmaligen Finisher. Habe aber auch verzichtet auf die letzten 100, 150 Gramm. Also es ist dann wirklich die überzähligen Riemen wegschneiden am Rucksack und so. Da geht es dann wirklich in den Extrembereich. Und es gibt übrigens eine sehr lange Liste von Pflichtmaterial. Also Schlafsack ist nicht einfach optional, sondern das ist ein Muss. Und das wird auch kontrolliert. Da gibt es Eingangskontrolle, es gibt Stichproben. Und es gibt sehr hohe Penaltys bis Disqualifikation, wenn man da also im Prinzip das nicht befolgt. Weil es einfach auch ein Sicherheitsaspekt ist. Und auch beim Essen, 2000 Kalorien im Schnitt pro Tag. Aber du kannst nicht am ersten Tag 10.000 verfuttern und dann hast du einen leichten Rucksack. Und dann kannst du die Restmenge noch ausweisen können für die verbleibenden Tage. Und so, das sind halt die Dinge. Und man fühlt sich durch das auch relativ sicher, weil das haben ja tausende Leute vor mir, haben das schon zu Ende geführt in diesem Framework, wenn man so will. Also das ist erprobt, wenn man so will. Wir gucken gleich nochmal ein bisschen mehr auf die Erlebnisse des magischen Events in der marokkanischen Wüste. Jetzt ist es ja etwas, was man nicht einfach mal so macht. Du entscheidest dich ja nicht, heute, morgen gehe ich mal 5 Kilometer wandern. Sondern das ist ja eine Entscheidung, die eine lange Vorbereitungszeit braucht. Du bist jetzt schon seit zwei Jahrzehnten auch etwas darüber hinaus in der Läufer-Szene umtriebelt. Du warst in Ultratrail de Montblanc, einmal um den Montblanc. Ich glaube, innerhalb von 44 Stunden ist das Zeitlimit rumlaufend. Und andere Ultraläufe gemacht. Aber dieser Marathon de Sable, ja auch nochmal was ganz Besonderes ist. Du beschreibst in deinem Buch, in deinem Vorwort, diesen magischen Moment, der diesen Auslöser geschaffen hat bei dir. Nimm uns da mal mit, wie ist es dazu entstanden? Wann hast du die Entscheidung getroffen? Der kommt jetzt auf meine Löffelliste. Dafür entscheide ich mich und dann bereite ich mich dafür vor. Ja, das war ein sehr spannender Prozess. Ich habe schon seit vielen Jahren immer wieder, wenn ich so Bilder gesehen habe vom Marathon de Sable oder manchmal am Fernsehen und einem kurzen Clip in YouTube. Ich habe immer nur den Kopf geschüttelt. Ich habe mir schlichtweg nicht vorstellen können, dass ich das mal tun werde. Echt nicht. Obwohl ich läuferisch mir einiges zugetraut habe. Ich finde, auch im Kopf kann ich sehr stark sein, wenn es sein muss. Aber trotzdem war das im Prinzip, auf Englisch sagt man so schön, beyond imagination. Und ich habe dann, ich schreibe das auch in meinem Buch am Anfang, an einer Veranstaltung meiner Firma, habe ich Reynold Fiennes kennengelernt. Der hat ein Keynote gehalten. Ist ja so, wie man sagt, der letzte lebende Eroberer auf der Welt. Der hat dann so erzählt von seinen Wüsten-Trips. Und er hat diesen Marathon de Sable auch schon mal gemacht. Da habe ich dann einfach erzählt. Ich habe das zur Kenntnis genommen. Das war ein weiteres Pösselstein. Ich habe das einfach in mir rumgetragen. Habe es aber weder am Familientisch noch sonst irgendwo ausgesprochen, weil ich mich auch nicht unter Druck setzen wollte. Und dann ist Folgendes passiert. Da war ich in den Bergen. Und das war, glaube ich, eine Woche nach dem Eiger-Ultra-Trail in Grindelwald, wo ich gefinisht habe. Da habe ich zu meiner Frau gesagt, du, jetzt irgendwie, ich werde nicht jünger, ich werde jetzt in drei Jahren 60, was heute kein Alter ist. Das war ich jetzt letztes Jahr, aber dann zumal. Und ich überlege mir so lange Distanzen, wie lange ich das auch machen soll, kann, will. Aber irgendwie stelle ich mir vor, das noch abzuschliessen mit etwas ganz Speziellem, was einfach so eine Art emotionale Krone aufsetzen würde mit dem Ganzen, was ich so getan habe. Wirklich, wie aus der Pistole geschossen, hat sie gesagt, Marathon de Sable. Ich habe gesagt, bist du wahnsinnig? Nein, bin ich nicht. Wie kommst du drauf? Bist du seit Jahrzehnten, oder hast du jedes Mal glänzende Augen, oder wenn du was liest, was siehst über diesen Lauf, wenn ich dich darauf anspreche? Ich habe einfach das Gefühl, das Gesamtpaket, sportliche Fitness und mentale Stärke, habe ich noch nie so komplett wahrgenommen. Natürlich macht das, oder? Und einen Tag später war ich angemeldet, ja. Weil ich habe eigentlich den größten Respekt, den ich hatte, ist auch, wenn ich das jetzt auch noch tue, oder man hört ja sonst als Ultraleufirme so einiges, geht das, warum macht man das? Ist das nötig? Bist du sonst nicht ausgelastet? Das sind ja ganz andere Themen, die einen bewegen, sowas zu tun. Und da kommst du mit dem Marathon de Sable.
spürt, wenn die Familie dahinter steht. Der Prozess war so, dass die Töchter eigentlich auch relativ bald dann ihren Bein gegeben haben, quasi. Die ältere Tochter ist Ärztin oder die hatten das alle mal ein bisschen begutachtet. Ja, von dieser Seite hat auch gefunden, du, wir haben frohes Vertrauen, dass du das seriös machst und bereit bist. Mach das, Tabardo, wenn das dein Traum ist. Vom Moment der Anmeldung, das war quasi das Kick-Off zu einem Großprojekt. Aber es war wirklich im Moment, ich bin überzeugt, wenn meine Frau das nicht gesagt hätte, das war der Crucial-Moment, wenn man es so schön sagt. Ich glaube nicht, dass ich von mir aus das einfach getan hätte. Hey, wenn du sagst, das war spannend bis hierher, dann lass uns gerne einen Kommentar da, lass uns gerne eine Bewertung da, entweder hier auf dieser Plattform oder auf den anderen, weil das ist das, was uns auch ein Stück weit wachsen lässt, was unsere Botschaft nach außen trägt, was uns ein Stück weit hilft, in die Sichtbarkeit zu bekommen. Und da sind wir natürlich auch ein Stück weit auf dich angewiesen. Wenn du sagst, das war bis hierhin schon ein großer Mehrwert, dann hinterlass bitte einen Kommentar. Bis dahin und nun viel Spaß bei dem, was kommt. Und diese Unterstützung, die du da gespürt hast, war bestimmt dann auch die Grundlage oder das Fundament für das, was dann gekommen ist, auch auf die Vorbereitung hin zum Marathon des Sables. Was war für dich dieser, auch während der Keynote oder was so im Vorfeld schon in dir gewesen ist, wie gesagt, du hast ja auch schon andere Läufe hinter dir, was war so der Auslöser und dieser eine Trigger, der dich, ich sag mal, in diese Richtung des Marathon des Sables und auch noch mal eine ganz andere Erfahrung zu machen als die der Läufe, die du schon hinter dir hattest? Ich habe immer wieder gehört, gelesen, von Leuten erfahren, die den Marathon des Sables gefinisht haben, dass das wirklich eine lebenserweiternde, veränderte, vielleicht sogar Komponente mit sich bringt, dass du siehst viele Dinge anders danach. Also das macht was mit dir, oder? Es ist sehr viel mehr wie Laufen. Und diese Woche einfach mal zusammen mit Gleichgesinnten einfach in einer ganz anderen Umgebung oder ganz mit sich alleine zu sein, das hat mich wirklich gereizt und ich wollte das erfahren. Ich habe das Gefühl gehabt, dass das alles ein bisschen verrückt klingen mag. Man tut das in einer bestmöglich geschützten Umgebung, da ist viel Erfahrung auch vorhanden. Da gibt es natürlich sehr wohl eine Risikobeurteilung oder wenn man so eine Wüste gibt, einfach eine Woche. Aber das in einer doch bestmöglich geschützten Umgebung oder mit gewissen Restrisiken das zu tun, im Wissen, man kommt zurück oder mit sehr viel mehr als 150 Kilometer oder 237 waren es in meinem Jahr in den Beinen, sondern mit einer Sicht aufs Leben, was wichtig ist im Leben, was vielleicht man gemeint hat, ist wichtig, aber letztlich völlig irrelevant ist. Das hat mich gereizt und ich war noch nie in der Wüste zu diesem Zeitpunkt, das muss man sagen. Von dem her war das noch ein zusätzlicher Aspekt. Und du hast genau beschrieben, auch im Vorgespräch der UTMB, Ultratrail de Montblanc, 170 Kilometer ungefähr innerhalb von 44 Stunden das Zeitlimit einmal um den Montblanc rum. Wir haben das letztes Jahr mit unserer Nature Leadership Experience gemacht, sind das in sieben Tagen, also 168 Stunden hatten wir die Zeit dazu, auch noch mal dieses Erlebnis herausgestellt. Ultratrail de Montblanc, du läufst du durch 15, 20 Ortschaften, da ist richtig Halligalli, ob tagsüber oder in der Nacht und Marathon de Sable ist ja da eine ganz andere, hat eine ganz andere Note. Vielleicht noch mal eine Frage zu Ranulph Finesse, der die Keynote bei euch gesprochen hat, einer der letzten Eroberer dieser Zeit, der ja auch am Nordpol und Südpol gewesen ist, hat den auf dem Landweg erreicht, was nur ganz wenige geschafft haben. Und was war, wir haben auch einige Speaker und auch Berater und Coaches hier als Zuhörerinnen und Zuhörer dieses Podcasts, wie hat er dich in seinen Bann genommen und was war vielleicht die eine Frage oder diese eine Trigger, der dich dann inspiriert hat, noch mal in diese MDS, in die Marathon de Sable Schiene reinzuschauen? Kannst du dich daran noch erinnern? Jaja, also er hat natürlich, oder all die Geschichten, die er erzählt, er war ja nicht nur in der Wüste, er war auch in der Wüste als Eroberer auf gewissen Teilen der Welt, aber er war an vielen Orten auf dieser Welt und so diese Neuartigkeit an einen Ort zu gehen, wo man noch nie war, also es war ein bisschen so, vielleicht gibt es irgendwie den kleinen Möchtegern Eroberer in meinem inneren Ort und ich wollte einfach auch mal so diese Sehnsucht nach etwas ganz Neuem, was ich noch nie gesehen habe, in einer neuen Umgebung und mich einfach mal fühlen oder ich habe ja an einer Stelle im Buch auch geschrieben, es schien mir so, wie wenn da aus der Düne irgendeine historische Persönlichkeit plötzlich der T. Lawrence hochkommt und ich glaube, dass war diese Sehnsucht einfach nach etwas ganz Neuem, also es fängt bei den Gerüchen an, es fängt beim Klima an und das bringt er halt in seinen Erzählungen extrem rüber, wo immer er war, ob das jetzt im Dschungel war, ob das in der Wüste, ob das am Südpol war und das ist so. Und dann hat er eben gesagt, da gibt es doch diesen Lauf, wenn du mal wirklich die Wüste erleben willst, das kommt in vielen Punkten, da bekommst du ein bisschen das Gefühl, was das bedeutet, wenn du so, du bist ja nicht ganz alleine unterwegs, wenn du in solchen Umgebungen unterwegs bist. Wenn wir jetzt mal in den Marathon des Sable reinschauen, ja und du hast von den ersten beiden Tagen schon erzählt, wo du so bei dir auch gewesen bist, wo dein Leben noch mal an dir nahezu vorbeigezogen ist und das nicht eine Nahtoderfahrung war, sondern einfach auch natürlich dieser intensiven, also der Umgebung, in die man da so intensiv eintaucht. Nimm uns mal mit in so einen Tag. Wie läuft sowas ab für Menschen, die sowas noch nie erlebt haben? In einem Beduinenzelt zu schlafen, sich morgens fit zu machen, zu frühstücken, alles für sich selbst verantwortlich zu sein, dann mit 1200 an der Startlinie für die nächste Etappe zu stehen, um dann vier Stunden, sechs Stunden, acht Stunden, manche sicherlich noch länger vor dem Kamel herzulaufen, hinter das du nicht zurückfallen darfst, so zumindest die Legende. Nimm uns da mal mit in so einen Tag, Marcel. Ja, genau, der Besenwagen ist nix. Oder man muss sich den Tag so vorstellen, also es gibt einen sportlichen Teil und dann gibt es, ja du bist immer ein wenig so an dich verpflegen am Essen, du schläfst immer wieder und du lohnest ein bisschen im Biwak rum und gehst vielleicht wieder andere Läufer empfangen, die dann später ins Ziel kommen. Aber mal, wenn wir mal am Morgen beginnen, oder es wird relativ früh gestartet immer, ein bisschen unterschiedlich von der Etappenlänge, so zwischen sieben und neun Uhr morgens und ist natürlich auch ein Temperaturaspekt, weil es wird relativ schnell warm, du hast es gesagt, eingangs oder Temperaturen null Grad, ein bisschen unter dem Gefrierpunkt ist sogar möglich. Das geht dann so ab neun, zehn Uhr, wenn die Sonne stärker wird, rapide hoch, oder du kannst da schon zwei, drei Tage über 40 Grad, hat es das hochgezogen, oder? Also du startest relativ früh und ich habe mir ja in der Vorbereitung, oder wenn ich mich mal so zurückbesinne, was für dämliche Fragen ich zum Teil den Leuten gestellt habe, oder die mich ein bisschen so auch mitgecoacht haben, von ja, ich brauche doch einen Wecker, oder wie geht denn das, ich erwarte doch nicht am Morgen, das ist völlig, völlig Blödsinn, oder? Das wird einfach hell am Morgen, oder? Und dann wachen alle auf, oder? Und dann bist du wach und ist in der Regel so irgendwann zwischen fünf und halb sechs passiert das, oder? Und irgendwann so gegen sechs kommt so die Ägypte der Helfer, oder? Es ist so eine Berber-Ägypte, die ziehen dann dir das Dach über dem Kopf weg, sprichwörtlich nehmen dann das Zeltdach weg, oder? Dann bist du noch auf dem Untergrund, da liegt so ein Berber-Teppich und auf diesem Teppich verpflegst du dich dann, oder machst dir das Frühstück, je nachdem warm oder kalt das Zimmer du hast, oder machst das Racepack fertig, also packst den Rucksack, das habe ich immer als erstes gemacht, bisschen auch in der Angst, irgendwas finde ich dann nicht mehr, oder? Wenn es dann irgendwie, oder ja, wenn dann alles durcheinander liegt, und ja, und dann sitzt du ein bisschen, oder? Saugst die ersten Sonnenstangen rein, da bleibt meistens so eine Stunde noch bis zum Start, oder? Und dann gehst du dann langsam in den Startkorridor, oder? Und ja, und dann eigentlich jeden Morgen zur Musik über die Lautsprecher, Highway to Hell, oder? Sehr sinnbildlich von ACDC, oder? Die bist du dann auf die Piste geschickt, oder? Und dann bist du ein paar Stunden unterwegs. Das war auch halt für die Verbindungsetappen, also die kurzen, wie man sie nennt, oder zwischen 30 und 40 Kilometer, oder bist du halt vier bis sechs Stunden unterwegs, und kommst du, kann man ausrechnen, wenn du um acht Uhr der Start bist, um ein oder zwei Uhr, vielleicht drei Uhr, bist du zurück, oder war ich zurück, oder? Und dann hast du eigentlich Zeit bis am nächsten Morgen wieder, oder? Bis du wieder wach wirst, oder dir die Zeit einzuteilen, und ich glaube, das muss schon ein wenig auch mental geplant sein, oder? Ich habe mir dann eine sogenannte Golden Hour immer gegönnt, also als erstes, wenn ich ins Biwak kam, oder habe ich quasi die Ausrüstung retabliert, oder habe mich umgezogen. Ich hatte zudem Satzkleider, die ich am Körper hatte, hatte ich genau noch ein paar weitere Shorts und ein T-Shirt mit dabei, Versatzsocken, einfach als Notfallreserve. Da habe ich mich umgezogen und habe wirklich eine Stunde dann für mich, oder ich habe die Füsse gepflegt, habe geschaut, ob irgendwo ein Sandkorn vielleicht reingekommen ist, und habe dann ein Powernap gemacht, oder habe das Privileg, dass ich das irgendwann offenbar gelernt habe, dass das gut funktioniert, oder so eine halbe Stunde weggetaucht, oder so eine Stunde für mich einfach, nichts anderes gemacht. Und dann habe ich etwas gegessen danach, und dann kamen die weiteren Zeltkumpels, kamen dann auch zurück, und da hat man halt zusammengesprochen, ist vielleicht mal ein bisschen im Biwak zirkuliert. Am Ende haben mir auch alle unsere Lebensgeschichten einander erzählt gehabt. Das geht dann sehr tief, man ist eine ganze Woche zusammen. Und am Abend kochst du dann auch, oder machst du alles selbst, oder gewisse, sammelst dann Holz, ich habe das mit Brennstofftabletten angeföert, und dann kommst du dir was, und irgendwann so um acht, halb neun ist dann der Tag zu Ende, und dann beginnt die Nacht, es wird ja Blitz, es ist eigentlich wie wenn der Lichtschalter rausgeht, es wird relativ schnell dunkel, und dann habe ich auch immer relativ schnell den Schlaf gefunden, und das ist jetzt nicht ein Tiefschlaf über acht Stunden, sondern ist sehr intermittierend dann. Aber ich habe jetzt nie das Gefühl gehabt, die Müdigkeit ist das Problem, zu keinem Moment der ganzen Woche. Also du hast, danke, dass du uns so diese Einblicke gibst, wie dort ein Tag abläuft, und ich glaube, das kann man sich, das ist für Menschen, die hier aus der zivilisierten Welt kommen, die noch nicht eingetaucht sind in solch eine Umgebung, schwer vorstellbar. Ich glaube, da darf man den Impuls geben, einfach mal Marathon de Sable, wir schreiben das auch in die Shownotes, wie sich das schreibt, einfach mal ins Internet zu gehen. Da gibt es ja tausende von Bildern von Menschen wie dir, die in der Lage waren, dort an diesem Event teilzunehmen, in den letzten 30 Jahren. Wie war diese Woche für dich? Das ist ja nicht nur ein Tag, manche Männchen sagen, Mensch, du ein Marathon zu laufen, das haut mich schon um. Wie soll ich dann am nächsten Tag nochmal einlaufen und nochmal? Und da gibt es ja noch die lange Etappe, die ja auch zwischen 70 und 80 Kilometer hat, die dann in die Nacht auch reingeht. Wie ist diese Woche für dich verlaufen, diese sieben Tage? Was waren da Höhen, was waren Tiefen, und wie hast du auch deine Selbstwahrnehmung in dieser Zeit gespürt? Du hast über die ersten zwei Tage gesprochen, wo das Leben nochmal so ein bisschen an dir vorbeigezogen ist, und dann gab es ja noch fünf weitere Tage. Was ist da passiert? Also man hat ja gesagt, man hat sehr, sehr viel Zeit für sich alleine. Und es gibt Momente, es kommen halt Dinge hoch, und vielleicht sind es zum Teil auch Dinge gewesen, wo man gemeint hat, die hat man irgendwie weggedrückt mal, aber die sind nicht wirklich verarbeitet worden. Ja, Schicksalserlebnisse während des Lebens, aber auch vielleicht positive Dinge, die dann bildlich eben so wie vorbeigehen. Da waren zum Teil Dinge aus meiner Schulzeit, aus meiner Zeit als Pfadfinder, die plötzlich hochgekommen sind. Und ich habe auch die Monate, oder die ein, zwei Jahre danach, ich habe plötzlich wieder mal Leute treffen wollen, die ich ein bisschen aus den Augen verloren habe, weil ich irgendwie plötzlich dort gespürt habe, das war doch so, das waren ganz wichtige Personen in meinem Leben, und es kann ja nicht sein, dass man dann einfach 20 Jahre lang einen ehemaligen engen Schulfreund nicht mehr sieht, wo plötzlich habe ich wieder den Kontakt gehabt. Und der Anlass war tatsächlich so eine Reflexion über etwas, was stattgefunden hat. Das ist ein Beispiel, und von denen gab es eben mehrere. Und was auch ganz interessant war, ich habe einfach nochmal meinen Lebensweg auch so nachgezeichnet gehabt danach. Und man fragt sich ja immer, habe ich jetzt alles richtig gemacht, oder werde ich wirklich am Ende auch die Welt als eine bessere verlassen durch meine Beiträge, kleine Beiträge, oder die vielleicht in einem oder anderen Ort für hoffentlich andere Personen nützlich waren. Und ja, ich bin an vielen Punkten zum Schluss gekommen, ich würde eigentlich das meiste wieder genau gleich machen. Vielleicht würde ich ein bisschen früher mit Ultratraining beginnen, da könnte ich mehrere solche Dinge tun. Ich habe ja im Alter von 40 erst mal in den ersten Marathon gelaufen, aber alles sonst. Ich glaube, das hat mich in eine unheimlich befriedigende Situation dann geführt und auch in diese zurückgelassen, einfach so. Ich habe das versucht, da in meinem Buch ein bisschen wiederzugeben. Was gibt es Schöneres am Ende, als wenn man sagen kann, das Leben, das ich bis jetzt habe leben dürfen, ist ein Privileg, wenn das so ist. Das war wirklich eine sehr, sehr schöne Wissenschaft. Ich würde das wieder genauso wollen, ja. Jetzt ist der Marathon de Sable ein Sieben-Tages-Event, auf das man sich sehr lange vorbereitet. Und dann, wenn du die Ziellinie überschreitest, könnte man sagen, ist zumindest diese Reise zu einem Ende gekommen. Wie war der Moment, als du nach den sieben Tagen am Horizont die Flaggen gesehen hast, vielleicht auch die Geräusche waren von der Stimmung, die vielleicht im Ziel schon da gewesen ist, von denen, die vorher schon durchgelaufen sind. Wie nimmst du diesen Moment heute noch wahr? Also, da waren auch Tränen, by the way. Das ist ein sehr emotionaler Moment und es ist ja immer so eine Mischung. Wenn man irgendetwas erreicht, nämlich das Schulabschluss, ob das sonst etwas Großartiges, Geburt einer unserer Töchter, die heiraten. Du fieberst quasi auf diesen Moment hin und dann weißt du ja nicht genau, was macht das mit dir. Bei mir war es immer so eine Mischung zwischen enormer Zufriedenheit, die sich auch dann über längere Zeit hält, aber auch eine gewisse Leere. Man fragt sich dann, ist das überhaupt noch steigerbar. Ich habe es eingangs gesagt, es ist für mich absolut das Tollste, was ich je habe machen dürfen. Ich habe gehofft, dass dieses Gefühl möglichst lange anhält. Aber es war schon ein sehr emotionaler Moment. Einfach eine absolute Ruhe und Zufriedenheit. Ich war jetzt wirklich im Lot mit mir selbst und im Reinen. Und das in einer wunderschönen Umgebung. Das Ziel war dann in einer kleinen Stadt, in Merzouga. Ich sehe die Bilder jetzt im Moment, wo ich das erzähle. Ich kann die Bilder abrufen. Die sind verankert. Diese Bilder kann ich auch abrufen, wenn ich in einer Situation mich befinde. Ich habe das auch immer wieder gemacht, die letzten Jahre. Die sind derart, derart wie eingebrannt in mir. Das ist schon etwas fürs Leben. Nicht nur der Zieleinlauf.
Das war der spezielle Moment, der Finish. Hat dieser Moment des Zieleinlaufs als auch der Weg dorthin, auf den wir gleich auch nochmal schauen, hat der dein Leben in einer gewissen Form verändert? Hat er dich zu einem anderen Menschen werden lassen? Man muss vielleicht noch Folgendes schnell sagen zur letzten Etappe. Das ist eine kurze Etappe, die ist jeweils acht Kilometer circa. Das ist eine sogenannte Solidaritätsetappe. Und die Rangliste wird eigentlich erzeugt am Ende der Etappe zuvor, wo du noch in der Liste drin bist. Du musst die letzte aber finishen, sonst wirst du aus dem Klassement genommen. Die Tradition sagt es aber, dass man da innerhalb der Gruppe, mit der man im Zelt zusammen war, entweder leicht joggend oder laufend über die Dünen läuft. Das waren diese Dünen von Abjabi, wunderschöne Gräben. Ich weiß nicht, was es viel Schöneres geben kann auf der Welt. Das gibt dir aber auch die Möglichkeit, das noch einmal ganz bewusst wahrzunehmen. Du gehst auch durch viele Dünen während des Laufes, aber bist natürlich zum Teil auch am Limit vom körperlichen, vom ganzen Fokus. Für mich war wirklich, was ich am meisten mitgenommen habe, wie wenig braucht man, um glücklich zu sein im Leben, wie wenig braucht man. Und was macht eigentlich die Konsumgesellschaft mit uns? Du bist dort unterwegs mit dem absoluten Minimum. Du merkst, was Wasser bedeutet. Das ist schon das, was einem noch, wenn ich auch die Gespräche noch einmal zurückbesinne, die wir untereinander hatten. Wie hast du das erlebt? Das Thema Wasser ist omnipräsent, weil das begleitet ist. Man muss sich auch sorgsam damit umgehen. Und das Zweite ist wirklich, dass man vieles reduzieren kann auf weniger. Und vielleicht ist es sogar mehr, am einen oder anderen Ort. Und diese Botschaft, die du gerade auch formuliert hast, also wie wenig braucht man, um glücklich zu sein, wie hat das dich im Kontext deiner Familie, eurer Lebensweise verändert, berührt? Was hat es mit euch gemacht? Ich habe natürlich durch meine Erzählungen versucht, meine Familie ein bisschen mitzunehmen auf diese emotionalen Dinge. Aber ich glaube gerade zum Thema Wasser oder Umgang mit Wasser. Ich habe dann irgendwer gesagt, das kann ja nicht sein. Das Wasser, der hat Mangelware, ist dann viel in Ordnung. Ich dusche am Morgen zu Hause und verbrauche das Zehnfache, was eigentlich nötig ist. Das sind so kleine Dinge. Ich mache das jetzt wirklich konsequent. Ich stelle die Dusche gut an und stelle sie wieder ab. Dann nehme ich die Seife und stelle sie wieder an. Das ist ein Mikrobeitrag, weißt du. Es geht ja da auch nicht um andere, sondern es geht um mich. Ich glaube, das Bewusstsein, dass vieles nicht selbstverständlich ist, überall, das ist etwas, was ich immer wieder versuche, auch im Mitgespräch. Das ergibt sich halt. Ich habe jetzt kein konkretes Beispiel. Das kann im Geschäft sein, im Businessbereich. Das kann am Familientisch sein. Das kann sonst im sozialen Umfeld in einem Verein sein. Oder ob man einfach mal auch eine portierte Sicht einnehmen kann. Das sehe ich anders. Wir kommen gleich nochmal, Marcel, darauf zu sprechen, was diese Erfahrung nicht nur durch den Marathon des Sable, sondern auch durch deine anderen sehr herausfordernden Ultraläufe, welchen Einfluss das hat auf deine beratenden Tätigkeiten im Rahmen der Teamentwicklung. Bevor wir da hinkommen, wir haben es eben schon kurz angedeutet, so ein Marathon des Sable oder ein UTMB oder was auch immer, den läufst du nicht morgen. Du entscheidest dich nicht heute, sowas zu machen und bist morgen in der Lage, das umzusetzen. Dazu gehört das ganze Training. Dazu gehört fast schon eine Ernährungswissenschaft, um dir das in den sieben Tagen dem Körper zuzuführen, was er braucht, um sich zum einen zu regenerieren, aber auch zum anderen, um wieder die Kraft zu finden, dann am nächsten Tag weiterzumachen. Als auch das ganze Thema der Ausrüstung, die ja auch keine unwesentliche Rolle spielt. Du hast von den 7, etwas Kilo gesprochen, die du am Schluss endlich bei dir auf dem Rücken hattest und sicherlich zu einem derjenigen gehört hast, die da schon sehr, sehr viel optimiert haben, um überhaupt da hinzukommen. Wie war für dich dieser Vorbereitungsprozess, nach deinem Entscheid in diese Richtung zu gehen und welche Analogien bzw. welche Erkenntnisse haben sich daraus entwickelt bzw. vielleicht nochmal viel stärker manifestiert? Also wir haben ja, wenn man es mal vergleicht, ich habe erwähnt, der erste Marathon des Sables hat 1986 stattgefunden. Die Entwicklung in diesen Jahren bis heute in Bezug auf Ernährung, Kleidung, das ist natürlich immens. Also du hast heute die Möglichkeit, was ich mitgenommen habe, schicht und gross deinen Bereich von Hightech-Food im Prinzip positioniert. Da haben andere vorgedacht, als sie diese Dinge entwickelt haben. Und trotzdem, das war das Interessante, ich habe mich sehr intensiv damit befasst. Ich habe Tabellen erstellt, wo ich geschaut habe, wie ist jetzt der Anteil Fett mit Kohlenhydraten und was sagt man jetzt. Wäre es jetzt auch ohne das gegangen? Ich weiß nicht, es ist ja am Ende, mir ist es derart gut gelaufen, dass ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen habe, das jemandem zu sagen, war es jetzt gerade deswegen oder hätte ich jetzt auch einfach ein paar getrocknete Bananen mitnehmen können. Das wäre ja möglich gewesen, dass es auch gut gegangen wäre. Ich habe es nicht getan, weil ich gesagt habe, überall wo ich den Erfolg, die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen kann, die Ernährung war ein ganz wichtiger Punkt. Ich habe mich aber in der Vorbereitung, in ein paar Wochen vorher, habe ich wirklich diese Dinge ausprobiert. Ich bin noch ein sehr leidenschaftlicher Hobbykoch, das hat mir manchmal fast das Herz gebrochen, wenn ich die aufschneide und einfach ins Wasser rühre, aber das schmeckt tatsächlich. Leidenschaftlicher Koch. Das schmeckt übrigens wirklich auch hervorragend. Ich habe mir halt auch gesagt, der Magen muss sich auch daran gewöhnen. So habe ich halt wirklich auch zum Beispiel dieses Porridge mit Blueberries, was ich als Frühstück auserkoren hatte, habe ich dann auch zu mir genommen in der Schweiz und habe dann ein langes Training, vier, fünf Stunden einmal gemacht, weil ich sicher sein wollte, dass der Körper unter vielleicht möglichst ähnlicher Belastung das verträgt. Da gibt es eine Anekdote, es gibt ganz wenige Dinge, die ich ändern würde, aber das wäre ein Punkt, ich habe nach dem vierten Tag, glaube ich, diese süße Note von diesem Frühstück, die habe ich praktisch nicht mehr ertragen können. Ich habe es dann runtergewürgt, ich würde irgendwie dann auf salzig umstellen. Das war etwas, was ich nicht erahnt habe, weil ich es nicht trainieren konnte. Und so lernt man halt auch sehr viel, was vielleicht bei einem nächsten Mal einem wieder helfen könnte. Aber ich habe sehr viel über gesunde Ernährung tatsächlich gelernt, habe auch sehr viel darüber gelesen, habe mich versucht, die letzten paar Wochen zuvor wirklich nicht aufs Glatteis zu begeben. Und bei den Kleidern ist es ja ähnlich. Das war noch ganz interessant übrigens. Da habe ich am Anfang meine erste Longlist quasi, was ich so mitnehmen will und was ich final gemacht habe, ist Folgendes passiert. Ich habe irgendwann gesagt, weißt du was, ich nehme jetzt diese Shorts mit, mit denen ich mich am wohlsten fühle oder die ich immer habe, auch wenn sie 50 Gramm schwerer sind, habe ich dann gemacht. Und das Gleiche habe ich auch, ich habe meine Sportuhr mitgenommen, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. Viele haben gesagt, diese 80 Gramm, die spare ich mir. Ich habe gesagt, das ist für mich irgendetwas, was ich am Arm habe. Das gibt mir auch eine gewisse Angst und Stabilität. Ich weiß, mit dieser Uhr oder wenn ich sie anschaue, habe ich schon viele tolle Dinge erlebt und erfolgreich abschließen können. Und bei gewissen Dingen habe ich aber keine Kompromisse gemacht. Gerade bei den Kleidern. Ich meine, wäre ich jetzt drauf gekommen zum Zeitpunkt der Anmeldung, dass ich zwei Paar Socken übereinanderlege, das untere Paar zwingend, so quasi Zehensocken, wo jeder Zeh umschlossen ist, ein zweites Paar Socken drüber, um wirklich sicher zu sein, dass da kein Sand reinkommt, aber auch damit du einen Socken ausziehen kannst, falls der Fuss anschwillt. Das ist mir jetzt auch nicht passiert. Und die Schuhe, die waren, schreibe ich das auch, habe ich zweinommen grösser genommen, oder wie nötig. Das musst du auch trainieren. Beim Laufen ist etwas ein anderes Laufen dann. Du stoßt am einen oder anderen Stein an, wo du vielleicht, weil du einfach, man ist ja eingeübt auf die Größe, die man trägt normalerweise. Das sind halt die Dinge, da habe ich auch vertraut, auf Ratschläge und Leute, die mir das gesagt haben. Ich bin ja nie mit zwei Socken im früheren Ultra gelaufen. Aber da lernt man auch viel über, wie sich eine Faser direkt auf der Haut fühlt, oder nachdem du wirklich sieben Tage lang das gleiche Shirt anhast. Nicht jedes Funktionsshirt reagiert gleich. Ich habe mich da auch am Schluss auf etwas verlassen, wo ich einfach mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Größe gehen könnte. Das ist auch bei mir, glaube ich. Ich hoffe, du konntest mit den bisherigen Impulsen was anfangen, konntest vielleicht auch das eine oder andere auf dich übertragen. Wenn du das ein Stück weit weiter treiben möchtest, wenn du das reflektieren möchtest, wenn du vielleicht auch mal auf deine Situation schauen möchtest, dann buch dir gerne einen Termin bei uns unter www.die-körtings.com und wir schauen mal auf deine aktuelle Situation. Und ich bin sicher, auch wir werden dir die ein oder andere Maßnahmen und nun viel Spaß bei dem, was noch kommt. Jetzt klingt das so, dass du dich sehr akribisch vorbereitet hast. Du kommst aus der Beratung. Projektmanagement ist sicherlich ein wesentlicher Teil deiner Substanz. Würdest du so einen Satz unterschreiben, Erfolg ist planbar? Vielleicht, was man sagen kann, eine minutiöse Planung maximiert die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs, würde ich sagen. Und du kannst ihn planen bis zu einem gewissen Grad. Aber weißt du, wir hatten ja sehr gebirgige Teile an gewissen Tagen durchschritten. Da gibt es auch Leute, die gestürzt sind. Es gab Armbrüche. Es gab auch Fußbrüche. Leute, die aussteigen mussten. Von dem bist du nicht gefährdet. Jetzt kann ich sagen, ich bin auch sehr trainiert im Gebirge und gewohnt im Gebirge zu laufen. Die Wahrscheinlichkeit ist bei mir vielleicht nochmals kleiner. Aber du kannst nicht ausschließen. Es ist nicht null. Es ist nicht null. Aber ich habe einfach, ich sage, alles, was ich geplant habe, was ich ausprobiert habe, da habe ich eine gewisse Sicherheit, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es klappen wird. Und ich kann meinen Fokus eher auf die Dinge richten, wo ich vielleicht aufpassen muss, dass das nicht eintritt. Wo ich sage, wenn es eintritt, mit kleiner Wahrscheinlichkeit, ist das Schadensausmaß groß. Oder es kann sogar sein, eine Aufgabe, die ich zwinge. Gab es jetzt bei dir, du hast gesagt, bis zu einem gewissen Maß kann man das kontrollieren. Gab es bei dir auf dem Weg selber hin, zur ersten Etappe, Rückschläge, beziehungsweise auch während der sieben Tage, Momente, wo du denkst, du hast eben gesagt, du bist am Limit auf einigen Etappen, wo du gesagt hast, boah, irgendwie, ich weiß nicht, ob ich daran teilnehmen kann. Beziehungsweise, ich weiß nicht, ob ich es schaffe, mental durchzudrücken. Oder auch aus anderen Aspekten heraus. Also ich habe mir nach der Anmeldung, ich habe eigentlich noch nie eine Sportverletzung aus einem Lauf raus gehabt, oder aus einer Laufveranstaltung. Aber ich bin ausgerutscht auf der Treppe zu Hause, auf einer Zeitschrift, und habe mir eine Sehne angerissen, hinten am Oberschenkel. Das war aber zum Glück über zehn Monate vor dem Start. Aber ich habe dann auch im ersten Moment gedacht, was heißt jetzt das? Das kann ja langwierig sein, war aber letztlich kein Problem. Zumal ich ja im Training auch nicht, du machst ja eigentlich, also Intervalltraining sind ja nicht die Kerndisziplin, um sich schon auf sowas vorzuleiten. Sondern du bist eher langsam und lang unterwegs. Das war aber ein Moment, wo ich einfach auch ein bisschen gehofft und gebetet fast habe, dass das möglich gut kommt. Im Lauf selbst, ich habe einen unglaublichen Respekt vor dieser langen Etappe gehabt. Die war 86,5 Kilometer. Da bist du im Prinzip den ganzen Tag und eine Nacht, zwei Drittel der Nacht bei mir unterwegs. Es war sehr heiß zum Teil. Das war der einzige Tag, wo ich wirklich in der heißesten Zeit, durch die gesamte heißeste Phase des Tages unterwegs war. Ich habe dann tatsächlich, nach etwa sechs, sieben Stunden, habe ich das Gefühl, jetzt wird es wirklich heiß. Dann habe ich mich entschieden, bin dann wirklich zwei bis fast drei Stunden, bin ich einfach schnell marschiert. Das macht nicht mal so viel aus, ist das auch nicht auf die Endzeit. Aber ich habe dort ganz bewusst Risiko rausgenommen. Ich wollte ja ein Overpacing vermeiden. Die meisten Ausfälle gab es in der Tat in diesem Tag. Dann kriegst du eine Infusion, wenn irgendwas ist. Das ganze System kann relativ schnell kippen. Da musst du auf den Körper hören. Das habe ich getan. Jetzt spüre ich die Hitze, habe Risiko rausgenommen, was temporar in meiner Situation. Dann habe ich das gut über die Runden gebracht. Ansonsten hatte ich eigentlich nie, das war nicht ein kritischer Moment, das habe ich auch so geplant, dass ich das so tun werde. Das Dümmste ist, wenn du bei der langen Etappe rausfällst oder weil du unvorsichtig bist, weil danach ist eigentlich der letzte Tag, ist ein Marathon noch, da ist Zugabe und die Solidaritätsetappe ist jetzt nicht ein sportlicher Challenge. Warum riskiert man so etwas wegen ein paar Minuten oder einer Stunde Gesamtzeit am Ende? Das mag ein Zielläufer anders sehen, aber der Ambition hat auch auf das Protest oder auf den Gesamtsieg. Das ist dann aber eine andere Situation. Das war eigentlich der einzige Moment, aber das war nicht kritisch, das war einfach ein Moment, wo ich reagieren musste. Und damit auch eine gewisse Achtsamkeit auf dich, auf die Umgebung gelegt hast, um dann zu überprüfen, was für eine Entscheidung darf ich daraus ableiten, um das Risiko, du hast gesagt, das über Patience zu minimieren. Gab es in dem ganzen Vorbereitungs- und in dem eigentlichen laufwürdigen Moment, wo du gesagt hast, ich höre auf? Nein. Was hat dich motiviert, durchzudrücken, durchzuhalten, bis zur Ziellinie und natürlich auch bis zum heutigen Tag? Weißt du, das war eigentlich, eigentlich war das, also das Biest der Resistanz ist diese lange Etappe. Und die anderen Tage sind eigentlich überschaubar. Es ist mehr der Punkt, am nächsten Tag wieder auf den Beinen zu sein und wieder 40 Kilometer zu laufen oder wieder 35. Aber was natürlich anders ist, wie im Alltag, wenn ich den ganzen Tag oder wenn ich normalerweise einen vollen Arbeitstag habe und da machst du sonst noch das eine oder andere, da verbrauchst du auch Energie. Und da hast du wirklich, nebst ein paar Stunden Laufen, hast du Zeit für dich. Die Erholungskomponente, die ist relativ stark ausgeprägt. Wenn man noch den Schlaf findet, wenn man auch noch mal zwei, dreimal ein Powernap einstreuen kann, gewohnt ist und geübt ist, dann erholt sich der Körper sehr, sehr gut. Wenn man sich nicht verletzt. Und das habe ich nicht. Und von dem her war eigentlich jeder Morgen, das war immer ein Highlight. Und ich habe auch, interessanterweise, so Muskelkater oder Schmerzen, das habe ich nie gehabt. Das war vermutlich auch ein bisschen induziert durch die Endorphine. Die Glücksgefühle unterdrücken das auch, oder? Und von dem her habe ich eigentlich ans Aufgeben nie gedacht. Ich glaube aber auch, die Zeltgemeinschaft, die ganze Community funktioniert so, dass wenn du eine Krisensituation hättest,
Wenn du einen mechanischen Defekt hast, einen Zehenbruch oder Fussbruch, Blutvergiftung oder irgendetwas, dann entscheiden die Ärzte. Aber einfach nur, weil du müde bist, oder du bist ein Jahr alt, die Maschine läuft noch nicht so, wie sie es wollte. Ich glaube, das ist kein Grund. Da hat man auch zu viel vorbereitet. Ich glaube, der Kopf lässt das gar nicht zu, habe ich den Eindruck. Jetzt ist ja mit dem Durchlaufen der Ziellinie, damals 2017, zumindest dieser Abschnitt der Reise, zu Ende gegangen. Oder hat auch erst angefangen. Was ist in den Monaten danach passiert, was dann auch zu dem zweijährigen Prozess des Schreibens des Buches geführt hat? Was ja jetzt nicht ein Ziel gewesen ist, was Teil der Reise war, sondern einige Monate später erst passiert ist. Was ist passiert, als du dann zu Hause warst und durch die Wochen und Monate danach, Marcel? Es war natürlich zwangsweise so, dass alle Leute, die gewusst haben, dass ich das getan habe, ich habe das übrigens gar nicht breit gestreut gehabt, weil ich wollte mich auch nicht zu stark selbst unter Druck setzen. Das haben die Leute gewusst, in meiner Menge im Freundeskreis, die Familie natürlich. Die haben mich dann gefragt und da habe ich begonnen, diese Geschichten zu erzählen. Dann habe ich den ersten Vortrag mal gehabt, dann den zweiten Vortrag. Dann haben immer mehr Leute gesagt, das hast du mal überlegt, ein Buch zu schreiben. Am Anfang habe ich gedacht, hör doch auf, wie soll ich ein Buch schreiben? Irgendwann wurde das auch zu einem Projekt. Jetzt beginne ich einfach mal, niederzuschreiben, was ich so erlebt habe. Das weiß ich noch, ich habe 30, 40 Seiten geschrieben, verschiedene Momente dieser Woche. Ich habe das einfach mal ruhen lassen, eine Zeit lang. Irgendwann habe ich den Entschluss gefasst, das will ich tun. Ich habe dann die Gedanken gemacht, wieso soll ich jetzt ein Buch schreiben? Da gibt es andere, die mehr berufen sind, ein Buch über solche Läufe zu schreiben. Ich war ja nicht mal unter den Top 5. Deswegen habe ich das Buch auch ganz anders aufgesetzt. Es heisst ja auch, a diary from the desert and beyond. Ich wollte ganz bewusst nicht erzählen, wie man so einen Lauf noch schneller absolvieren kann. Aber auch vielleicht den Interessierten mitgeben, dass das möglich ist für viele. Dass es eben auch möglich ist, als Teil eines Lebens, wo man vielleicht sonst auch noch gewisse Dinge schon tut und die Zeit nicht einfach auf Vorrat vorhanden ist. Dann habe ich begonnen zu schreiben und habe mich dann entschieden, das war auch ein bewusster Entscheid, dass ich das auf Englisch tun möchte. Weil ich gesagt habe, wenn man das auf Deutsch macht, wird der Adressatenkreis noch kleiner. Und ich wollte, dass trotzdem die Möglichkeit bietet, dieses Buch Interessierten, Läufen, wo immer sie kommen, eben das zu lesen und etwas für sich selbst mitzunehmen. Dann habe ich begonnen zu schreiben. Das Kick-Off war irgendwann im Spätsommer 2017. Und dann ist es wirklich von der Zeitachse, oder habe ich das am Anfang gemacht, da war ich viel zu optimistisch. Aber ich habe einfach auch gelernt, wenn man den Qualitätsanspruch auch dort anwenden möchte, den man sonst anwendet, dann musst du dir einfach Zeit geben. Und manchmal geht einfach ein Monat gar nichts, weil du den Kopf nicht frei hast. Dann war das ein ganz, ganz spannendes Projekt, auch für mich nochmal. Ich habe mir dann wirklich sehr viele Dinge nochmal reflektiert. Du sagst es, es war nochmal ein ganz spannender Prozess. Meine nächste Frage würde dahin zielen, dieses Buch ist ja mitunter auch entstanden durch einen Trigger. Du beschreibst das in dem Buch, dass deine Freunde dein Umfeld reflektiert haben. Mensch, das sind so krasse Geschichten, die du erzählst. Und aus den Geschichten heraus sicherlich auch die eine oder andere Botschaft in die Welt, wenn wir das mal so sagen dürfen. Was hat dieser Schreibprozess mit dir gemacht? Welche Erkenntnisse sind noch hochgekommen? Welche Botschaften, die durch das Buch natürlich auch dann an die Leser vermittelt werden, aber auch speziell durch den Schreibprozess bei dir nochmal so ein paar Verbindungen haben hochkommen lassen? Gib uns mal zwei, drei dieser Schlüsselerkenntnisse, die dadurch noch zusätzlich entstanden sind. Vielleicht zwei ganz wesentliche Punkte. Der eine, dass es einfach nicht selbstverständlich ist, dass man überhaupt so etwas tun kann und darf. Und dass man es noch erfolgreich tun darf am Ende. Ich sage, das ist ein ganz großes Privileg. Und das ist für mich, ich war da auch wirklich von einer Dankbarkeit erfüllt, es ist einfach nicht selbstverständlich, es ist ein riesen Geschenk gewesen für mich. Und das zweite, einfach diese Zeitreise nochmal von der Idee. Ich meine, wenn wir mal vorstellen, als ich mich angemeldet habe, ich habe mir eine Frau angeschaut und habe gesagt, was hast du mir da eingebrockt? Du hast die Idee gehabt. Das war so ein Bon mot oder in meinen Vorträgen, also meine Frau hat mich quasi in die Wüste geschickt. Aber ich habe mir am Anfang gedacht, ich habe nie das. Ich habe nicht gesehen, wie das funktionieren kann und soll. Und als ich geschrieben habe, habe ich genau das nochmal durchlebt. Also der Moment, ich habe mich ja zurückversetzt. Und wie man durch Planung auch die Grenzen verschieben kann, wie der Kopf beginnt auch das einzuverleiben. Am Ende gewinnst du eine Sicherheit, dass es möglich ist. Die nimmt immer mehr zu. Da habe ich dann einen Coach genommen, erstmals in meiner ganzen Trefferkarriere. Wo ich einfach auch da gesagt habe, ich will das tun. War ein Aufwand ein bisschen, war auch ein bisschen, ja, ein höheres Commitment kam damit. Du möchtest dich auch nicht blamieren von deinem Coach und einfach mal eine Woche nichts tun. Also mir hat das einfach nochmal geholfen, die sportliche Seite. Und diese ganze Reise nochmal nachzuzeichnen, wie die sich Sicherheit zugenommen hat. Bis hin zur Anreise ein paar Tage früher in Ouassassat, um das Klima mal einzusaugen, um mal zu spüren auf zwei Trainingsläufen, was das bedeutet. Und dann wirklich mit einem guten Gefühl an die Startlinie eigentlich nur, dass irgendein Zufall kam mich noch jetzt irgendwie daran hin, das zu finishen oder irgendwas, was passiert, was halt dann passieren muss, weil es vorgezeichnet ist vielleicht sogar. Also das war nochmal für mich sehr eindrücklich. Und für alle, die da mal eintauchen wollen, wir werden das verlinken auf Amazon, sowohl als Kindle als auch als gedrucktes Buch Running the Sahara von Marcel Nikler mit übrigens ganz wunderbaren Scribbles. Wie sind die entstanden in dem Buch, Marcel? Also du meinst die Grafiken? Genau, ja. Ich habe einen guten Freund, der ist sehr bekannter Grafiker, der in der Schweiz wohnt, in Basel. Das war für mich auch noch ein ganz tolles Moment, als er dazu gesagt hat, dass er da mitmacht, weil das gibt nochmal eine emotionale Verbindung des Buches. Er hat auch das Cover gestaltet übrigens. Ich habe mir da selbst eine Freude bereitet mit dem und ich glaube, er hat auch sehr große Freude daran. Ja, und ich glaube, was ihm ganz wunderbar gelungen ist, ist diesen orientalischen Stil und auch die orientalische Emotion in diese Scribbles oder in die Zeichnungen mit zu überführen und uns damit mit auch auf diese Reise der unterschiedlichen Etappen, die du ja auch nachzeichnest in dem Buch, wiedergeben zu können. Wenn wir jetzt mal drauf schauen, wie sich das in deinen beruflichen Alltag einbettet. Auf deinem LinkedIn-Profil ist zu lesen, dass du viel Zeit auch in die Befähigung und Entwicklung von Menschen und Teams legt. Wie hat die Erfahrung des Ultralaufens und der wirklich sehr intensiven, sportlichen Herausforderungen, die du durchlebt hast, sowohl am Event selber als auch jeweils die Vorbereitung dazu, das Einbetten in dein persönliches Leben? Du hast sehr auch emotional über deine Familie gesprochen. Ihr seid 34 Jahre mittlerweile verheiratet. Das kann man schon fast sagen, auch eine Seltenheit in Zeiten wie diesen. Du hast deine Töchter groß wachsen sehen, die jetzt beide auch nicht mehr zu Hause sind. Wie sich das so einbettet in diese gesamte Gemengelage und wie es die Botschaften als auch das Wirken mit Menschen und Teams von dir beeinflusst hat. Ultralauf ist ja mal per se kein Teamsport. Du bist eigentlich sehr auf dich alleine angewiesen am Ende. Trotzdem ist etwas, was ich am meisten schätze an diesem Sport, diese ganze Gemeinschaft der Leute. Ich habe so viele Leute kennengelernt oder fast alle, die ich näher kenne, die sprechen über das Leben in einer gewissen ähnlichen Sprache. Die machen das, die machen das. Viele haben die Zeit auch gar nicht, das zu tun. Sie machen es trotzdem, weil sie sagen, das gibt mir was zurück. Es gibt Leute, die vom Leistungssport umgestiegelt sind, die das machen. Genau aus diesem Aspekt, weil sie sagen, ich habe das Ultralaufen zu meiner inneren Ruhe gefunden. Was es mir gegeben hat in meiner Arbeit mit den Teams, das Aufgeben war für mich nie ein Thema. Auch nicht in einer Projektsituation. Ich war ja sehr lange aktiv in der Beratung tätig. Am Anfang steht immer der Gewinn eines Projektes. Ich habe immer gesagt, auch in meiner frühen Berufsphase, bevor die Tinte nicht trocken ist, ist nichts entschieden. Wir kämpfen bis zum Schluss. Immer wieder Situationen habe ich erlebt, wo tatsächlich am Ende das noch gut gekommen ist. Ich habe noch keinen Ultralauf im ganz langen erlebt, ob das UTMB, Eiger-Ultra-Trail oder Marantini-Saberl ist, wo du einfach ohne Probleme durchkommst über so lange Zeit. Es gibt immer wieder einen Weg, der weitergeht. Man lernt immer wieder was daraus für das nächste Mal. Dieses fast bedingungslose Festhalten oder Glauben, das bedingungslose Glauben an ein positives Ende. Ich glaube, das ist etwas, was mich auch als Person stark verkörpert. Leute, die mit mir zusammengearbeitet haben, fragen mich. Ich glaube, dass man über das auch eine Kraft entwickeln kann. Und auch mit Analogien arbeiten kann. Ich habe immer wieder versucht, gerade wenn es um die Befähigung von Teams geht, diese Mentalität rüberzubringen. Das ist ein großes Projekt über lange Zeit. Das hat Höhen und Tiefen. Du kannst dir nicht alles aussuchen. Aber es gibt immer einen Second Gain aus einer schwierigen Situation. Also einen zweiten Gewinn, den man vielleicht nicht mehr so hat. Vielleicht hat mir auch das Laufen als Ganzes einen Teil der Resilienz gegeben, die es braucht, wenn du alles unter einen Hut bringen willst. Aber auch das ist ja planbar. Wieso soll ich einen Lauftermin über den Mittag nicht gleich planen wie ein Mittagessen mit einem Mitarbeiter oder einem Kunden. Wenn es trotzdem nicht geht, dann geht es halt nicht. Aber in vielen Fällen geht es eben. Da ist so viel Gold gerade drin, was du sagst. So viele gar nicht mal auch versteckte Botschaften, sondern offensichtliche Botschaften, wo ich in ein, zwei gerne mit dir noch mal reinschauen würde. Du hast gerade gesagt, dieser bedingungslose Glaube an das Ergebnis. Wie wichtig ist dieser Glaube, diese Absolute Certainty im Umfeld Außergewöhnliches, ob als Team oder Einzelperson zu erreichen? Ich glaube, das ist sehr entscheidend. Klar gibt es immer auch Handwerk, das vorhanden sein muss. Du kannst ein Projekt an die Wand fahren, weil handwerkliche Fehler gemacht werden. Aber selbst dann ist ja nicht alles verloren. Da gibt es eine Situation, mit der kann man umgehen. Ich glaube, das ist entscheidend. Ich habe noch nie ein grösseres Projekt erlebt, das einfach reibungslos von Zeitpunkt A zum Zeitpunkt B durchläuft. Die Fähigkeit, in schwierigen Situationen den Weg zu finden, den Weg zu definieren, wie man aus dieser Situation wieder rauskommt, ist eigentlich etwas, was man gerade in diesem Sport, den ich betreibe, laufen tut. Du triffst Situationen, das kann ein Gewitter sein, oder es kann eine leichte Verletzung sein, wenn es eine schwere ist, dann musst du vielleicht wirklich das Projekt abbrechen, jetzt im Sport. Ich glaube, da kann man sehr viel, es ist nie 100 Prozent, aber du kannst die Erfolgschancen enorm maximieren, mit diesem Glauben. Die Leute stahlen das ja auch aus. Du bist ja Teil eines Ecosystems, wenn du ein Projekt realisierst. Da sind zum Teil andere Firmen mit involviert, es ist ein Kunde in der Regel involviert, das sind ja auch alles Menschen. Ich glaube, dass man mit einer Einstellung, mit einer Überzeugung, dass das am Ende klappen wird, dass es aber ein steiniger Weg sein kann, dass das sehr viel bewegen kann. Das unterscheidet ja auch im Sport die ganz erfolgreichen Fußballtrainer von den weniger erfolgreichen. Mit den gleichen Spielern zum Teil. Ich glaube, es ist wieder spannend zu erleben in der einen oder anderen Liga, ohne jetzt im Detail darauf einzugehen, aber ich glaube, Herr Tuchel hat gerade eine Siegesserie in Chelsea und hatte die, glaube ich, auch in Paris und zeigt, genauso wie Jürgen Klopp, dass es da durchaus genau da die Wahrheit vergraben ist, wie du sie gerade skizzierst. Wenn wir dieser bedingungslose Glaube an den Erfolg, jetzt würde der eine oder der andere da draußen vielleicht sagen, das braucht irgendwie noch eine intrinsische Motivation, irgendetwas, John Strzelecki würde vielleicht sagen, Zweck der Existenz, John Strzelecki würde sagen, das Warum, was dahinter steht. Was war dein Antrieb, der überhaupt auch diesen Einfluss hatte auf diesen bedingungslosen Glauben an den Erfolg? Jetzt generell gesprochen oder jetzt sportlich? Generell gesprochen. Also ich glaube schon, du hast es gerade erwähnt, also der Purpose. Was tue ich eigentlich und was bewirkt es am Ende? Ja, das glaube ich, ist entscheidend. Und wenn man in der Beratung tätig ist, als Beispiel tut man ja Dinge und man hilft Organisationen etwas zu tun oder besser zu tun, was wieder denen ihren Purpose eigentlich füttert, aber eigentlich ist das dann auch der Purpose, den du deinem eigenen Wirken unterlegen kannst. Das kann Schaffen von Arbeitsplätzen sein, das kann Entwicklung von neuen Produkten sein, das kann Reduktion von CO2 sein oder X, X was, es gibt ja den ganzen Blumenstrauß von möglichen Projekten, die man da umsetzen kann. Ich glaube, der Purpose ist für mich ganz, ganz wichtig. Das ist Teil, war für mich Teil des intrinsischen Antriebs. Übrigens auch in der Wüste. Ich habe das unterlegt mit einer Wohltätigkeitskomponente, mit einer Charity-Kampagne für ein Hilfswerk, ein internationales, weil ich gesagt habe, wenn ich nur ein paar Mal daran denke, in der Wüste, was ich getan habe, vielleicht auch in schwierigen Momenten, dann wird mir das helfen, eben durchzuhalten. Also, der Purpose ist für mich, ja, das ist nicht das Geld, oder der Purpose. Geld ist das Resultat. Glaubst du, dass dieser Purpose, dieser innere Antrieb etwas ist, was in Organisation
und auch bei den Teams, mit denen du arbeitest und gearbeitet hast, zunehmendst mehr eine Rolle spielt, oder ist es etwas, wo sich Leistungsantrieb aus reinen Zahlen, Daten, Fakten, Gewinn, Mitarbeiter irgendwie in Lohn und Brot, weg von der Bench und so, dass das immer noch die alten Muster sind, oder siehst du da eine Entwicklung? Ich glaube, es gibt einen klaren Trend, dass die jungen Generationen jetzt, die Millennials vor allem auch, die legen starken Wert auf den Purpose, und zwar hier und jetzt, bezüglich der Dinge, die sie jetzt tun, und die sind auch bereit zu reagieren, oder ich sage immer auch, all diejenigen, die das Privileg haben, reagieren zu können, zu reagieren, wenn das nicht mehr passt für sie, und da hat sich einiges gewandelt, da wird auch viel mehr hinterfragt, heute Sinnhaftigkeit und, und, und, und ich finde das aber immer sind sehr gute Diskussionen, und ich investiere ja auch einen Teil meiner Zeit mit sehr jungen Leuten, ich begleite auch Startups als Coach und Mentor, wo ich das jetzt wirklich eins zu eins so spüre, also ein Großteil der neu gegründeten Firmen heute, sogenannte Startups, die haben einen klaren Purpose unterlegt, die werden ja auch so eingruppiert in verschiedene Kategorien, das kann Social Impact sein, das kann im Bereich Nachhaltigkeit sein, das ist etwas, was ich übrigens sehr, sehr gut finde, ist aber auch so, dass wir uns das auch auf vielen Teilen dieser Welt, aber leider immer noch nicht in allen Erdteilen flächendeckend so heute leisten können, das so zu tun. Es gab Zeiten, da mussten die Leute halt einfach schauen, dass sie Geld verdienen konnten, und das dreht sich um Arbeit und Kapital alles, und heute ist es ein Privileg, dass man über Purpose diskutieren darf und kann, und auch soll, oder? Und ich glaube, da kannst du einen grandiosen Beitrag leisten, lieber Marcel, Menschen darauf zu sensibilisieren, ob die Teams, die Menschen, die Startups, die du begleitest. Reinhold Messner hat mal gesagt, er ist jetzt in der siebten Phase, oder vielleicht sogar mittlerweile in der achten Phase seines Lebens. Jede Phase war von, damals hat er es noch nicht so genannt, aber von einem Purpose, von einem Warum, von einer Berufung unterlegt, ob das die 14.000er gewesen sind, oder die Eiswüsten und die Sandwüsten, die er ja durchschritten hat, oder auch Messner Mountain Museum, die sieben beziehungsweise sechs Museen an ganz außergewöhnlichen Orten in den Alpen, wo die Geschichte des Alpinismus nacherzählt wird, oder jetzt im Kontext der Nachhaltigkeit, die er ja auch in seinem Schloss in Südtirol gelebt hat, am Südhang. Auf den Menschen Marcel Nickler geschaut, du hast gerade auch eingangs gesagt, dass du dich aus dem operativen Geschäft schon zurückgezogen hast, beziehungsweise weiter zurückziehst. Du dich wieder für einen Lauf eingeschrieben hast dieses Jahr. Was wird die nächste Phase deines Lebens, lieber Marcel? Ja, ich habe mir eigentlich fest vorgenommen, dass ich möglichst viel meiner Zeit die nächsten Jahre darauf verwenden will, mein Wissen, meine Erfahrung an Orten einzubringen, wo wirklich etwas bewegt werden kann. In einer Mischung. Im Moment arbeite ich nach wie vor an verschiedenen Orten. Ich lebe ja in der Schweiz, bin als Verwaltungsarzt tätig, mache aber auch einen Teil meiner Zeit, widme ich Pro Bono Aktivitäten, was ich ganz wichtig finde, wo man wirklich auch einen Impact erzeugen kann, helfen kann an Orten, vielleicht auch, wo die staatlichen Institutionen nicht helfen können. Und ich investiere auch einige Zeit mit jungen Leuten zusammen. Das sind die Leute, die irgendwann diese Welt prägen werden und müssen in Zukunft. Ich glaube, es gibt wenig Spannenderes im Moment, um wirklich mit solchen Start-ups oder jungen Teams zusammenzuarbeiten. Man lernt auch viel von diesen Leuten. Da kann man alles gut finden oder nicht alles gut finden. Ich höre sehr gut zu und lerne sehr viel, auch in diesem Bereich. Ich versuche auch dort das einzubringen, was mir immer wichtig war. Das Vorleben von Werten. Unsere Gesellschaft tut gut daran, sich noch lange oder hoffentlich immer bewusst zu sein, dass Werte im Leben eigentlich das höchste Gut sind. Wenn du Vertrauen zerstörst oder du brauchst sehr lange, wenn es überhaupt möglich ist, dass du das wieder herstellen kannst. Ich versuche eben das auch einzubringen. Vom Beginn weg oder wenn solche jungen Leute ins Berufsleben einsteigen. Ich glaube, ein ganz wunderbares Ziel und Möglichkeit, die du schaffst, also Ziel für dich selbst, als auch für alle Menschen, die sich in deinem Umfeld bewegen dürfen und die du dort mit einbinden kannst, als auch ganz wunderbar Menschen etwas zurückzugeben, so wie du damals vielleicht auch vor 30, 40 Jahren am Anbeginn deiner Karriere, ob jetzt läuferisch oder auch im reinen beruflichen Kontext auf Mentoren und Coaches, du hast es immer wieder erwähnt, zurückgreifen zu können, wo du von deren Wissen und deren Erfahrungen lernen konntest. Um das Ganze so ein bisschen schon abzurunden oder abzubinden. Marcel, was hat das letzte Jahr? Wir sind jetzt ein Jahr in Corona, ein Jahr Lockdown. Ich glaube, auch die Schweiz, du wohnst in Basel, hat da seine Höhen und Tiefen erlebt. Was hat das für jemand, für den Menschen, für den Begegnungen, für die Gemeinschaft, sowohl in läuferischen Events als auch in dem, wie du beruflich als auch deinen familiären Kontext reflektierst? Was hat das letzte Jahr mit dir gemacht? Wie hat es dich verändert? Grundsätzlich ist es ja schon so, dass der soziale Kontakt nicht ersetzt wird durch Begegnungen im virtuellen Raum. Das ist einfach so. Insofern war es für alle eine schwierige Zeit. Wenn ich jetzt mal schaue, mein Vater, meine Schwiegereltern, die schon älter sind, die einfach über längere Zeit nicht besuchen konnten, wollten. Es wäre ja zum Teil rein rechtlich möglich gewesen von den Richtlinien her, aber man will ja sich auch gegenseitig schützen. Das war schwierig. Vielleicht sogar das schwierigste Eck, dass man die Familie nicht als Ganzes zusammenbringen konnte, zumal jedes Jahr, also mein Vater lebt jetzt 89 in diesem Jahr, es geht ihm nach wie vor gut, sehr gut für sein Alter. Und man weiß ja nie, wie viele Geburtstage kann man noch im Gesamtfamilienverbot feiern. Das ist fast zweimal, oder? Klingt das eben nicht. Das ist sicher mal schwierig. Geschäftlich, sage ich jetzt mal, das war ja beeindruckend, wie schnell die Firmen dann auch gelernt haben, in dieser Situation zu leben. Ich glaube, das Schwierigste war für jüngere Leute, also junge Familien mit kleinen Kindern zu Hause, die dann noch einen Lehrplan zugeschickt bekommen haben, die Kinder unterrichten mussten, beide einen Job haben und, und, und. Da kenne ich einige Beispiele von Leuten, die an die Grenzen geführt wurden. Aber im Berufsleben oder jetzt gerade in den Branchen, wo ich tätig bin, da hat man weitergearbeitet. Die Restaurants, Hotels, Tourismusbranche, die tun mir extrem leid. Ich habe auch einige Freunde, die in diesem Bereich tätig sind. Das ist dramatisch, oder? Und ich hoffe sehr, dass das bald wieder alles möglich sein wird. Aber am Ende auch hier, ich sage, man kann klagen oder man kann versuchen, das Beste zu machen, auch in einer solchen Situation. Wenn man sich zu fünf treffen darf oder zu vier, aber nicht mehr wie zwei Familien zusammenkommen sollten, dann kann man das trotzdem machen. Und man kann weiter auseinander sitzen. Also man muss das nicht auf null wahren. Ich habe immer versucht, auch das Positive daraus zu nehmen. Ich durfte meinen Sport zumindest als Einzelläufer immer rausüben. Das ist auch nicht in jedem Land möglich gewesen. Ja, es gab Länder, da war das nicht mehr möglich. Und von dem her, insofern war es eine ganz spezielle Zeit. Und ich hoffe einfach, dass das irgendwann wieder geordnete Bahn gehen wird und nicht ein stetiger Begleiter sein wird, solche Pandemien über die nächsten vielen Jahre. Das hoffe ich. Ja, und das, was unsere Spezies ja auszeichnet, gegenüber all denen, die hier schon auf diesem Planeten wohnen durften, dass wir in der Lage sind, uns sehr schnell anzupassen. Und wie du sagst, nicht nur die Firmen, die ja ohne Menschen nicht sind, sondern Firmen bestehen ja aus Menschen. Genau diese Anpassungsfähigkeit, das gut ist, was wir uns immer wieder ermöglichen können und zeigen können. Und auch eben, wie du sagst, nichts ist selbstverständlich. Es ist ein Privileg. Viele Läuferveranstaltungen wurden abgesagt, viele Begegnungen haben nicht stattgefunden. Und es ist ein Privileg, in der Welt zu wohnen, in der wir sind, und da auch das Beste draus zu machen. Und ich bin sicher, du wirst nicht so wie Florian Neuschwandner oder Jan Frodeno, letzterer hat ja seinen Triathlon in Spanien in seinem Haus gemacht, in seinem Pool. Und auf der Rolle und auf dem Laufband Florian Neuschwandner auf dem Laufband, ich glaube 626 oder 623, auf dem Laufband zu Hause. Er hat ja so ein ergonomisches, so ein orthopädisches Laufband, so ein ganz hoch, ich glaube 10.000 Euro das Stück, der dann bei geöffneten Fenstern, fast aus dem Fenster rausläuft auf dem Laufband. Werden wir dich auch in den nächsten Monaten, so wie in den letzten Monaten, sicherlich auch in den Alpen sehen, für diejenigen, die da umtriebig sind, wo du dann trainierst, für die Events, die dann im September stattfinden. Marcel, erstmal vielen Dank schon mal bis dahin. Vielen Dank für diese Einblicke, sowohl in den Marathon de Sable, in den Vorbereitungsprozess, in dein Leben und die Erkenntnisse und Botschaften, die du da rausgezogen hast, Marcel. Wenn jemand mit dir in Kontakt treten möchte und sagt, das hat mich inspiriert und möchte vielleicht auch mal anfühlen oder zugreifen, vielleicht auf den ein oder anderen Rat, ob jetzt im läuferischen Kontext, im unternehmerischen oder einfach im Kontext des Lebens, wo kann man mit dir in Kontakt treten und wie ist da die beste Möglichkeit, Marcel? Ich denke am besten ist über die E-Mail-Adresse, die ich auch in meinem Buch dort hinterlegt habe, Marcel, at runningdesahara.net, oder halt über die gängigen sozialen Medien, über LinkedIn verbinden, das ist auch kein Problem. Großartig, dann schreiben wir die E-Mail-Adresse auch in die Shownotes, dass das da rüber kanalisiert ist und verlinken vielleicht auch dein LinkedIn-Profil. Marcel, es ist üblich, dass gerade auch speziell nach so einem wunderbaren und auch sehr emotionalen und tiefgehenden Interview gehört das letzte Wort dem Gast und zwar nicht an mich gerichtet, sondern an die Menschen, die diesen Podcast hören dürfen und hören können. Was ist deine Botschaft an die Welt? Was ist deine Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer des Umsetzungsgiganten Podcast, lieber Marcel? Die Botschaft ist, bleibt positiv, was immer droht als Negatives auf euch einzuwirken, setzt euch Ziele im Leben, auch wenn die auf den ersten Moment schwer erreichbar aussehen, aber das gibt den Antrieb, das kann auch einen Purpose geben für das, was man tut und lasst euch überraschen, zu was der Mensch fähig ist und freut euch auf die Gefühle, die eintreten, wenn ihr solche Ziele erreicht. Aber setzt euch Ziele und bleibt positiv. Habe ich dir zu viel versprochen? Ein episches Interview mit einer grandiosen Persönlichkeit und ich frage dich natürlich, welche Wege warst du in der Lage, jetzt zu demaskieren, zu dekodieren und anzunehmen? Welche kleinen Erfolgsmuster kannst du vielleicht auf dich übertragen, um deine Ziele zu erreichen, um deine Gipfel zu stürmen? Und mach dir ruhig ein paar Notizen, demaskier die Wege, die der oder diejenige gegangen sind und übertrage sie auf dich. Und wenn du sagst, du möchtest das gerne nochmal reflektieren, du möchtest gerne die einzelnen Schritte vielleicht nochmal präziser und strukturierter reflektieren, dann buch dir gerne einen Termin bei uns unter www.die-körtings.com. Und wir sind sicherlich in der Lage, dir den ein oder anderen Impuls nochmal zu geben bzw. die eine oder andere Frage zu klären. Oder wenn du sagst, meine Selbstständigkeit braucht mal wieder ein Stück weit Schub in meinem Unternehmertum, mit meinem Unternehmen darf es nochmal richtig vorangehen. Irgendwie habe ich das Gefühl, ein Plateau erreicht zu haben und ich möchte die richtigen Interessenten anziehen. Ich möchte mehr Kunden gewinnen. Ich möchte, dass ich in der Lage bin, großartig meine Leistung zu liefern, damit sie lange bei mir bleiben. Und wenn alles gut zusammenpasst, das Business skalieren, dann buch dir den Termin, weil ich bin sicher, wir werden aufgrund deiner aktuellen Situation dir die nächsten strategischen Schritte, die nächsten Projekte, die nächsten Maßnahmen ins Heft schreiben können, die dich auf jeden Fall einen Schritt weiter bringen. Und wenn du sagst, Mensch cool, lass uns mal zusammenarbeiten, auch das kann möglicherweise aus solch einem Gespräch entstehen. Bis dahin, wir hören uns in einem der nächsten Podcasts, in einem der nächsten Videos. Bis dahin, der Thorsten. Ciao, ciao. Copyright WDR 2021