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#168 05.04.2023 · 32:20 min

Über sein Leben - Im Gespräch mit Joe Alexander

Blauer Hut, stahlblaue Augen, weltoffen – das sind die Markenzeichen von Joe Alexander. Er ist einer der erfolgreichsten Weltrekordhalter Europas mit unglaublichen 51 Weltrekorden, unter anderem das Fangen von Pfeilen mi

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Blauer Hut, stahlblaue Augen, weltoffen – das sind die Markenzeichen von Joe Alexander. Er ist einer der erfolgreichsten Weltrekordhalter Europas mit unglaublichen 51 Weltrekorden, unter anderem das Fangen von Pfeilen mit der Hand. Außerdem ist er Mehrfacher Hamburger und Deutscher Meister im Taekwondo. Seit 25 Jahre ist Joe erfolgreicher Backstage Coach und Ideengeber bei großen Fernsehshows, beispielweise für „Wetten, dass?".  Heute ist er darüber hinaus als Autor und Coach erfolgreich.

In dieser Folge sprechen wir über sein Leben, zu welchem unteranderem die Flucht nach Deutschland, die Zeit in den USA und viele Hindernissen gehören.

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Das Transkript zum Nachlesen

Die Geschichte war aus dem Mobbing heraus und aus dem Fußball und aus dem Nicht-Sprache-mit-Sprach-Barrieren so viele Störfaktoren, Hindernisse in meinem Leben, die ich dann für mich gemeistert habe. Das Interview des heutigen Tages und der heutigen Folge ist mehr oder weniger durch einen Zufall entstanden. Denjenigen, den ich heute hier in dem Postcast habe, ist jemand, neben dem ich rein zufällig in einem Seminar gesessen habe, um dann, nachdem er von der Bühne mehr oder weniger gar nicht anmoderiert, sondern erwähnt wurde, den Impuls verspürte, ihn direkt und seine Partnerin anzusprechen und da vielleicht noch mal in die Hintergründe reinzuschauen. Und er ist jemand, wo ich sagen darf, es ist einer der doch eher bunteren Lebensläufe aus der nahen und weiteren Vergangenheit, die ich lesen und auch erleben durfte. Und wir nehmen uns jetzt mal so ein Stück weit rein in die Geschichte, beziehungsweise was das, was diesen Menschen ausmacht. Er ist jemand, der in sehr jungen Jahren, nämlich als Kind aus dem Libanon nach Deutschland geflohen ist und dann in Hamburg ohne Eltern aufgewachsen ist. Und wir werden da sicherlich ein Stück weit reinschauen. Und ist jemand, der sich in sehr jungen Jahren schon dem Sport des Taekwando gewidmet hat, um daraus etwas werden zu lassen, was ihn hat zum deutschen Meister werden lassen und er dort im fünften Dan aktuell ausgestattet ist. Er ist jemand, der sich selbst Extremcoach nennt beziehungsweise andere ihn als solchen betiteln. Er ist Stunt, Stunt darf man sagen, Stuntkoordinator. Und nicht nur Koordinator, sondern macht auch selbst Stunts, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, wo ich denke, oh, was macht das? Was macht das möglich? Er war sehr nah dran an einem der Fernsehereignisse, die sicherlich der eine oder andere auch der Generation Golf und danach noch mit Bildern im Kopf haben, die sich fast so eingebrannt haben wie der Fall der Türme 9-11. Nämlich der vor Millionen von Zuschauern auf deutschen Sofas in einer der bekanntesten Abendshows, nämlich Wetten, dass... Wir alle live zu sehen bekommen haben, wie Samuel Koch beim fünften oder sechsten Auto, über das er mit seinen Sprungfedern gesprungen ist, nicht auf den Beinen landete, sondern danach querschnittsgelähmt war. Und wir Thomas Gottschalk als jemanden erleben durften, der in solch einem sicherlich schmerzhaftesten und auch besondersten Fernsehmomenten in der Lage war, eine ganze Nation in ganz besonderen Worten daran teilhaben zu lassen, was dort geschehen ist. Wir werden da vielleicht an der einen oder anderen Stelle draufgucken, welche Rolle der heutige Gast dabei hatte. Und das, was sicherlich nach außen hin sehr sichtbar ist, nicht nur, dass er einen Wikipedia-Eintrag hat, der deutlich länger ist als von ganz anderen berühmten Persönlichkeiten. Er ist jemand, der mit 51 Guinness-Buch-Rekorden ausgestattet ist. Steht sage und schreibe 51, möglicherweise sind es noch ein paar mehr geworden, jetzt in der nahen Vergangenheit, Rekorden im Guinness-Buch. Er hat ein Buch geschrieben, Fang den Pfeil. Und bei diesen Guinness-Buch-Rekorden schwingt das so ein Stück weit durch. Nämlich 2010 gelang ihm, während des Guinness-Buch-Weltrekords 2010, innerhalb von zwei Minuten 43 Pfeile mit der Hand zu fangen und auch sechs fliegende Pfeile durch einen, wie nennt man das, Bogen geschossenen Pfeile, sechs Pfeile innerhalb von einer Minute oder zwei Minuten zu fangen. Und so zieht sich das durch, 51 Rekorde. Er sagt selbst über andere und gibt die Botschaft nach außen, fokussiere dein Leben. Und genau da, in diesen vielen Bereichen, dieses ganze bunte Potpourri, in dieses, was ihn energetisch auszeichnet. Er sitzt jetzt gerade hier oder steht vor mir mit einem blauen Hut und mit einer blauen Weste. Und wir sind ganz gespannt, was er uns hier heute mitgebracht hat. Nicht nur an Antworten und Lebensweisheiten, sondern auch an Erfahrungen. Herzlich willkommen, Joe Alexander. Wow, danke, Thorsten, für diese ganz tolle und etwas doch längere Einführung. Vielen Dank, und ich freue mich auch, hier sein zu dürfen. Joe, es ist großartig, dass du hier bist. Und Joe Alexander darf, glaube ich, gesagt werden, ist nicht dein wahrer Name, es ist vielleicht ein Künstlername. Ich weiß nicht, ob du selbst darüber sprichst. Josef Rathausen, Also, das ist eine etwas längere Geschichte. Ich bin ja in Baden-Württemberg geboren, in Libanon. Und mein Vater ist Deutscher und meine Mama ist Ägypterin. Und wir sind dort schon aufgewachsen. Und eines Tages war das so, war ich dann schon schon viel geeignet, und dann war es so, dass meine Mutter in Libanon aufgewachsen ist. Und dann war ich in Libanon, und dann war ich in Baden-Württemberg geboren. Da war ich dann Schornsteinfeger geworden. Und ich hatte sehr viele Gedanken im Kopf. Irgendetwas hat mich da gestört an meinem Leben. Ich hatte den tollsten Beruf der Welt. Ich war auf den Dächern, ich hatte mit Menschen zu tun, ich war in der frischen Luft. Es war eigentlich der tollste, beste, bezahlteste Beruf der Welt, Schornsteinfeger, der auch Menschen Glück bringt. Und eines Morgens, als ich auf den Dächern stand, so um 8.30 Uhr oder 7 Uhr, und als ich auf dem Dach stand und dann den Schornstein gefegt habe, gingen in den Hinterhöfen so die Lichter an, und die Fenster öffneten sich, und dann habe ich auf einmal meine Zukunft gesehen in einer Vision. Und die Vision sagte mir, Joe, was willst du, wohin willst du? Und während ich den Schornstein gefegt habe, habe ich auf einmal meine Zukunft gesehen, wenn ich jetzt dabei geblieben wäre. Nämlich, ich wäre als Bezirksschornsteinfegermeister, hätte ich ein Haus, eine Frau, zwei Kinder, zwei Autos und einen Hund, und alles läuft super. Und als ich das gesehen habe, also mit beiden inneren Augen, dachte ich mir, Joe, willst du das? Und die Antwort war sofort nein. Und dann habe ich gefragt, was willst du denn? Und dann kam es gleich, Hollywood, Los Angeles. Und innerhalb von einer Woche habe ich alles aufgelöst und bin, ohne Englisch zu sprechen zu können, ohne jemanden zu kennen dort und überhaupt, also einfach blind, alles aufgelöst und habe dann zehn Briefe geschrieben an meine Eltern, Sportler, Freunde und so weiter, und meinen Chef. Niemand wusste Bescheid, dass ich mich abgesetzt habe. Und im Flugzeug kam mir, jetzt kommen wir zu dem Punkt zum Thema Namen, da habe ich gedacht, wenn ich drüben ankomme, Ragozki, meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, here is Joseph Ragozki and the who? Da habe ich gedacht, nee, der Name muss anders sein. Und dann habe ich gedacht, Joe L. Starr. Jeder will in Los Angeles ein Star werden. Ich habe meinen Namen einfach an einen Star genannt. Und irgendwann wurde aus diesem Joe L. Starr, habe ich gedacht, nach ein paar Jahren passt das nicht mehr, habe ich den Namen rausgenommen, den Starr. Und aus L., Joe L., wurde dann Joe Alexander. Und das ist seitdem organisch, motivierend, Musik drin, positiv, optimistisch. Joe Alexander ist Flow. Und das passt dann zu meinen allen Aktivitäten, die ich dann mache. Das war der Sprung von Joseph Ragozki auf Joe Alexander und mit dem ich jetzt wahrscheinlich auch ins Club gehe in 60 Jahren oder so, oder 70 Jahren, mal gucken. Ich bin ja froh, dass Wikipedia zumindest deinen ursprünglichen Namen noch dokumentiert und du damit in der Lage bist, immer noch mal auch auf deine Ursprünge hinzuweisen und immer wieder einen Ansatzpunkt findest, auf diese Geschichte einzugehen. Du hast dir zumindest damals die Gedanken gemacht, als wir nach Amerika gegangen sind, beziehungsweise Australien und mit Thorsten und Birgit, da können die auch kaum was anfangen. Und Thorsten sprechen die da drüben auch alle mit Thorsten aus, weil die irgendwie das mit dem TH kennen. Und dann machen dich die anderen zu dem, was du bist, nämlich zum TJ. Und es ist schön, dass du gleich von dir aus schon wusstest, wie du dort genannt werden möchtest. Das, was aus der Geschichte schon wieder herauskommt, ist das, was, glaube ich, dieses ganze Leben von dir auszeichnet. Dieses neue Wagen, diesen Mut zu haben, nachdem du vielleicht so eine innere Inspiration, Intuition oder dieses Bild, wie eben skizziert, hattest, dieses Neue einfach mutig anzugehen. Da kommen wir vielleicht gleich noch mal drauf auf die Muster. Eines dieses Neue war ja auch, dass du aus dem Libanon nach Deutschland gekommen bist. Was ist die Geschichte dahinter, Joe? Es ist so, dass mein Vater, wie gesagt, kam aus Deutschland, war Flieger und hat meine Mutter kennengelernt in Ägypten, nachdem er abgeschossen worden ist. Und dann sind wir nach Libanon gezogen, weil das einfach so sein sollte. Und in Beirut bin ich dann geboren worden. Und in Beirut war ja damals sehr viel Krieg. Und dann haben unsere Eltern uns tatsächlich mit einem Brief um den Hals in den Flieger gesteckt, nachdem ein Flugzeug oder eine Bombe neben unserer Schule, ich glaube, das war ein Flugzeug, wo es abgestürzt ist, und einige Menschen da auch verletzt worden sind. Und die Lehrerin, die uns dann sagte, alle unter die Tische, es geht wieder los. Und alle Kinder gehen unter die Tische. Nur ich war der Einzige, der aus dem Fenster guckt und sagt, guck, was ist da noch los? So, aufgrund dieser Aktion oder dieser Kriegswirrung haben unsere Eltern uns in den Flieger gesetzt und nach Deutschland, Frankfurt, geschickt. Und dort auf einmal waren wir mit sehr vielen Medien konfrontiert, die das ungewöhnlich fanden, dass fünf Kinder alleine im Flieger saßen. Und von der B-Zeitung, Tagesschau, Mopo, Stern, alle waren sie da, komischerweise. Ich habe noch Aufnahmen davon. Und ja, das war die Geschichte, als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Praktisch die ersten Flüchtlinge, so fast. Wie viele Jahre bist du hier angekommen, und was ist dann passiert? Oh, ich bin dann halt mit circa vielleicht sieben, acht oder sechs, das ist jetzt Superjahre, und wir sind dann in eine Klosterschule gekommen, und dann Kinderheim. Und wir sind praktisch nur in Kinderheimen aufgewachsen. Und unsere Eltern sind ein halbes Jahr später nachgekommen. Und wir kannten praktisch die Familienverhältnisse, die andere Kinder hatten mit Eltern. Und die Routinen, die Gewohnheiten, wie das so ist, Kinder und Eltern, kannten wir nicht, weil wir sind im Kinderheim groß geworden, wo dann einige Schwererziehbare dabei waren, einige wurden da reingesteckt, weil die Eltern keinen Ausblick wussten. Und für uns war das ganz normal. Das war schon eine andere Lebensweise. Und ich habe das erst dann realisiert, später, was die für Erfahrungen hatten, die Kinder und Jugendlichen später, die ich nicht hatte oder die wir nicht hatten. Und das hat mich dann irgendwann auch unabhängiger gemacht, stärker gemacht. Und ja, ich habe mir eines Tages gesagt damals, später möchte ich genauso werden, wie ich jetzt bin. Du nimmst schon so ein Stück weit die nächste Frage, nicht vorweg, aber sie generiert sich förmlich daraus. Glaubst du, dass diese Erfahrung damals mit sechs, sieben, acht, bleiben wir bei dieser Variabilität, dass du da für dich etwas erkannt hast, was dir dieses Hineingehen in neue Situationen, in neue Länder, diesen Mut, den du in vielen Facetten deines Lebens schon bewiesen hast, ist das da erkannt worden in dir? Also hast du das dort erkannt? Oder ist das etwas, was sich auch aufgrund dieser Erfahrung ausgeprägt hat? Also scheinbar war ich schon immer so drauf in meiner Genetik. Und die Umfelde und die Situation und das Timing hat das immer rausgeholt, was ich schon war und schon immer bin. Bis heute, also bis jetzt. Morgens früher anders, aber bis heute. Diese Prägung ist immer mehr und mehr ausgebrochen. Das war das Wesen, was ich schon war. Ich glaube nicht, dass die Umstände mich zu dem geformt haben. Natürlich haben mich die Umstände auch geformt, aber das war schon immer in mir. Und ich bin ja jetzt aufgrund dessen, diese ganzen Erfahrungen weltweit mit sehr, sehr vielen Menschen in allen Generationen, bin ich halt Coach geworden. Und da meine Coachings anders sind als normal, da habe ich mich dann irgendwann auch Extreme-Coach genannt. Es wurde immer erwähnt, dann habe ich das zum Anlass genommen, weil ich Coache die Menschen, weil ich selber in sehr vielen Extremsituationen gekommen bin. Und habe dann immer einen Weg rausgefunden. Und manchmal schmerzhaft, manchmal schnell und manchmal cool. Mittlerweile habe ich den Schlüssel, wie man da aus Extremsituationen, egal welches Thema... Es ist wirklich strange, mein Leben. Und wenn ich heute coache oder gecoacht habe, das ist nicht normal. Und es bleibt spannend und mir geht es gut. Wir kommen da sicherlich noch drauf zu sprechen, ob das die Formel ist, wie du aus jeder Extremsituation vielleicht gut rauskommst, oder auch andere, nicht Weisheiten, aber Botschaften, die du an die Zuhörerinnen und Zuhörer hier richten kannst. Welchen Bezug hast du heute noch zum Libanon? Wie stark sind da die Bande? Wie stark ist das noch bei dir verinnerlicht? Also, Libanon ist und bleibt immer ein wichtiger Wurzel von mir. Ich habe tatsächlich gestern eine Verwandte telefoniert, auf Englisch und Arabisch. Ich spreche noch ein bisschen Arabisch natürlich. Und die fragt auch, ich werde vermisst, obwohl die mich kaum gesehen haben. Ich war ja vor ein paar Jahren noch mal da. Und das heißt, entweder im Herbst gehe ich wieder rüber nach Beirut mit meinen Mädels. Und das Essen ist wunderbar, die Kultur, die Menschen sind einfach nur toll. Und natürlich ist es dort nicht ganz einfach, weil es sind so viele Länder, jeder hat Monopol. Und die Religion hat einen großen Einfluss auf die Politik. Aber trotzdem ist das Leben in Beirut richtig, richtig schön. Und in meiner Zukunft überlege ich, ob ich wieder nach Beirut zurückgehe oder woanders. Wir werden sehen, wo dich das Leben hinträgt, oder du dich selbst. Weil dieses Bunte, dieses Vielfältige, was du auch schon angesprochen hast, sich ja durch dein ganzes Leben zieht. Und du ja noch ein paar Jahre vor dir hast hoffentlich. Und die sicherlich so beleben wirst, wie du das für dich spürst. Ja, ich bin ja schon ein 8. Leben in diesem Leben. Es kommen noch zwei. Ich weiß schon, wohin die gehen. Und ich weiß auch, wo ich hinziehen werde. Hey, wir, die Curtains, machen diesen Podcast aus Leidenschaft, um Menschen wie dich zu inspirieren. Und es würde uns und anderen wahnsinnig helfen, wenn du uns eine Podcast-Bewertung da lässt und diesen Podcast anderen Menschen empfiehlst, die möglicherweise ähnlich davon profitieren, wie du es tust. Danke dir dafür. Und jetzt weiter mit der aktuellen Folge. Ja, diese Klarheit bist du natürlich auch anderen in der Lage zu vermitteln und zu ermöglichen in deinen Extremcoachings. Bevor wir da hinkommen, nimm uns noch mal mit auf die Reise des Taekwando. 1977 hast du Taekwando begonnen, bist zum deutschen Meister geworden. Wie hast du Taekwando gefunden? Und ich weiß, du bist ein Liebhaber von einer Frage nach der anderen. Wir werden aber noch mal dahin gehen, was hat es gebraucht, um deutscher Meister zu werden? Also gucken wir erst mal, wie bist du zum Taekwando gekommen? Wie bist du zum Taekwando gekommen? Punkt. Durch Fußball. Jetzt weiß ich alle, was hat Fußball mit Taekwando zu tun. Hat ja auch was mit Füßen zu tun, man tritt einen Ball oder... Weiß nicht, wo man sonst... Der kommt nicht wieder. Ja, der kommt nicht wieder. Ja. Es geht darum, dass... Ich war ja ein sehr guter Fußballspieler in Hamburg, alt 1993. Das ist ein größerer Verein hier gewesen und noch. Und auf dem Weg zum Fußball war das immer... bin ich an einer Gegend vorbeigekommen, so Gassen. Und dann hörte ich immer Schreie und unglaubliche Geräusche. Ich denke, was ist das denn? Und irgendwann bin ich eher zum Fußballtraining gegangen, weil ich wollte unbedingt den Geräuschen nachgehen. Und dann gehe ich da diese dunkle Gasse rein, mache die Tür auf und auf einmal war da so ein... schwitzende Leute mit weißen Anzügen, die Kampfschreie gekickt haben. Ich dachte, was ist das denn? Und dann habe ich gedacht, wow, das ist ja interessant. Und irgendwann mal habe ich... Dadurch, dass ich mein Deutsch nicht so gut war, war ich in der Schule sehr, sehr oft gemobbt worden, gehänselt worden. Und ich konnte mich nicht wählen. Und im Fußball war das so, ich war ein sehr guter Fußballspieler, war auch in der Hamburger Auswahl. Aber ich bekam die Bälle nicht, weil ich war so schüchtern und das Deutsch nicht auszusprechen, ich bin hier und so weiter. Und Fußball ist ein Teamsport. Und dadurch, dass ich mich nicht kommunizieren konnte... Und Taekwondo war für mich ein Einzelsport. Wenn ich trainiere, wenn ich gewinne, gewinne ich. Wenn ich verliere, verliere ich. So bin ich von niemandem abhängig. Und habe mich dann vom Fußball dann gelöst und bin zum Kampfsport gegangen, zum Taekwondo. Und habe dann innerhalb von zwei Jahren den Schwarzcode... Das ist Schallgeschwindigkeit, das ist unmenschlich. Ich habe dann sofort sieben Tage die Woche trainiert. Man sah mich oft abends laufen mit einer Bleiweste, mit Schwitzanzügen. Damals gab es noch kein Internet, kein YouTube und so weiter. Das habe ich mir alles irgendwie angeeignet. Und Gewichten an den Füßen. Und ich war dann praktisch noch im selben Jahr zur deutschen Meisterschaft, habe da den dritten Platz gemacht, den Vollkontakt. Und nach zwei Jahren wurde ich dann deutscher Meister, mehrfacher Hamburger Meister. Und war in der Nationalmannschaft, Weltmeisterschaft gekämpft, vierten Platz geholt. Also... Die Geschichte war aus dem Mobbing heraus und aus dem Fußball und aus dem Nicht-Spreche-mit-Sprach-Barrieren so viele Störfaktoren, Hindernisse in meinem Leben, die ich dann für mich gemeistert habe, das Bestmögliche. Heute bin ich natürlich sehr klar und keiner mobbt mich. Nein, nein, schon. Entweder aus Respekt oder aus Angst, wer weiß, warum. Das stimmt. Wenn du mal diese Erfolgsmechanismen demaskierst, also dieser Weg hin zum Taekwondo, aus diesem Ich-will-nicht-weiter-gemobbt-werden-sondern-mich-wehren-können oder eine andere Ausstrahlung bekommen aufgrund des Taekwondos, was waren die Erfolgsmechanismen, die dir in Zeiten von Nicht-YouTube, in Zeiten von einer Wissensvermittlung, wie wir sie heute kennen, damals nicht existent gewesen ist? Welche Erfolgsmechanismen hast du genutzt beziehungsweise für dich, wie ich immer zu sagen pflege, demaskiert, damit dieser Erfolg in der kurzfristigen Zeit für dich möglich gewesen ist? Also, es war natürlich die Leidenschaft. Fokus. Fokus. Leidenschaft. Fokus. Ich glaube, da war noch... Fokus. Genau. So. Dieses war, wenn man alles wegnimmt... Ich war tatsächlich Tag und Nacht am Trainieren. Und die Leidenschaft war da. Damals waren noch nicht so viele Ablenkungen wie heute. Wie die Social Media natürlich. Oder im Alltag so Verantwortung für Arbeit, für Geld verdienen oder Fernsehen. Es gab es damals alles nicht so wie heute. Und das war natürlich ein Vorteil, dass man sich komplett auf seine Leidenschaft, auf seine Sport konzentrieren kann. Und die Erfolge, die ich innerhalb von kürzester Zeit erreicht habe, die waren natürlich wieder ein weiterer... Ja, Bonus und... Wie nennt man das? Bedoping. Dass man immer, wenn man so hart an sich arbeitet und vorwärtsgeht und keine Herausforderung aus dem Wege geht, sondern immer gleich rein. Das... Ich glaube, das war's. Was lernt man aus einem Sport Taekwondo? Neben Taekwondo. Welche... Was hast du daraus mitgenommen, was so eine Sportart mit einem macht? Also natürlich die üblichen, die man so kennt. Disziplin, Respekt, Fokus. Man lernt sehr viel über sich kennen. Das betrifft hauptsächlich mich. Ich weiß, dass nicht alle Taekwondo, Karate, Judo, Kung Fu, die Schüler, die dann lernen, ob sie dieselben Metaphern oder selben Eigenschaften übernehmen. Ich weiß nur, dass es für mich so getroffen hat. Weil es gibt ja Kampfsportarten, hauptsächlich auf Sport. Es gibt Kampfsportarten, die sind mehr auf den inneren Weg, den geistigen Weg. Ich habe das Glück gehabt, dass ich beide Wege bis zum Maximum erfahren durfte. Und also Disziplin, Fokus, Respekt und über den Körper zu sich selbst zu finden. Du hast gerade gesagt, du hast doch viel über dich selbst gelernt. Was hast du über dich gelernt und was kannst du anderen hier mitgeben, die sich vielleicht mit so einer Herangehensweise auseinandersetzen oder vielleicht auch Sport machen, aber nicht mit der Leidenschaft, mit dem Fokus, wie du Taekwondo betrieben hast, was du anderen mitgeben kannst? Also das ist in erster Linie, dass man sich glaubt und keine Zweifel hat. Natürlich kommen hier und dort Zweifel, aber in den jüngeren Jahren, wenn man so eine Leidenschaft entdeckt hat, die Zweifel, auf die innere Stimme zu hören, die sagt, das willst du, das kannst du, du musst dranbleiben, oder du musst, du willst dranbleiben, weil das bringt ja auch Spaß. Und egal, was die Leute sagen, guck mal, die Idee, warum ich nach Amerika gegangen bin und habe es niemandem Bescheid gesagt, das ist so eine Art Prinzip, hätte ich jetzt Leuten Bescheid gesagt, Leute, Mama, Chef, Schornsteinflieger-Chef, ich gehe jetzt nach Amerika für immer. Ich glaube, ich hätte dann den Leuten Bescheid gesagt, meinen Engländern, Kreis, Familie und so weiter. Sie hätte dann gesagt, Joe, mach du mal drei Wochen, das reicht schon, dann kommt es wieder, alles ist gut. Die hätten mir das ausgeredet in irgendeiner Form, irgendjemand hätte mich schon getroffen, wo ich dann halt das nicht gemacht habe. Meine Intuition, die sehr gut entwickelt war damals schon, ich hörte sehr viel auf die innere Stimme, vertraue ich so dermaßen, dass ich das niemandem gesagt habe, Briefe geschrieben habe, ins Flugzeug und weg. Und als ich drüben war, das war dann ein neues Kapitel in meinem Leben. Aber wenn du alles, die ganzen Gefahren, die Sicherheiten, die musst du alle loslassen, komplett, damit du rübergehen kannst. Und das war natürlich nicht einfach, aber es hat im Endeffekt geholfen. Hätte ich nicht losgelassen, wäre ich nach drei, vier Wochen wieder zurück. Und das wäre mein Traum, in Los Angeles zu starten, hätte ich begraben können. Und ich kenne viele ähnliche Freunde, Bekannte, auch Menschen, die versuchen, auszubrechen, haben es aber nie geschafft. Die sind nicht gleich zurückgekommen oder gar nicht erst losgefahren, weil die Verantwortung, die Sicherheiten, alle sie gebremst haben. Und sie sind nicht ihren inneren Weg gegangen. Ich glaube, die Metapher, die alle kennen in dem Kontext und die jeder schon mal gehört hat, du darfst die Schiffe hinter dir verbrennen, so wie die Spanier in Südamerika rein sind, dreimal wieder zurück oder zweimal zurück und erst beim dritten Mal, als die Kapitäne die Schiffe verbrannt haben, es eben diesen Weg zurück nicht mehr gab und sie dann Teile des Landes kolonialisiert haben. Sind das bei dir die Briefe? Sind das möglicherweise andere Besitztümer oder Mietverhältnisse oder was es auch immer gewesen ist, die abzuschneiden waren, um den neuen Weg zu gehen? War das für dich immer auch ein Muster in anderen Bereichen, wo du etwas zurückgelassen hast, abgeschlossen hast, um dann den nächsten großen Schritt zu gehen? Weil es gibt ja so viele Facetten auch in deinem Leben, die für sich schon außergewöhnlich sind. Wo man auf andere Menschen schaut und sagt, Mensch, das ist eigentlich so ein Element, da hat der ein ganzes Leben für gebraucht, um sich dahin zu entwickeln. Das machst du mal gerade in ein paar Jahren. Ist das so ein Erfolgsmuster, was du für dich manifestiert und integriert hast? Ja, auf jeden Fall. Es ist so, dass ich immer alle acht bis zehn Jahre einen Lebenswandel mache. Das heißt, oder sieben Jahre, mache ich ein komplett neues Leben. Den Weg, den ich gegangen bin, habe ich abgeschlossen, erfolgreich abgeschlossen. Es beginnt, sehr, sehr gut Geld zu verdienen. Und was macht der Joe Alexander? Er hört einfach auf, er lässt es los und fängt etwas Neues an. Und das ist so, habe ich in meinem Leben festgestellt. Und deswegen, ja, also, wenn ich etwas erreicht habe in einer Sache, dann würde ich gerne eine neue Farbe im Regenbogen kennenlernen und die Maximum erreichen. Und das habe ich getan. Und deswegen bin ich jetzt im achten Leben. Also, ich habe so Lebenszyklen erreicht, die man vielleicht bei normalen Sterblichen, also bei normalen Menschen, nicht in einem Leben erreicht. Aber ich habe schon so viele Leben jetzt in diesem Leben erreichen dürfen. Und es bringt Spaß, ich habe noch zwei vor mir. Und die sind richtig spannend, richtig spannend. Aber damit ich die angehen kann, würde ich noch diese Phase in diesem achten Leben, in dem ich jetzt bin, bis zum Maximum genießen und aufnehmen. Und ich kann dir natürlich noch nicht sagen, nein, das würde ich, ich weiß das schon, aber ich sage es nicht. Ja, ein bisschen Geheimnis darf ja drumherum sein, sowohl für dich als auch für alle anderen in deinem Umfeld. Du erinnerst mich so ein bisschen an Reinhold Messner. Der sagt ja auch, alle sieben Jahre gibt es da was Neues bei ihm. Ob das dann die Achttausender gewesen sind oder die Sand- und Eiswüsten oder dann auch die Messner Mountain Museums, also die sieben Museen, die er gebaut und installiert hat sozusagen. Und er jetzt auch in seiner nächsten oder weiteren Lebensphase ist, der Nachhaltigkeit, wo er dann in Südtirol, dann dort am Schloss Juwal diesen Hang bepflanzt hat, um sich selbst zu versorgen und viele andere Bauerfamilien daraus. Und wer weiß, was bei ihm noch kommt. Und er genauso in diesen sieben Jahreszyklen denkt. Woher kommt dieser sieben Jahreszyklus bei dir? Ist das was, was du selbst erfunden oder reflektiert hast oder was dir irgendwo anders mitgegeben wurde? Ich habe ja keinen Mentor gehabt, beziehungsweise keinen Coach gehabt, der mich, wie heute, überall kann man so nachgucken, hatte ich ja damals nicht. Ich wusste nur, da ist kein Plan B. Es gibt keinen Plan B. Ich gehe volles Risiko rein, um das zu erfahren. Ich war letztens mit meinen Mädels im Heidelpark. Und da kannte ich den Chef und der hat uns eingeladen und so weiter. Und immer, wenn wir so Achterbahn oder irgendwas gefahren sind, ich wollte immer in der ersten Reihe sitzen. Nicht in der fünften oder in der letzten. Da sagt meine Mädel, warum? Wir müssen länger warten. Ich sage, dann warte ich. Ich möchte diese Erfahrung in der ersten Reihe nicht durch andere, die vor mir waren, vorwegnehmen. Diese Angst oder das, was man da erfährt. Ich will immer der Erste sein. Immer. Und deswegen... ...gibt es keinen Plan B. Da erfährst du am meisten an der Grenze, erfährst du am meisten über dich selbst. Weil an der Grenze ist die Wahrheit. An der Grenze ist die Luft sehr rein. An der Grenze ist einfach my country. Nein. Da mag ich mich am liebsten aufhalten. Weil alles davor ist okay, aber an der Grenze ist halt... Deswegen mache ich so viele... Durch die Stunts oder die Rekorde, die ich mache, muss ich schon längst beerdigt sein. Aber weil ich so viele Krebserfahrungen gemacht habe. Aber das ist halt alles gut gegangen. Toi, toi, toi. Wie du schon weißt, machen wir, die Curtings, diesen Podcast aus Leidenschaft, um Menschen wie dich zu inspirieren. Und es wäre wirklich großartig, wenn du uns eine Rezension darlässt, eine Bewertung, und diesen Podcast anderen Menschen empfiehlst, die möglicherweise ähnlich davon profitieren, wie du es tust. Das bedeutet uns wirklich viel. Danke dafür. Und nun hören wir uns in einer der nächsten Folgen. Bis dahin. Der Thorsten von den Curtings. Und jetzt komme ich in die Umsetzung. Ciao, ciao. SWR 2021