Über Herausforderungen und das Leben als Unternehmerpaar - Im Gespräch mit Nicole Pethke und Christian Graßmann
Diese zweiteilige Interviewreihe ist eine besondere: es sind die ersten Folgen gemeinsam mit einem anderen Unternehmerpaar. Nicole und Chris leiten zusammen zwei Firmen, den Sanitär & Heizungsdrache, sowie die Ocean Akademie und nehmen uns mit auf ihre Reise.
In der Folge sprechen wir über die Anfänge und über die letzten fünf Jahre. Es werden aber auch ihre Herausforderungen, und Lösungen dafür, reflektiert. Des weiteren bekommst du einen Einblick drüber, wie die beiden ihr Geschäfts- und Privatleben in Einklang bringen.
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Das Transkript zum Nachlesen
Auf dieses Interview freuen wir uns schon ganz besonders, denn es ist eines unserer ersten Interviews von Unternehmerpaar zu Unternehmerpaar. Und diejenigen, die wir heute hier zu Gast haben, die sind schon ganz lange in unserem Kontext, wir dürfen uns gegenseitig begleiten, wir dürfen uns gegenseitig inspirieren. Und die beiden, die wir jetzt anmoderieren dürfen und die hier schon lächelnd vor uns sitzen, sind diejenigen, die in den letzten fünf Jahren ihrer Benziehung durchaus einige Höhen und Tiefen erlebt haben. Höhen im Bereich der Geschäftsentwicklung, Höhen im Bereich der Umsatzentwicklung, Höhen im Bereich zweier Businesses, die sie erfolgreich aufgebaut haben, Höhen in allen Kontexten der Sichtbarkeit, aber auch Tiefen. Tiefen im Sinne der Beziehung, was heißt es als Unternehmerpaar nicht nur gemeinsam zu arbeiten, sondern auch gemeinsam das Bett zu teilen, wenn man das so sagen darf. Tiefen in Herausforderungen im Kontext des Businesses, im Kontext Kunden, die abgewandert sind, im Kontext der allgemeinen Material- und Halbleiterknappheit. Und beide haben ein Business aufgebaut, jeder für sich, aber dennoch gemeinsam, was sich inspiriert, was sich auch belebt. Der eine hat schon seit vielen Jahren, fast schon Jahrzehnten, ein Handwerksunternehmen, es nennt sich selbst der Sanitär- und Heizungsdrachen und das Team nennt sich das Drachenteam, durchaus zu erkennen an einer sehr beeindruckenden Flotte an Fahrzeugen und gleichgearteten Mitarbeitern. Und die andere hat die Ocean-Akademie gegründet und die Ocean-Akademie mit einem seiner Teilausprägungen, mit einem Programm Handwerker von Morgen mittlerweile anderen Handwerksunternehmen beschreibt, erfolgreich zu sein. Und das eben nicht nur in einem Verteilermarkt, da wo viel Nachfrage ist und teilweise wenig Angebot, sondern auch sich durchaus durchsetzt gegenüber der Konkurrenz in allen Belangen. Wenn wir heute reinschauen, sie selbst leben eine sehr fröhliche und ausgeglichene Beziehung, wie wir hier erleben dürfen. Sie kommen beide aus Itstein und jetzt begrüßen wir sie hier auf unseren Hotseats. Schön, dass ihr da seid, Nicole Petke und Chris Grassmann. Danke, danke euch für die Einladung. Ja, schön, dass wir da sein dürfen und danke für diese emotionale Einbindung. Ja, die erste Frage geht an euch beide und mal gucken, wer sie beantwortet. Die Anmoderation hat ja so einen gewissen Einblick schon gegeben. Wie waren für euch die letzten fünf Jahre eurer Beziehung? Wie habt ihr die wahrgenommen mit der Bitte um eine überschaubare, zeitlich überschaubare Antwort? Du hast es ja in der Anmoderation schon gesagt, es gab Höhen und Tiefen und so kannst du es im Prinzip auch sagen. Also wir haben viele kreative Momente gehabt und einige von den Ideen, die wir hatten, haben wir erfolgreich umgesetzt. Das war natürlich super, es hat viel Spaß gemacht. Dann gab es natürlich auch Ideen, die fühlten sich im ersten Moment super an, waren dann aber in der Umsetzung nicht ganz so cool wie in unserem Kopf. Und hat uns auch den einen oder anderen Tiefenmoment beschert. Ich erinnere mich daran, dass wir heulend auf der Couch gesessen haben und überlegt haben, wie es jetzt weitergehen soll. Dass damals die Bank uns eine Zusage gemacht hat, wir angefangen haben, wie die Irren loszulegen, unsere kreativen Ideen umzusetzen und dann hat die Bank einen Rückzieher gemacht und wir standen da und wussten nicht, ob und wie es überhaupt weitergehen soll. Und dann in diesem Moment dazustehen, wo du im völligen Druck bist und sagst, kacke ich weiß nicht, ob wir das irgendwie gedreht kriegen. Dann dazustehen, im nächsten Termin bei der Bank und ich weiß es noch genau, wir sind da rausgegangen und haben uns danach angeguckt und gesagt, scheiße heute waren wir so gut, wir hätten es uns selber geglaubt. Weil wir einfach unsere Idee in uns so gebrannt hat, dass wir gesagt haben, wir kriegen das hin. Und diese Überzeugung haben wir geschafft zu transportieren und das war letztendlich der Schlüssel. Also ich würde noch ergänzen, die letzten Jahre waren definitiv nicht nur aufgrund der außenpolitischen Lage und der Situation, die wir alle hatten, durchaus emotional und durch sehr, sehr viel Veränderung geprägt, was am Ende aber tatsächlich der Schlüssel für das ist, was wir heute haben. Wohlwissend, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstangen ist, wir sind ja beide erst zarte Anfang 40 und da wird noch einiges kommen, aber wirklich emotional und unbewusst von verdammt viel Vertrauen geprägt. Damals schon in der ersten Woche, als wir zusammenkamen, zu sagen, wir machen beide Businesses zusammen. Wohlwissend der Auswirkungen nicht klar zu sein. Gab es da so bestimmte Schlüsselmomente, so wie das mit der Bank, wo ihr festgestellt habt, jetzt sind wir an einem Punkt, da wächst es so richtig zusammen? Ja, der erste Schlüsselmoment für mich zumindest war, als wir entschieden haben, privat ein Paar zu werden. Ich glaube es war nach 10 Tagen oder sowas. Ich weiß noch, wir haben bei dir in der Wohnung gesessen in Ingolstadt und Nicole guckt mich an und sagt, ich weiß gerade nicht, wo es herkommt, aber Schatz, ich habe das Gefühl, wir müssen das zusammen machen. Ich möchte, dass du mit in die Akademie reinkommst, du hast eh den Wunsch, Trainer zu werden. Wir wissen noch nicht, was entsteht, aber es wird cool und ich möchte, dass du mit reinkommst. Ich habe vollkommen aus der Emotion heraus gesagt, ja klar, machen wir. War ein bisschen wie eine Heirat. Ja, ja, ich will, cool. Und wir hatten beide keine Ahnung, also wirklich keine Ahnung, was daraus A entstehen kann und B, was es aber auch für Herausforderungen im Alltag, ihr habt es eben so schön angesprochen, auch als Paar dann mit sich bringt. Es war natürlich damals, wenn du frisch zusammen bist, auch mit Ende 30, natürlich der Punkt von, ja cool, rosa Wolken und es wird jetzt alles mega und wir arbeiten auch noch zusammen. Ja, bis zu Tag 1, wo wir uns vorbereitet haben auf einen Trainingsslot, wo wir auf der Bühne standen vor 100 Leuten, 90 Minuten und Nicole eine mega akribische Vorbereitung gemacht hat und ich bin da eher so der Stand-up-Comedian und habe gesagt, naja, 90 Minuten, die kriegen wir schon gefüllt, so im vollsten Vertrauen. Und da hatten wir dann unsere ersten emotionalen Momente, wo Welten aufeinander trafen. Ja, da habe ich vier Tage vorher gesagt, so, und jetzt ist es mir scheißegal, ob du jetzt ins Bett willst oder nicht, wir setzen uns jetzt hin und machen diese Vorbereitung für diesen Slot und da haben wir, glaube ich, bis morgens um drei da gesessen und haben das vorbereitet, weil ich gedacht habe, ich kann einfach nicht schlafen vorher. Und da war ich wirklich ganz kurz vorm Hände liebevoll zum seinen Hals legen, also das war wirklich so, ja. Also das war einer der Schlüsselmomente und dann der größte Schlüsselmoment war auf der Fahrt zu dieser Veranstaltung, als wir uns überlegt haben, ist ja super, aber was verkaufen wir denn eigentlich, wenn wir 90 Minuten auf der Bühne stehen? Ich weiß, sehr witzig, wenn wir da stehen und irgendwie unseren Spaß haben, aber was ist das, was wir verkaufen? Da hat das Mentoringprogramm entstanden. Wir reden ja über sechsstellige Beträge. Fangt schon mal an, wir haben das verstanden, finden wir mega cool und unterstützen wir. Und dann haben innerhalb von zwei Tagen, nach vier Wochen beide Banken, nachdem wir so knapp 150.000 Euro ausgegeben hatten, gesagt, ja schade, aber die Kreditabteilung sah das anders. Und wir haben dann da gestanden und gesagt, ja Leute, die Kreditabteilung hat euch doch mündlich zugesagt, dass das schon wird, dass wir jetzt halt nur vier Wochen Bearbeitungszeit brauchen. Das war, glaube ich, auch ein Moment, wo Nicole mich zum ersten Mal in meiner Unternehmerrolle sehr deutlich kennenlernen durfte, weil ich gesagt habe, Schatz, du darfst jetzt mal aussteigen hier im Hof. Ich muss noch mal weg. Wo musst du hin? Sage ich dir später. Also das war so geprägt von totaler Klarheit. Ich bin dann in Edstein bei einer Bank reinmarschiert und habe gesagt, Businessberater jetzt. Und dann hat so ein, der tut mir heute noch echt leid, ich sage mal liebevoll in den Anzug wachsende Auszubildende da gestanden und hat gesagt, ja kann ich Ihnen helfen und Sie hätten nächste Termine nächste Woche. Ich habe gesagt, nochmal, Sie haben mich falsch verstanden, Businessberater jetzt. Und dann hat unsere heutige wirklich vertrauensvolle Bankberaterin uns da wirklich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, wo wir bei McDonald's in Limburg einen Kreditvertrag unterschrieben haben, uns wirklich den Hintern gerettet, weil nicht nur, dass die Banken uns an der Stelle den einen Dispo, also die Umschuldung von dem Dispo auf den Kreditrahmen, der besprochen war, nicht dargestellt hat, sondern sie haben uns ja auch noch, wenn da jetzt mal keine Namen, den einen Dispo komplett gekürzt. Und wenn du halt einen Dispo-Rahmen, den du fast ausgeschöpft hast von 100.000 Euro, dann gekürzt kriegst auf 20 mit der liebevollen Info, das sechs Monate Zeit, die 20 auch noch zurückzuzahlen, dann hast du halt echt Dampf. Und das weiß ich noch, das war 28. des Monats, 13 Gehälter auf der Agenda, wir brauchen so 50.000 Euro im Monat, damit das Licht angeht. Das war durchaus einer der Schlüsselmomente, wo wir echt sehr, sehr viel gelernt haben als Unternehmer. Einen Schlüsselmoment möchte ich noch gerne ergänzen, der für mich tatsächlich ganz prägend war, welchen Unterschied es macht, ob ich da alleine da stehe oder ob wir zu zweit da stehen. Ich hatte eigentlich ein Seminar im Bereich Digitalisierung und hatte da Unternehmer sitzen und Chris war eigentlich nur mit dabei, weil wir danach noch einen anderen Termin hatten. Und dann hat er gesagt, hey komm, wenn du da vorne stehst, ich arbeite ja immer aktiv mit den Teilnehmern, wenn du da was abfragst, kann ich das ja an Flipchart anschreiben, dann kannst du mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben. Ja, super Idee. Und dann ging es eben um digitale Techniken, um darum die Menschen mitzunehmen und ein Mix aus Führungskräfte, Training und Digitalisierung. Und dann war hinten in der letzten Reihe, war da einer, der gesagt hat, ja Frau Pietke, es klingt ja alles ganz toll, was Sie sagen, aber in unserer Branche, und es ist ja immer eine spezielle Branche, in unserer Branche funktioniert das nicht. Und es war ein Werkzeugmacher und in dem Moment kam Chris von der Seite vor und sagt so, jetzt muss ich doch mal was sagen. Sagt, eigentlich bin ich ja heute nicht hier, aber jetzt muss ich doch mal was sagen. Also in unserem zweiten Unternehmen, das ist ein Handwerksunternehmen, da haben wir das umgesetzt und da funktioniert das. Plötzlich. Völlige Ruhe. 100%ige Akzeptanz. Also du hast gesagt, ich bin ja Handwerker, ich brauche es ja einfach. Und in unserem zweiten Unternehmen. Und jetzt stellt sich niemand von den ganzen Unternehmern, stellt sich unter den einfachen Handwerker, so ungefähr, naja der große Handwerker, aber so und plötzlich eine 100%ige Akzeptanz im Raum. Achso, ja dann. Und ich dachte so, ihr wollt mich verarschen. Also es war wirklich so, echt? Und dann sind wir ins Auto gestiegen und haben gesagt, komm lass uns bitte diese Symbiose nutzen. Lass uns das nutzen, dass wir das im eigenen Laden umgesetzt haben. Wir haben ja jeder, der zu uns kommt und sagt, das funktioniert alles nicht, können wir sagen, komm vorbei, guck es dir an. Wir haben das alles schon gemacht. Also wir sprechen halt aus Erfahrung. Und das war für mich auch so ein Schlüsselmoment, so dieses so, ah ok, so einfach kann es sein Akzeptanz zu kriegen. Hey, wir die Curtings machen diesen Podcast aus Leidenschaft, um Menschen wie dich zu inspirieren. Und es würde uns und anderen wahnsinnig helfen, wenn du uns eine Podcast-Bewertung darlässt und diesen Podcast anderen Menschen empfiehlst, die möglicherweise ähnlich davon profitieren, wie du es tust. Danke dir dafür. Und jetzt weiter mit der aktuellen Folge. Ja, ich habe mir schon gedacht, dass die ersten beiden Fragen durchaus die Möglichkeit geben, auf ein fünfjährige gemeinsame Zeit zurückzublicken. Jetzt bist du, Chris, ja schon viele, viele Jahre selbstständig. Erschreckenderweise schon 21 Jahre. 21 Jahre. Mehr Jahre als, Schatz, wir beide verheiratet sind. Knapp. So knapp. Wir hatten letzte Woche unser 20-Jähriges. Danke, dass du das eben auch erkannt hast, Nicole, hier mit den schönen Luftballons, die wir hier im Büro haben. Dazu übrigens herzlichen Glückwunsch. Danke schön. Auch als Unternehmerpaar, die schon lange Unternehmerpaar sind, wie wir beide und auch in vielen Kontexten als Angestellte und auch als Selbstständige gemeinsam gearbeitet haben, darf ich sagen, die nächsten 15 Jahre werden auch für euch noch dynamisch werden. Yay. Aber es ist möglich. Es ist möglich. Nicole, jetzt bist du ja als Partnerin in das Leben eines Selbstständigen getreten, hast dort sicherlich Herausforderungen und auch bestimmte Betrachtungsweisen gehabt, wie das ist mit jemandem, der damals vielleicht noch selbst und ständig gearbeitet hat, dort den Platz einzunehmen und auch den Platz zu finden und dann nach einiger Zeit dich auch entschieden hast, dein eigenes Unternehmen zu gründen, die Ocean Academy, und dann mit diesem Pfad Handwerker von morgen dich so ein Stück weit anzudocken, was jetzt auch für deine Kunden, für eure Kunden auch als Vorbild gilt im Sinne von, wow, das ist ein Benchmark, wie man ein Sanitär- und Heizungsunternehmen führen kann, bis jetzt zu einem Zeitpunkt, wo man sagen darf, dass ihr beide in euren jeweiligen Kontexten, in euren jeweiligen Unternehmen, aber auch in der Gemeinsamkeit dessen, wie ihr beides belebt, sehr erfolgreich seid. Wie war so diese Transition-Zeit von Liebe zu wirklicher Partnerschaft, zu hin, Teil eines selbstständigen Unternehmens zu sein, den Platz dort zu finden, das eigene zu gründen? Wie würdest du, Nicole, das beschreiben aus deiner Perspektive und dann vielleicht auch noch deine Sicht, Chris, wie diese Transition, diese Entwicklung stattgefunden hat? Am Anfang war das sehr geprägt durch, lass uns ausprobieren. Bestimmte Themen wusste ich schon, dass es funktioniert aus meiner Konzernzeit und da hat Chris echt sehr tapfer durchgehalten. Ich erinnere mich da an einen Tag, wo wir den Rechnungsprozess aufgenommen haben und wo er dann, wir haben morgens um acht angefangen, es ging bis siebzehn Uhr und um zehn hat er angefangen, neben mir sehr schwer zu atmen und dann war wirklich so, die Hand auf den Oberschenkel, halte durch. Also da gab es einige Momente, wo er sehr stark seine Komfortzone verlassen hat, weil er im Vertrauen war, dass ich weiß, was ich tue. Und mit der Zeit ist da dazugekommen, dass wir einfach gelernt haben, wo die jeweiligen Stärken sind. Am Anfang haben wir da viel intuitiv gemacht, wo wir dachten, wie es richtig ist und inzwischen wissen wir sehr genau, wo liegen welche Stärken von uns und auch die Schwächen und jeder ist genau in den Bereichen eingesetzt, wo die Stärken liegen und die Schwächen, da können wir uns halt glücklicherweise wirklich gut ergänzen, weil wir andere Schwächen haben und die Schwächen, die wir beide haben, da haben wir jemanden für eingestellt. Also da sind wir sehr stark ergänzend und bereichernd unterwegs. Würde ich genau so unterschreiben. Für mich ist der Punkt tatsächlich gewesen, damals durch eine Außendienstmitarbeiterin von einem Hersteller, mit der wir zusammengearbeitet haben, die mich damals zu meinem ersten Coach gebracht hat, diese Hilfe von außen. Also ich kannte diese Hilfe von außen schon, so wie ihr das ja im Prinzip auch macht, für Unternehmer, dass ich damals erstmal einen Personal Coach hatte. Und ich habe damals auch eine meiner ersten Worte, das wird vielleicht vielen, die zuhören, auch so gehen, sagen, ja Personal Coach, alles klar, brauche ja keinen Psychiater. Tatsächlich bin ich mittlerweile echt davon überzeugt und da ja fast schon missionarisch unterwegs, das jedem unserer Handwerkskollegen an die Hand zu geben, das Entscheidende ist gar nicht, ob der Coach, Trainer, Freund, bekannter Familienmitglied heißt, sondern diese offene, wahrhaftige Annahme, dass es eine zweite Meinung neben dir als Inhaber, als Chef geben kann, die im ersten Schritt tatsächlich nicht immer geil ist. Also mein damaliger Coach Jochen hat zu mir gesagt, du musst deinen Mitarbeitern halt mal die richtige Frage stellen. Und ich so, Alter, was soll ich dir denn fragen? Die kriegen jeden Monat Geld, die sollen ihren Job machen und arbeiten. Also so war meine Haltung halt damals. Und dass ich mit dieser Haltung natürlich nicht wirklich erfolgreich war am Ende des Tages. Also beruflich war ja irgendwie alles cool. Wir haben Geld verdient, sechs Wochen Urlaub im Jahr gehabt, coole Karre gefahren, das war alles ganz geil. Aber trotzdem war ich ja nicht happy. Und die Ursache dafür lag ja in mir. Also die lag nicht bei den Mitarbeitern, ich habe das natürlich alles auf die projiziert, aber die lag bei mir. Und dieser entscheidende Punkt war dieser Blick von Nicole von außen und die damit einhergehende Antwort auf meine Frage, die unterbewusst immer da war, wie machen es diese Googles und Apples dieser Welt, dass Mitarbeiter sich umstellen, reißen? Wie machen die das so verdammt attraktiv zu wirken als Marke, dass ja nicht nur der neue iPhone Nutzer beim Apple Store vorm Laden kämmt, um so ein blödes Handgerät zu kriegen, sondern ja auch Mitarbeiter, wenn der neue Store eröffnet wird und sich ja fast schon auch heute noch, zehn Jahre, 13 Jahre nach dem Launch von dem iPhone, heute noch um diese Stellen reißen, um in einem blauen, gelben, grünen T-Shirt Handys zu verkaufen. Unser Job gibt ja viel mehr her, als ein Handy zu verkaufen. Wie machen die das? Und das hat Nicole mit dieser Konzernsicht von Automobilindustrie, Lebensmittelindustrie, Digitalisierung, IT-Leitung wirklich da paar Excellence reingebracht und durch das Vertrauen, was ich natürlich auf der partnerschaftlichen Ebene hatte, dort geebnet und diese Symbiose nutzen wir natürlich heute. Diese Sichtweise von außen, wie es in anderen Bereichen geht und das tauglich zu machen für jeden Betrieb individuell. Das war das, was bei uns wirklich, wie Thorsten, du sagst so der Gamechanger war, warum das dann am Ende funktioniert hat und wirklich umsetzen. Die Dinge umsetzen, nicht in Frage stellen, im Vertrauen mitgehen, aber es muss anders werden, um anders zu sein. Das klingt ja extrem harmonisch, wie ihr das beschreibt. Immer, immer. Heute Morgen ja. Also aus der eigenen Perspektive und auch das, was ihr beschrieben habt, eine andere Meinung zuzulassen, von außen was reinzubringen, die Komfortzone zu verlassen, hat ja viel auch mit emotionalen Ausschlägen zu tun. Gab es da Konflikte und wenn ja, wie habt ihr die gelöst? Schatz, hör mal kurz weg. Also definitiv und das ist die Herausforderung, was ich vorhin auch schon meinte mit wir waren uns der Auswirkungen dessen gar nicht bewusst, weil natürlich irgendwann auch der Punkt kam, nachdem wir aus dieser Bankensituation zum Beispiel rauskamen, wo natürlich jetzt Nicole an der Stelle mal lernen durfte, dass es mich auch vielleicht mal in nicht nett gibt, was aber gar nicht mit uns als Partnerschaft zu tun hat, sondern es war wirklich eine Bewährungsprobe, wenn in dem Moment, nachdem ja gerade auch meine private Trennung da natürlich eine Rolle spielte mit den Kindern, die logischerweise auch emotional war, unabhängig davon, dass ja was Tolles heute daraus entstanden ist, was mit Sicherheit so auch vielleicht selten auf der Welt zu finden ist, was wir da geschaffen haben, auch durch die Verbindung und da gilt der größte Dank den neuen Partnern an der Seite von mir und von meiner Ex-Frau Claudia, die das ganze Spiel auch mitmachen, weil wir ein gemeinsames Konstrukt aufgebaut haben. Aber dieser Aspekt von Zusammenarbeiten und was Nicole vorhin sagte, die Stärken des anderen zu erkennen, aber auch die Schwächen zu kennen, bedarf auch der Verantwortung für die beiden Businesses an der Stelle. Es gab den Punkt, wo ich irgendwann gesagt habe, Schatz, dieser visionäre Gedanke, die Kreativität, alles, was du da mitbringst, das Großkonzernwissen, das ist alles geil, aber irgendeiner muss sich am Ende des Tages die Finger hier dreckig machen und der muss das umsetzen und unser Team schafft das gerade nicht, ich schaffe das gerade nicht. Und diese Punkte dann auch zu akzeptieren und darzustellen, aber auch dann Nicole nicht aufs Abstellgleis zu stellen, sondern zu gucken, okay, an welchen Stellen kann sie das, was sie gut kann, wirken zu lassen, das ist mit Sicherheit eine der Kernaufgaben, genauso wie es andersrum ist. Ja, also gerade die Situation, die du beschrieben hast, die war für mich echt schwierig, wenn du gefühlt, es ist wie wenn du einen Porsche hast, fährst auf die Autobahn und es ist Stau, weißt du, und so habe ich mich gefühlt in genau dieser Zeit, dass ich ganz viele tolle Ideen hatte, die ich aber nicht umsetzen durfte. Ja, weil es geht gerade nicht. Und das dann aber in der Partnerschaft zu erkennen, zu sagen, okay, es ist super, was du kannst, der Zeitpunkt passt gerade nicht, es braucht noch Zeit, später. Das war für mich persönlich ein Riesenpunkt, genau damit so umzugehen, dass ich es nicht empfinde als, na toll, was ich kann, will hier keiner, sondern als, okay, ich verstehe, der Zeitpunkt passt gerade nicht, wir heben uns das auf für den Zeitpunkt, wenn es wieder passt. Ganz konkret, was hat euch dabei geholfen? Welche Routinen habt ihr aufgesetzt? Wie habt ihr eure Rollen verteilt? Wie habt ihr das mit den Stärken und Schwächen identifiziert? Was hat euch konkret dabei geholfen? Ja, ja und ja. Also im ersten Schritt miteinander reden. Also wirklich weg von den Kundengesprächen und natürlich auch dieses abends am Abendbrotstisch nicht zu sagen, ach super Schatz, dass du zu Hause bist, heute über den Tag habe ich fünf Fragen, die ich mir extra aufgehoben habe, wenn ich dich jetzt sehe. Also nicht diese Sachen, sondern wirklich dafür, für diese Themen Termine machen, unterm Tag, nicht abends. Und abends wirklich privat sein, also wirklich über private Themen quatschen und nicht mehr über die Firma. Das gelingt uns noch nicht immer, aber wir arbeiten da ganz stark dran und machen uns das auch immer bewusst, dass wir sagen, hey Schatz, haben wir Feierabend? Oh ja, stimmt. Also wirklich, das ist ein großer Punkt. Und dann, was du gesagt hast, diese Rollenaufteilung. Das war für mich persönlich ein riesengroßer Schritt, dass wir uns hingesetzt haben und gesagt haben, okay, was ist unsere Rolle, in welchem Unternehmen? Weil wir führen jetzt zwei Unternehmen miteinander und wir haben in beiden Rollen, beide aktive Rollen. Und dann zu gucken, okay, wer hat denn jetzt welchen Hut in welchem Unternehmen auf? Und diese Aufgaben sehr klar aufzuteilen und dann zu sagen, Schatz, ist das nicht meine Aufgabe? Ach ja, stimmt. Dann immer wieder aktiv dran zu bleiben, liebevoll, ohne den Vorwurf, ey, das ist mein Thema, sondern zu sagen, sag mal, das hat viel verändert. Und viel spannender finde ich aber, das würde ich gerne ergänzen, dieser Punkt von, oftmals ist ja eine Aussage aus der Emotion heraus, gerade wenn es das eigene Business ist, die eigene Verantwortung, mal in Situationen, wo es echt brenzlig ist, die Situation, die ich eben gesagt habe, wenn du am 28. da stehst, die Bank zieht dir mal die Kohle vom Konto, sperrt sogar ein Konto und du musst Löhne bezahlen, dann ist halt eine klare Aussage und das merken wir bei den Handwerkern, die wir begleiten, das merken wir im Alltag, dass bei uns so gesellschaftlich Klarheit oft mit Unfreundlichkeit oder Überheblichkeit verwechselt wird. Und das hilft uns tatsächlich da erstmal auch für uns selbst klar zu werden, das ist ein Ding, was sich bei mir total verändert hat, mir erstmal nicht mehr aus dem Affekt zu handeln, sondern erstmal selbst darüber klar zu werden, was ist denn das, was da gerade hochkommt und wie ist denn das und ein vielleicht empfundener Vorwurf mal zu hinterfragen, ob es wirklich einer war, weil dieses Selbstbetroffensein oder Selbstgetroffenfühlen ist vom Partner vielleicht gar nicht oft so gemeint, sondern ist gerade einfach nur diese andere Sichtweise, die man zu dem Zeitpunkt gar nicht hören will oder gar nicht empfunden hat. Wie du schon weißt, machen wir, die Curtings, diesen Podcast aus Leidenschaft, um Menschen wie dich zu inspirieren. Und es wäre wirklich großartig, wenn du uns eine Rezension darlässt, eine Bewertung und diesen Podcast anderen Menschen empfiehlst, die möglicherweise ähnlich davon profitieren, wie du es tust. Das bedeutet uns wirklich viel. Danke dafür. Und nun hören wir uns in einer der nächsten Folgen. Bis dahin. Der Thorsten von den Curtings. Und jetzt komme ich in die Umsetzung. Ciao, ciao.