am lebenden Objekt arbeiten (3min-Impuls)
Im Rahmen des Interviews mit Raphael Schnebel sind viele spannende Impulse entstanden. In diesem Kurzimpuls erfährst du anhand eines Beispiels, wieso es so wichtig ist, nicht am Reisbrett zu denken, sondern am lebenden Objekt zu arbeiten.
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Das Transkript zum Nachlesen
Für das Prozessmanagement bedeutet das, lebe erst mal das, was du tust. Es gibt einen Glaubenssatz und einen Ansatz, den mal jemand als Kommentar auf einem Post, den ich dazu gemacht habe, als menschenverachtend bezeichnet hat. Denn ich habe gesagt, arbeitet und wir arbeiten am lebenden Objekt. Und wir machen nichts am Reißbrett. Was bedeutet das für das Prozessmanagement? Für das Prozessmanagement bedeutet das, lebe erst mal das, was du tust im Unternehmen. Und damit meine ich einen Prozess. Ein Prozess kann sein, wie antwortest du auf eine Kundenanfrage? Ein Prozessschritt kann sein, jetzt hat der Kunde den Vertrag unterschrieben, was passiert dann? Ein Prozess kann sein, du bist im Bereich Dropshipping unterwegs, Amazon, FBA, kann der Prozess sein, wie bestellt der Kunde bei dir im Shop bis zu dem Zeitpunkt, wenn die Ware bei ihm vor der Tür liegt, durch irgendeinen Paketdienst geliefert? Ich lebe immer die These, arbeite und optimiere an diesem lebenden Objekt, an diesem Beispiel, und fange dann an, zu dokumentieren und zu optimieren. Nicht Amazon, sondern Karstadt war damals für mich ein Role Model, was das anging. Amazon, du kennst den Begriff auch, MVP, also Minimum Available Product, manche reden von Prototypen, manche reden von Piloten. Deren erster Online-Shop, ich weiß nicht, ob du das noch weißt, bevor du auf die Welt gekommen bist, Raphael, deren erster Online-Shop war eine Bestellseite im damaligen Internet, 1996 hat das ja zumindest in unseren Ländern zugreifbar für die Gesellschaft über Netscape als Browser das Licht der Welt erblickt. War das eine Bestellseite im Internet? Und dann ist die Bestellung per Fax beziehungsweise Telex in einem Büro einer Karstadt-Filiale, einer in Deutschland für alle Bestellungen, die gekommen sind, ausgedruckt worden. Dann war da ein Azubi, der hat das Ding abgerissen, ist durch die wahre Karstadt-Filiale gegangen und hat das Produkt dort aus dem Regal genommen, so wie alle anderen Kunden, die in dieser realen Filiale unterwegs waren, und ist dann hinten ins Räumle reingegangen, hat das verpackt und hat es dann zur Post gebracht. Wie das heute aussieht, ist ganz anders, mal abgesehen davon, dass Karstadt und Kaufhof mittlerweile schon dreimal insolvent gegangen sind, jetzt zum letzten Mal vielleicht, wir wissen es nicht ganz, hat sich die Welt ja, wie werden Shopsysteme, wie werden Fulfillmentprozesse effizient belebt, komplett verändert. Da läuft kein Azubi mehr durch die Filiale, sondern in China ist ein Versandhaus und der schickt das nach Deutschland und drei Tage später hast du es hier und weißt gar nicht, wie dir geschieht. Oder du kriegst es am nächsten Tag direkt mit deinem DHL oder mit deinem Paketdienst deiner Wahl geliefert. Und diese Optimierung am lebenden Objekt, das ist das, was wir predigen, die Entwicklung am lebenden Objekt, die nicht am Reißbrett irgendwas konstruieren, was mal sein könnte und was wir vielleicht entwickeln könnte und wie man vielleicht etwas machen sollte und es dann tun, keiner braucht es nachher, sondern am lebenden Objekt zu wachsen, im Unternehmen oder das Unternehmen wachsen zu lassen, beziehungsweise die Prozesse, in deinem Fall die Prozesse am lebenden Objekt zu optimieren, anstatt Dokumentation um Dekommentation zu schreiben, zu wälzen, zu implementieren, so wie es übrigens auch in meinem Gruppenstil ist.