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Folge 152: Besser müde als pleite - Im Gespräch mit Matthias Aumann
#152 17.02.2023 · 26:58 min

Besser müde als pleite - Im Gespräch mit Matthias Aumann

In dieser Folge zu Gast ist der großartige Matthias Aumann. Er entstammt einer Unternehmerfamilie und ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der aumann:grün AG sowie Gründer und Geschäftsführer der Mission Mittelstand Gmb

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In dieser Folge zu Gast ist der großartige Matthias Aumann. Er entstammt einer Unternehmerfamilie und ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der aumann:grün AG sowie Gründer und Geschäftsführer der Mission Mittelstand GmbH. Mit seiner Mission Mittelstand hat er bereits mehr als 2500 Partnerbetriebe weiterentwickelt und gehört selbst zu den schnell wachsenden Unternehmen in Deutschland. Matthias ist mit besonderen Werten ausgestattet und gilt als toller Arbeitgeber, sowie als jemand der immer wieder neue Themenbereiche eröffnet.

In diesem ersten Teil des Interviews sprechen wir über seinen Werdegang, wie er die Schule abgeschlossen hat und sein erstes eigenes Unternehmen gründete. Dabei nimmt er uns mit auf den Weg voller Wendepunkte, Hindernisse und was ihn motiviert hat, seine Ziele zu erreichen.

Mehr von Matthias:

www.matthias-aumann.de

www.mission-mittelstand.de

www.instagram.com/matthiasaumann/

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Das Transkript zum Nachlesen

Das ist ein schönes Gefühl und das ist es auch noch, was es heute ist, weil der Erfolg, den man von außen bekommt, ist ja am Ende nur nachgelagert. Herzlich willkommen zu dieser neuen Podcast-Folge, heute mit einem ganz besonderen Gast, auf den ich mich fast schon, ich darf sagen, zweieinhalb Jahre freue, weil das ist das erste Mal, dass ich ihn um ein Interview gebeten habe und ihr werdet gleich hören, nicht nur um wen es sich handelt, sondern was ihn auch in dieser Zeit umgetrieben hat, dass das so ein bisschen immer mal wieder dann aus dem Blick geraten ist und wir jetzt den neuen Anknüpfungspunkt gefunden haben. Er ist jemand, der aus einer Unternehmerfamilie heraus entstanden ist, der mehrere Firmen schon nicht nur gegründet, sondern erfolgreich belebt hat. Die Rede ist von Aumann Grün, der Aumann Grün AG und jetzt auch seit einigen Jahren die Mission Mittelstand, mit der er in der Lage ist, wie er immer sagt, über 2.500 Partnerbetriebe, die er in der Vergangenheit hier schon aus der Selbstständigkeit ins Unternehmertum, aus dem Unternehmertum zu Unternehmen und auch zu grandios wachsenden Unternehmern und Unternehmen hat werden lassen. Er ist mit beiden Unternehmen, gehört er immer wieder zu den nicht nur schnell wachsenden Unternehmen im deutschsprachigen Raum, sondern auch denjenigen, die als großartige Arbeitgeber nach außen hin immer gewürdigt werden. Er ist jemand, der, wie darf ich das sagen, auch in neue Themenbereiche reingeht, jetzt auch in das Restaurant-Business einsteigt. Wir konnten das vor vielen Monaten auf den sozialen Kanälen in Skizzen und in 3D-Zeichnungen sehen, wo er dann immer sagt, Projekte nach vorne treiben. Und der Begriff aus einem sehr berühmten Song von Udo Lindenberg geprägt, Hinterm Horizont, da geht es nämlich weiter, so auch der Titel des neuen Restaurants, was im März seine Toren öffnen wird. Aber er ist auch jemand, der mit sehr, wie ich sagen darf, besonderen Werten ausgestattet ist, die möglicherweise manchmal an der einen oder anderen Front, wo man ihn erleben darf, in den öffentlichen Formaten nicht so durchklingt, weil er da auch die Sprache seiner Partnerbetriebe spricht, er nämlich sehr empathisch, emotional und immer klar in Bezug auf seine Ausrichtung fokussiert ist. Und er verändert gerade die Welt. Er verändert gerade die Welt hier in Deutschland. Er verändert die Welt der Unternehmer und das mit sehr großer Leidenschaft, mit sehr viel Energie. Die acht Stundentage sind, glaube ich, bei ihm schon lange ad acta gelegt. Und wir werden heute in dem Podcast mal ein bisschen darüber sprechen, wie so alles anfing, also was er so in die Wiege gelegt bekommen hat und welche Schritte er dann gegangen ist, Aumann Grün nach vorne zu bringen und Mission Mittelstand zu gründen. Wir werden auf Wendepunkte in seinem Leben eingehen. Wir werden schauen, was waren so Phasen des Lebens, wo es richtig geil funktioniert hat, aber auch Phasen des Zweifels. Wir werden sehen, wie er mit Hate umgegangen ist, also mit wirklich auch boshaften und auch unter der Gürtellinie gehenden Nachrichten, die ihn ereilt haben, immer wieder in unterschiedlichen Phasen seiner Gründungen. Und wir werden auch natürlich da schauen, wo es weitergeht und wo es hingehen darf mit allen Unternehmen und vielleicht auch den einen oder anderen privaten Einblick erlangen, denn er hat sich gerade vor kurzem verlobt und damit natürlich auch noch mal den Fokus in das ein oder andere geschärft. Und ich hoffe, dass ich ihm so zwei, drei Erfolgsfaktoren entlocken kann, im Sinne, wie man sichtbar wird, wie man Erfolg macht oder ermöglichen kann und was vielleicht den erfolgreichen Unternehmer, der durchhält, der nachhaltig für seine Werte einsteht, von denjenigen unterscheidet, die vielleicht nicht diesen Erfolg, wie auch immer Erfolg definiert wird, unterscheidet. Und jetzt genug der Vorrede und Anmoderation. Großartig, dass du heute hier bist und dir die Zeit nimmst bei deinem Terminkalender. Ich bin sehr, sehr dankbar dafür und auch die Zuhörerinnen und Zuhörer. Und jetzt heißt bitte herzlich willkommen Matthias Aumann. Vielen lieben Dank. Was eine Anmoderation. Hammer. Matthias, es ist großartig, dass du da bist. Ich habe das schon gesagt, wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren an diesem Projekt, an diesem Podcast und jetzt kommt er heute endlich zustande. Wie waren für dich die letzten zweieinhalb Jahre? Was die Pandemie, was hat dich da alles umgetrieben? Gib uns mal ganz kurz einen Einblick, wie das für dich gewesen ist. Schnelllebig. Ich glaube, das trifft das am besten. Einfach, wir haben so viel aufgebaut, so viel sind wir gewachsen, so stark sind wir gewachsen, sodass man erst mal so in den Ruhephasen wirklich die Reflexion darüber hat. Und ich glaube, das trifft es einfach auf den Punkt. Es ging einfach wahnsinnig schnell vorbei und ich bin sehr dankbar dafür, weil vor zwei Jahren waren wir, glaube ich, bei Mission Mittelstand 30 Mitarbeiter, heute sind wir knapp 150 Mitarbeiter. Also ein Wachstum in einer Phase, wo andere irgendwie mit sich selbst hadern, wo sie sagen, Mensch Pandemie, ich gucke mal, es wird schon irgendwie wieder und nicht die Chancen ergreifen, die du schon gesehen hast und dann auch umsetzt. Wir kommen da sicherlich noch drauf. Wer du heute bist und was du tust, ich glaube, da gibt es ganz viel, was man von außen betrachten kann, wo ich mit einfach mal einsteigen möchte, weil die Anmoderation ja auch einiges schon demaskiert hat, ist, wie fing das alles an? Du bist ja in der Unternehmerfamilie groß geworden. Ich glaube, das Unternehmergen und Unternehmertum ist dir in die Wiege gelegt worden. Nimm uns doch mal dahin mit, was möglicherweise weder in einem Buch noch in den sozialen Medien oder an anderer Stelle über dich zu lesen ist, Matthias. Also ich glaube, da müsste ich anfangen mit der Kindheit, weil am Ende des Tages, das prägt einen am meisten. Und ich wurde gestern von der Kapitol, also von dem Magazin auch interviewt und die haben eine ähnliche Frage gestellt, wie sehr mich mein Elternhaus geprägt hat. Und da wird gesagt, natürlich, ich denke am meisten, weil für mich gab es nie eine andere Alternative außer in die Selbstständigkeit, außer Unternehmer werden. Früher bin ich als Kind schon mit auf die Baustellen gefahren, Taschen Geld verdienen. Und dann habe ich irgendwann mit ganz ganz frühen Jahren, also ich rede jetzt wirklich, als ich acht, neun, zehn Jahre alt war, so kleine Stände aufgebaut. Wir hatten bei uns auf dem Hof, weil wir so einen alten Familienhof haben, mein Onkel hatte einen Blumenladen, habe ich vor dem Blumenladen zu Ostern Moos verkauft, also für Osternester und sowas, damit ich immer über mein eigenes Geld verfügen konnte. Und so kam irgendwann immer natürlich der Wunsch, das elterliche Unternehmen eines Tages zu übernehmen. Darauf habe ich dann hingearbeitet. Und am Ende war ich deswegen vermutlich auch in der Schule faul, weil ich hatte immer diesen sicheren Hafen, wo ich mich drauf ausgeruht habe. Und so bin ich dann mit 15 von der Hauptschule runter, habe dann eine Ausbildung zum Gärtner gemacht, weil ich gesagt habe, du, was ich mit den Augen stehlen kann, brauche ich mit dem Buch nicht lernen, was soll ich jetzt noch so lange irgendwo auf die Schule gehen. Ich weiß doch eh, was ich will. Und ich fahre dann nach der Ausbildung einfach direkt bei meinem Vater mit und lerne dann dort. Ich hatte aber einen guten Berufsschullehrer. Meine Eltern haben mir diese Idee auch ausgeredet, das war vielleicht auch gut. Und der Berufsschullehrer hat gesagt, du solltest eigentlich mal studieren gehen, in dir steckt viel, viel mehr. Aber als Hauptschüler ist die Insel zur Universität, zur Hochschule, Fachhochschule verdammt weit weg. Und da hat er mir einen guten Weg aufgezeigt, so habe ich die Hauptschule gemacht, die Hochschule, die Fachhochschule. Und dann bin ich studieren gegangen. Ich war mit 23 dann fertig. Ich wollte ins elterliche Unternehmen gehen, aber man hat schon gemerkt, das geht eher Downhill, wie das das Auffahrt nimmt und das elterliche Unternehmen musste schließen. Und so bin ich dann wirklich in die Vollen gegangen, ins kalte Wasser gesprungen und bin mit 23 Jahren dann in die Selbstständigkeit gegangen, habe ja auch mal ein Grün AG gegründet. Auch eine witzige Geschichte, weil mit einer AG einen Gartener Landschaftsbau zu gründen, macht keinen Sinn. Und diese AG war eigentlich auch nichts wert. Das bedeutet, es war eigentlich nur ein stiller Viermantel. Es gab sechs Gesellschaft da, die wollten damals ein großes Energienprojekt machen, mit 20 Biogas-Verlagen miteinander vernetzt, verkoppelt. Und dann gab es eine Gesetzesänderung im EEG, Erneuerbare-Energien-Gesetz. Das Projekt war zu scheitern, es war nicht verurteilt, es ist gescheitert auch. Und das Geld, was die eingezahlt haben, war größtenteils für die Projektierung etc. weg. So war die AG auch nichts mehr wert. Und ich habe mir einfach für den Appel und Ei alle Aktienanteile angeeignet. Ich war Hauptaktionär zu 100 Prozent einer AG, die nichts wert war. Ich habe mich dann zum Vorstand selbst gewählt, war ja der Hauptaktionär. Ich bin zum Notar gestiefelt, habe die Satzung geändert zum Gartener Landschaftsbau, habe mir einen Aufsichtsrat gesucht, also den musst du ja haben als eine AG, und habe mich selbstständig gemacht. Und ich war mit 23 ein Vorstand einer AG. Und das, als der den harten Weg gegangen ist, von der Hauptschule zur Realschule, Fachoberschule und dann ins Studium, sich dann auf dieses Abenteuer einzulassen, gerade nachdem der elterliche Betrieb pleite gegangen ist. Wie hat sich die Erfahrung, die du gemacht hast, von der Hauptschule bis zu dem Zeitpunkt 23, ausgewirkt auf diesen, ich würde schon mal fast sagen, den ersten jetzt hier zumindest schon mal erlebbaren Wendepunkt, nämlich zu sagen, wieder allen Widerständen, wieder allen Erfahrungen, die dir mitgegeben wurden, sicherlich in der Kindheit, dich in dieses Abenteuer zu stürzen? Also ich glaube schon viel. In der Uni war ich gar nicht so viel. Ich habe zwar studiert, aber ich war mehr auf den Baustellen. Ich wollte mein eigenes Geld verdienen. So bin ich dann in den Einzelhandel geraten. Also ich wollte neben dem Studium etwas verdienen, habe bei H&M Hosen sortiert und dann habe ich nach dreimal Arbeiten gemerkt, das machst du nicht. Dann bin ich auf die Idee gekommen. Ich war ausgebildeter Garten- und Landschaftsbauer und ich studiere ja mit 70 anderen Gärtnern. Die müssen doch auch irgendwie alle arbeiten. So habe ich dann ein Logo entworfen und habe sich Greenman Group auf Papier gegründet und habe dann andere Studenten eingestellt und bin durch die Osnabrücker Gärten getingelt und habe dort Gärten gereinigt, Gärten gestaltet usw. und habe mein erstes Geld dort auch verdient. Zu Höchstseiten hatte ich acht andere Studenten unter mir und zwei, drei Baustellen gleichzeitig, alles gemanagt. Die sind mit ihren privaten Pkws gefahren, wir haben einen Anhänger ausgelegt usw. Ich glaube, das hat mich wahnsinnig viel geprägt, weil am Ende habe ich wieder eins gelernt, verkaufen. Da habe ich eins gelernt, mich selber zu vermarkten, die ersten kleinen Lohnverhandlungen vor den Hörersälen auf dem Flur zu machen. Ich glaube, ich habe sehr, sehr gut verdient zu diesen Zeiten. Ich sage mal so, das hat mich wahrscheinlich mehr geprägt, als die Zeit im Hörsaal, wenn ich da war. Es ist ja auch wie auf der Jagd. Du machst einen Jagdschein, obwohl man das Jagen, wenn du draußen Pferden liest, das verstehst, was da abläuft in der Natur. So ist es auch im Unternehmertum. Ich kann nicht mehr denken, dass es in der Phase jetzt nicht so viele Fürsprecher gegeben hat, die gesagt haben, Matthias, großartige Idee, jetzt hier mit 23 Firma gründen. Und es ist ja die logische Konsequenz, nachdem man jetzt hier in der Uni noch nicht so viel Zeit in den Hörsälen verbracht hat, sondern mehr mit anderen Mitkommilitonen, dann schon ein Unternehmen mehr oder weniger zu gründen und schon zu beleben. Wie bist du mit den Widerständen umgegangen, wie hast du immer an deinen Weg damals schon, das ist ja schon einige Jahre her, auch wenn du jetzt noch nicht so alt bist, du bist im mittleren 30, wie bist du mit diesen Widerständen umgegangen? Ich habe es einfach gemacht. Natürlich tut das hier und da mal weh. Aber am Ende, ich hatte ein starkes Warum. Das war Geld verdienen, weil man war pleite. Man hatte ja da nichts. Und zweitens, man wollte die Eltern stolz machen. Und das war ein riesengroßer Antrieb für mich damals. Und Ego, weil die Leute gesagt haben, wenn der das macht, das klappt nicht. Das ist ja ein Hauptschüler. Und ich war ja auch nicht der Beste in der Uni. Da haben die anderen Kommilitonen auch hergedacht. Ein kleiner Scharlatan. Und am Ende, das war ein Antrieb für mich. Und ich glaube, das ist es, was einen dann auch wirklich durchhalten lässt, auch dann, wenn es hart ist, dass man weitermacht. Ego befriedigen, Eltern stolz machen, Kohle verdienen. Hey, wir, die Curtings, machen diesen Podcast aus Leidenschaft, um Menschen wie dich zu inspirieren. Und es würde uns und anderen wahnsinnig helfen, wenn du uns eine Podcast-Bewertung darlässt und diesen Podcast anderen Menschen empfiehlst, die möglicherweise ähnlich davon profitieren, wie du es tust. Danke dir dafür. Und jetzt weiter mit der aktuellen Folge. Um die Eltern stolz zu machen, braucht es ja auch was von den Eltern. Nämlich ein Stück weit Demut beziehungsweise Blick auf den Sohn als jemanden, der einen nicht vom Thron stößt oder auch zeigt, Mensch, jetzt scheiße, jetzt macht der Sohn das besser, als ich es geschafft habe, weil meine Firma ist ja pleite. Wie war das mit den Eltern zu der Zeit? Gab es da Unterstützung? Gab es da Zweifel? Wie haben sie dich auch in der Zeit vielleicht herausgefordert? Und zwar auch im konstruktiv positiven Sinne beziehungsweise dich auch den Ego rausgenommen? Ich glaube gerade auch, ohne jetzt ihn persönlich zu kennen, von deinem Vater vielleicht, der sagt, Mensch, ich habe das Ding nicht auf die Kette gekriegt. Jetzt kommt da mein Sohn, der ist halb so alt wie ich oder weniger als halb so alt. So eine Situation gab es nie und so war es auch nicht. Das hat uns sehr zusammengerückt. Anstatt ich habe es nicht geschafft und du. Ich meine, der hat 30 Jahre ein wahnsinnig großes Unternehmen aufgebaut, hat unternehmerische Fehler gemacht, hat die Verantwortung absolut bis zum letzten Cent übernommen und ist ein Unternehmer durch und durch, hat wieder ein neues Unternehmen gegründet. Und für mich ist das eher ein Vorbild, anstatt jemand, wo ich sage, oder er denkt, jetzt hat er das erfolgreicher gemacht oder so etwas gab es nicht. Also ich habe eher Rate angenommen, weil am Ende, ich war 23, ein Green One, also absoluter Grünschnabel, habe mich probiert irgendwo durchzusetzen, meine eigene Handschrift durchzubringen. Na klar, weil ich wollte nicht, dass irgendwann nachher es heißt, na schau mal her, der hat doch irgendwo nur das elterliche Unternehmen übernommen. Das war halt überhaupt gar nicht so. Also eher negative Umstände gegen mich, gegen uns. Aber es hat die Familie eher zusammengerückt und meine Mutter macht heute nochmal ein Buch darüber, worüber ich sehr dankbar bin. Und wir arbeiten immer noch sehr, sehr gut zusammen und für mich sind das eher externe Berater. Das ist großartig, wie du das reflektierst. Ich habe das natürlich auch mehr als eine Hypothese hier mit reingebracht, weil ich glaube, diese Art von elterlichem als auch familiärem Zusammenhalt, die können nicht viele verweisen. Ich glaube, da gibt es durchaus dann andere Herausforderungen, die dann sagen, na gut, dann mache ich halt weiter bei H&M, weil das, was mein Vater oder meine Eltern erlebt haben, da möchte ich nicht unbedingt hin oder werde auch in der Form nicht unterstützt. Du hast das ja auch in einem deiner ersten Bücher oder in deinem ersten Buch auch reflektiert. Das sind zwei große Begriffe, die auch auf der Titelseite stehen, nämlich Schulklug und Straßenschlau. Wie hat dich das reflektieren lassen, also in Bezug auf das Schreiben dieses Buches, was in der damaligen Zeit, auf das das sicherlich zurückzuführen ist, in das Buch dann hat hineinfließen lassen? Definitiv. Die Idee zu dem Buch kam erst fünf Jahre nach der Gründung, also circa 2016, 2017. Ich hatte da drei Millionen Euro Umsatz. Ich hatte 40, 50 Mitarbeiter zu dem Zeitraum. Ich habe schon andere Fragen gestellt wie zu der Gründung. Ich war 26, 27 Jahre da. Finanziell lief es gut. Es hat eigentlich alles gepasst, aber ich habe gefragt, was kommt jetzt als Nächstes. Ich habe mir viel die Sinnfrage da schon gestellt, weil was soll irgendwann auf dem Grabstein stehen? Der, der die meisten Hecken geschnitten hat, da hatte ich keine Lust drauf. Immer wieder sind auf Facebook, auf den Social-Media-Kanälen irgendwelche Coaches und irgendwelche, ja Online-Marketing war es damals primär, Menschen immer aufgetaucht, die jemandem gezeigt haben, wie viel er mal Mitarbeiter hat. Also nicht wegen dem Ausmaß heute, aber damals war es auch schon. Aber nicht wegen dem Ausmaß heute. Ich habe gedacht, der hat doch gar keine Mitarbeiter. Der macht doch gar keinen so viel Umsatz. So habe ich mich irgendwie eher berufen gefühlt, das zu teilen, was ich jetzt die letzten fünf Jahre aufgebaut und erlebt habe. Dieses Gefühl wurde halt untermauert durch andere Handwerker, denen ich damals schon immer for free geholfen habe. Das bedeutet, der allererste Unternehmer, dem ich geholfen habe, wo es mir bewusst geworden ist, war ein Baumdienst aus Bremen, Bremer Baumdienst. Da musste der Sohn von heute auf morgen ins elterliche Unternehmen rein, weil es einen Todesfall gab. Er kannte mich noch von Facebook und hat mir dann geschrieben, hey, kannst du mir helfen? Das war eine Art Lederklötte. Mehr habe ich nicht. Wie können wir Strukturen schaffen, Mitarbeiter finden und so weiter und so fort. So ist das dann angefangen. Ich habe gemerkt, wie ich das mache, mit meinem Aumann-Grün-Konzept. Das habe ich übergestülpt, adaptieren lassen und hat genauso funktioniert. Dieses Gefühl wurde dadurch untermauert, anderen etwas zu geben mit den Erfolgen anderer. Ich habe gesagt, okay, du gehst jetzt in die Vollen. Ich bin eher der Straßenschlaue, im Gegensatz zu denen, die sind der Schulklug. Ich glaube, das triffst du einfach auf den Punkt. Straßenschlau ist für mich ein bisschen Weisheit, ein bisschen Cleverness. Weisheit ist ja gelebtes Wissen. Gerade diese Cleverness ist, glaube ich, das, was dich auszeichnet. Zum einen die Cleverness, mal Dinge anders zu denken. Damals schon in Zeiten der Universität, wo du einfach mal anders auf das geschaut hast, was da so neben dir passiert mit den 70 anderen, mit denen du studiert hast und gesagt hast, die müssen ja auch irgendwo mal arbeiten. Dann hast du gesagt, komm, lass uns irgendwie loslegen. Aber ich glaube auch diese Nachhaltigkeit, diese Kraft, dieses pragmatisch Umsetzende, weil du ja auch, um das jetzt auch noch mal rund zu machen, gerade in den Anfangsjahren ja jetzt nicht den Erfolg von den Eltern so in die Wiege gelegt bekommen hast, mit 18 gleich statt Auto. Und dann gleich auf die Uni hoch, die Top-Universität geschickt, vielleicht noch das Auslandsjahr in Cambridge oder sowas. Sondern du bist ja durch die harte Schule gegangen. Wie würdest du jetzt rückblickend sagen, dass gerade diese Phase, wo du, ich darf sagen, die extra Meile im pragmatischen, nachhaltigen Umsetzen, Hauptschule, Realschule, Fachoberschule, Studium, Aufbau von der Firma von scratch, dich bis zum heutigen Tag geprägt oder auch die Grundlage dafür ist? Also die Grundlage war es nicht. Die Grundlage war eher, etwas Eigenes aufzubauen und zu hinterlassen. Das ist viel am Anfang Ego gewesen. Das war ein großer Antrieb. Und das musst du dir aber bewusst machen. Und das ist dann halt wieder viel Reflexion, weil sonst kriegst du nie den Stillstand. Also in den Gedanken. Sonst arbeitest du einfach, dann bist du getrieben. Ich glaube, das trifft auf den Punkt. Und getrieben sein ist erst mal nicht gut. Du musst auch wissen, wenn du sagst, okay, jetzt piano. Und das war nicht die Grundlage. Das war gut. Ich glaube eher, was es zu dem gemacht hat, was es heute ist, ist das viel Ausprobieren, am Anfang dieses Ego anderen zu beweisen. Das war, glaube ich, eher das und nicht die Schule. Also die Schule. Ich war nie besonders gut in der Schule. Ich mochte auch nie zur Schule gehen. Und es war immer eher das Selbstverwirklichende. Egal wo. Sei es, wo ich 18 war, habe ich Kaminholz verkauft. Wo ich ein Kind war, habe ich Moos verkauft und irgendwas anderes. Selbst gesammelte Beeren vom Gartencenter. Ich habe haufenweise Beeren-Schachteln verkauft. Die haben es vermutlich nicht gegessen, aber die fanden es gut, dass ich es verkaufe und haben mir zwei Mark gegeben. Oder fünf Mark Stück. Das zu spüren, ich habe gerade etwas gesammelt und ich bekomme da etwas für und das ist meins. Dieses Gefühl. Das ist ein schönes Gefühl. Und das ist es auch noch, was es heute ist. Der Erfolg, den man von außen bekommt, ist am Ende nur nachgelagert. Das ist nachgelagert. Im Vorfeld ist es die Leistung. Und die harte Arbeit. Die Beeren dürfen gepflückt werden. Dann darf man sich da einen Tag hinsetzen und daraus die Erfahrungen sammeln, die jetzt, wie du es eben schon gesagt hast, Selbstvermarktung. Du wirst nicht nur einfach da gesessen haben, sondern da wird vielleicht ein Schild gestanden haben oder irgendwas anderes, was du dir überlegt hast. Das kann ich mir denken. Und auch das Vertrieblerische, dass du dann mit den Menschen in Kontakt gewesen bist, keine Menschenscheu hast oder auf andere zuzugehen. Daraus ist ja dann auch die Aumann Grün entstanden. Mittlerweile eine dreistellige Anzahl Mitarbeiter und sicherlich auch Prüfschablone, Spielwiese, aber natürlich auch Evidenz dessen, was du heute machst. Auf das kommen wir gleich noch zu sprechen. Wie hast du den Wachstum der Aumann Grün erlebt? Damals jetzt auch im weiteren Bezug, dann 2015, 2016, wo du dann auch schon sagtest, 30, 40 Mitarbeiter, 3 Millionen Umsatz. Wie hast du dieses Wachstum für dich erlebt? Nicht nur irgendwie bei ein paar Mitstudenten zu bleiben, sondern da auch dann durchzuziehen mit organischem Wachstum, mit anderen Maßnahmen überhaupt, solch eine Entwicklung auf die Straße bringen zu können? Das merkt man nicht. Ich habe es nicht wirklich gespürt, weil man immer nur am Tun war. Ich habe es wirklich erst gemerkt, und das ist jetzt super plakativ, wo wir eine Auszeichnung gehabt haben von der Focus Money. Wir waren das 20 schnellstwachste Unternehmen. Da habe ich mir dann nachgestellt, verdammte Scheiße, was ist denn das Nächste jetzt? Willst du Platz 1 werden? Das ist schwer. Da habe ich dann erst gemerkt, du bist eigentlich schon recht gut. Man ist es wert. Das ist dann da ein bisschen eher entstanden. Schon ganz gut, was du jetzt aufgebaut hast. Du bist noch lange nicht da, wo du sein willst, aber das war gut. Das habe ich da erst gemerkt, wo ich gesagt habe, ich bin auf Platz 20. Platz 1 werde ich vermutlich mit rasenden Hecken schneiden und Unkraut nicht schaffen. Es ist bestimmt möglich, aber verdammt schwer. Man hat diesen Wachstum nicht so bemerkt. Man ist nur am Arbeiten gewesen. Hattest du auf diesem Weg mal Zweifel? Also in Bezug auf dich, ob du den richtigen Weg eingeschlagen hast? Zweifel darüber, ob das gelingt, ob das nachhaltig ist? Zweifel darüber, ob dir vielleicht ein ähnliches Schicksal dich ereilen könnte wie dein Vater und die Familie? Gab es das auf dem Weg dorthin? Ja, klar. Es ging ja nicht nur steil bergauf, sondern du hast immer wieder auch eine emotionale Achterbahnfahrt gehabt. Das bedeutet, ich habe wahnsinnig viel ins Wachstum gesteckt. Ohne Ende. Ich wollte wachsen, wachsen. Ich wollte den anderen das beweisen. Das ist natürlich auch auf einer Seite gut, aber auch gefährlich. Wachstum ohne Gewinn kann tödlich sein. Wenn du das gesamte Geld sofort wieder nach außen investierst und nach innen investierst, also nach außen in die Bekanntheit, nach innen in die Infrastruktur, dann kommt mal was Unvorhergesehenes. Das kann ja sein. Da gab es auch Monate, nicht oft, das war zu Beginn, wo ich dann gesagt habe, oh verdammter Hacke, der Lohn muss raus, die Gehälter müssen raus, ich muss was einfallen lassen. Das hatte ich auch. Natürlich, da kommen auch hier und da Zweifel, aber am Ende, was mich da wirklich immer wieder angetrieben hat, das war immer so, den anderen das am Anfang beweisen zu wollen. Ich scheitere nicht. Deswegen habe ich auch immer gesagt, lieber müde als pleite. Das war früher so wirklich meine absolute Attitude, die Einstellung, ich gebe alles konstant auf. Also es gab für mich nicht irgendwo einen Ausweg, keine Alternative. Für mich war das eine Alles-oder-nichts-Mission. Wie du schon weißt, machen wir, die Curtings, diesen Podcast aus Leidenschaft, um Menschen wie dich zu inspirieren. Und es wäre wirklich großartig, wenn du uns ein Abo da lässt, eine Bewertung und diesen Podcast anderen Menschen empfiehlst, die möglicherweise ähnlich davon profitieren, wie du es tust. Das bedeutet uns wirklich viel. Danke dafür. Und nun hören wir uns in einer der nächsten Folgen. Bis dahin. Der Thorsten von den Curtings. Und jetzt komme ich in die Umsetzung. Ciao, ciao. Untertitel von Stephanie Geiges