Wer nichts zu tun hat, sagt es dir nicht
Beim Umbau kam kein Widerstand, es kam Stille, und danach kamen die Fehler.
Mittwoch, kurz nach eins. Mein Teil im Gruppencall war fast rum, als Michael fragt, wo in meinem Modell der Mensch eigentlich auftaucht. Ich hatte noch zwei Impulse übrig. Der zweite war der unangenehme.
In der Runde suchten alle nach Change-Kompetenz, also nach der Fähigkeit, Menschen durch eine Veränderung zu führen. Die Annahme dahinter: Menschen haben Angst vor KI, Menschen wehren sich, also braucht es jemanden, der sie mitnimmt. Bei uns läuft seit Wochen genau so ein Umbau. Wir haben einen Chatbot von der Webseite in die Akademie umgehängt. Zweimal eine Viertelstunde erklärt, dann war das Thema durch. Gewehrt hat sich niemand.
„Was wir gerade erleben, wenn du disruptierst, werden Mitarbeiter faul."
Wer nichts mehr zu tun hat, schweigt. Ich muss es selbst merken. Die hocken rum, machen etwas anderes und sagen es dir nicht. Und je weniger jemand zu tun hat, desto mehr Fehler macht er bei dem, was ihm bleibt. Er schaut weniger hin. Er verlässt sich auf die Maschine.
Ich hatte Widerstand eingeplant. Workshops, Betroffene zu Beteiligten, das ganze Programm. Gekommen ist die Stille. Die gängige Change-Erzählung rechnet mit Gegenwehr. In meinem eigenen Laden habe ich sie nie gesehen.
Wer mir erklärt, wie ich meine Mitarbeiter auf KI vorbereite, hat es meistens selbst nie erlebt. Der kann gleich wieder nach Hause.
Was in diesem Moment sichtbar wurde
Was wir gerade erleben, wenn du disruptierst, werden Mitarbeiter faul.
Was das für dich heißt
Geh deine drei zuletzt automatisierten Abläufe durch und frag, wessen Tag dadurch leerer geworden ist. Such nach Stille statt nach Beschwerden. Dann setz dich mit dem Menschen hin, bevor er den ersten Fehler macht.
Wer in deinem Team hat seit dem letzten Automatisierungsschritt weniger zu tun, und wann hat er es dir gesagt?