Ich rede nie wieder über Agenten, nur über Applikationen
Dasselbe Agentensystem lag plötzlich als klickbare App im Browser, und 200 Teilnehmer hatten auf einmal Ideen.
Morgens um neun, Gruppencall zum Multi-Agenten-Workshop, rund 200 Teilnehmer auf dem Bildschirm. Ein Beirat aus KI-Agenten soll live debattieren, lokal auf dem eigenen Rechner. Den Auftrag dafür hatte ich nachts am Campingtisch eingesprochen.
Davor lag der Technikkampf. Eine versteckte Datei namens .env, in die ein Schlüssel gehört. Slash-Commands, also Kurzbefehle im Terminal, dem schwarzen Eingabefenster ohne Knöpfe. Berechtigungen. Für diesen Vormittag habe ich das alles absichtlich herausgelassen, damit niemand daran hängen bleibt.
Dann stand die Applikation im Browser. Ein Feld für die Frage, ein Feld für den Kontext, ein Auswahlfeld für zehn, zwanzig oder dreißig Gesprächsrunden der Agenten. Und im Chat ging es los. Die Leute fingen an zu wünschen. Einer wollte vierzig Beiratsmitglieder. Ein kritischer Beirat, ein wertschätzender, einer für Finanzfragen.
„Das ist nochmal geil, Katrin, das müssen wir uns merken. Zwischen euch und der Kreativität und zwischen euch und dem Ergebnis steht viel zu viel Technik."
Ich habe Agenten gebaut und Agenten unterrichtet, als wären sie das Ziel. Das nehme ich zurück. Der Agent ist die Bauweise. Sichtbar wird er erst als Applikation, und erst dort denkt jemand weiter.
Die Leute konnten es längst. Sie mussten es nur sehen. Wer auf das schwarze Eingabefenster schaut, prüft, ob es läuft. Wer auf eine Oberfläche mit Feldern und einem Knopf schaut, denkt: Jetzt könnte ich das noch machen, und das noch.
Deswegen sprechen wir hier nie wieder über Agenten. Nur noch über Applikationen.
Was in diesem Moment sichtbar wurde
Zwischen euch und der Kreativität und zwischen euch und dem Ergebnis steht viel zu viel Technik.
Was das für dich heißt
Such das Skript heraus, das bei dir im Terminal läuft und das außer dir keiner anfasst. Lass dir dazu eine Oberfläche bauen: ein Eingabefeld, zwei Auswahlfelder, einen Knopf. Zeig sie morgen einem Kollegen und schweig, bis er etwas vorschlägt.
Wann hat in deinem Team das letzte Mal jemand ohne Aufforderung eine Erweiterung deiner Automatisierung vorgeschlagen?